«Entscheidender sind andere Faktoren, etwa die Partnerin»
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 22.12.2009 22 Kommentare
Thomas Vogel: «Es heisst nicht, dass all jene, die nicht übergewichtig sind, automatisch gesund leben.»
Dossiers
Artikel zum Thema
Stichworte
Herr Vogel, die FDP Schweiz will Menschen, die gesund leben, mit einer tieferen Krankenkassenprämie belohnen. Was halten Sie, der ja auch mit seinem Gewicht kämpft, von solchen Plänen?
Gegen mehr Eigenverantwortung gegenüber der eigenen Gesundheit ist nichts einzuwenden. Diese Überlegungen müssen aber umfassend sein; sie dürfen nicht etwa beim Übergewicht haltmachen, ansonsten macht man es sich selbst – im wahrsten Sinne des Wortes – etwas zu leicht.
Sie kritisieren Ihre Partei?
Nein. Als Freisinniger verstehe ich die Überlegung, dass bei der Bemessung der Krankenkassenprämie eigenverantwortliches Verhalten honoriert werden soll. Die FDP Schweiz schlägt freiwillige Bonussysteme vor, nach welchen die Prämien günstiger werden, wenn man gesund lebt. Das heisst: Man soll individuelle Gesundheitsziele erreichen wie zum Beispiel ein bestimmtes Gewicht oder gewisse Werte in einem Fitnesstest. Dieser Ansatz ist in meinen Augen richtig. Wer übergewichtig ist, lebt sicher nicht gesund. Umgekehrt heisst dies aber nicht, dass all jene, die nicht übergewichtig sind, automatisch gesund leben.
Greift der Vorschlag also zu kurz?
Ich würde eine einseitige Fokussierung nur auf Übergewichtige nie unterstützen, und dies nicht nur, weil ich selber dauernd gegen das Gewicht kämpfe. Es gibt diverse andere gesundheitsrelevante Faktoren: Sollen auch diejenigen von günstigeren Prämien profitieren können, die zum Beispiel keine gefährlichen Sportarten ausüben, in einem vernünftigen Mass Alkohol trinken, genügend schlafen, nicht rauchen, sich regelmässig bewegen oder sich selten stressigen Situationen aussetzen? Die Messbarkeit der Relevanz von Faktoren wird sehr rasch zum Problem; in diesem Punkt besteht mit Sicherheit Diskussionsbedarf.
Würden Sie abnehmen, wenn Sie als Übergewichtiger künftig mehr Prämien bezahlen müssten als mit Normalgewicht?
Deswegen sicher nicht. Übergewichtige tun sich mit dem Abnehmen bekanntlich eher schwer. Ein paar Franken mehr oder weniger Prämie sind hierfür kaum der Auslöser. Entscheidender sind diesbezüglich andere Faktoren: etwa generelle gesundheitliche Überlegungen oder das Bedürfnis, sich im Alltag wohler zu fühlen. Und natürlich auch die Partnerin respektive der Partner.
Mit Thomas Vogel sprach Stefan Häne (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2009, 11:44 Uhr
Kommentar schreiben
22 Kommentare
Ich denke, nur wenige haben echt Freude daran, dick zu sein. Die meisten haben wohl schon unzählige Anläufe genommen, die Kilos los zu werden. Das Abnehmen mit einem Prämienzuschlag fördern zu wollen, ist illusorisch. Prävention wäre wichtig. Ob da die Lebensmittelindustrie mitmacht? Antworten
Für Dicke bitte die Prämien senken, damit sie sich wieder gesunde Lebensmittel leisten können! Es gibt übrigens auch gesunde Dicke und kranke Dünne. Regelmässige Kontrolle beim Hausarzt für alle könnte Übergewicht früher stoppen, das gilt übrigens auch für Krankheiten. Doch halt, es geht ja nicht um Prävention sondern um Kosten und die Pfründe der Ärzteschaft und des KK-Kaders. Antworten
Schweiz
- 18:44Nach dem Kampfjet erhitzen die Militärvelos die Gemüter
- 15:25Hacker dringen in EDA-Computernetzwerk ein
- 12:32Kriminaltouristen rücken mit schwerem Geschütz vor
- 10:49So will Levrat ein Nein zu den Steuerabkommen erzwingen
- 08:32FDP-Präsident Müller will Gripen abschiessen
- 23:34Roger de Weck in der Kritik
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!





