Ermittlungen gegen Hells Angels vor Abschluss
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 05.11.2008 1 Kommentar
Hells Angels: Nächstes Jahr dürfte es zum Prozess kommen.
Ob sich der Verdacht erhärtet hat, bleibt offen. «Aus meiner Sicht sind bezüglich der Hells Angels keine weiteren Beweise mehr nötig», sagte Jürg Zingle, Leiter des eidgenössischen Untersuchungs-Richteramtes, gestern auf Anfrage der Berner Zeitung. In den nächsten Tagen will Zingle deshalb die Beweismittelfrist ansetzen.
Die Anwälte der verdächtigten Rocker können in dieser Frist ergänzende Beweise fordern. Das gilt ebenfalls für die Bundesanwaltschaft, die beim Strafprozess als Klägerin auftreten wird. Im Januar will der Untersuchungsrichter den Schlussbericht abliefern. Auf Grund dieser Schrift wird entschieden, in welchen Punkten sich die Verdächtigten vor den Richtern verantworten müssen. Möglich ist, dass nur einzelne Rocker wegen relativ kleiner Delikte vor den Richter müssen.
Kriminelle Organisation?
Offen ist nach wie vor der heikelste Punkt in dieser prominenten Akte: Die Bundesanwaltschaft und später auch der Untersuchungsrichter ermittelten gegen die Zürcher Hells Angels auch wegen organisierter Kriminalität. Ob sich dieser Verdacht am Ende des Beweisverfahrens nun erhärtet hat, wollte Zingle gestern nicht sagen. Damit bleibt weiterhin offen, ob den Rockern auch wegen dieses Vorwurfs der Prozess gemacht wird.
Der Motorradklub hat sich gegen diese Anschuldigung immer vehement gewehrt. Es sei rufschädigend für ihn, dass die Justiz diesen Vorwurf so lange aufrechterhalte, ohne dass ein Richter darüber entscheide.
Der Justizfall der Zürcher Hells Angels hat eine lange Vorgeschichte: Ihr Anfang liegt im Jahr 2004. Auf Kommando des damaligen Bundesanwaltes Valentin Roschacher hatten am 28.März jenes Jahres 300 Polizisten das Klublokal der Rocker gestürmt. 17 Personen wurden verhaftet. Später wurde publik, dass die Ermittler die Mitglieder des Clubs zuvor fast zwei Jahre lang mit versteckten Kameras und Wanzen überwacht hatten.
Buttersäure und Waffen
Gegen verschiedene Mitglieder wurde anschliessend wegen Hanfhandels im grossen Stil, eines Buttersäureanschlages auf ein Bordell, illegalen Waffenbesitzes und weiterer Delikte ermittelt. Die Rocker beteuern, dies seien bloss Delikte einzelner schwarzer Schafe im Klub. Bundesanwalt Roschacher wurde von vielen Seiten kritisiert, die Aktion gegen die Hells Angels sei unverhältnismässig gewesen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.11.2008, 12:06 Uhr
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