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Emmi und Co. wehren sich gegen Störmanöver

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 02.12.2010 1 Kommentar

Letzte Woche haben die Beteiligten den Schweizer Milchmarkt so zergliedert, dass die Lösung allen Akteuren akzeptabel erscheint. Jetzt erwarten die Milchverarbeiter aber von der Politik, dass die «permanenten Störmanöver» ausbleiben.

Während die Bauern regelmässig lautstark für «faire Milchpreise» kämpfen, fühlen sich ihre Abnehmer offenbar zunehmend unverstanden. Am Mittwoch jedenfalls lud die Vereinigung der Schweizer Milchindustrie (VMI) zu einem Mediengespräch. Es gehe nicht darum, einen «Gegenanlass zu starten», versicherte Präsident Markus Willimann. Vielmehr wolle er Fakten aufzeigen. Und: «Wir wollen, dass die bäuerliche Seite und die Öffentlichkeit verstehen, wieso die Milchindustrie nicht höhere Rohstoffpreise bezahlen kann.» Willimann hob zuerst die volkswirtschaftliche Bedeutung der Schweizer Milchindustrie hervor: Sie verarbeite mit rund 2,1 Milliarden Kilo fast zwei Drittel der Schweizer Milch. In den letzten vier Jahren habe sie, die 5000 Arbeitsplätze anbiete, insgesamt etwa 500 Millionen Franken investiert. Indem sie ihre Strukturen angepasst habe, könne die Industrie heute zu Preisen produzieren, mit denen sie im europäischen Umfeld mithalten könne, sagten die anwesenden Vertreter von Emmi, (EMMN 178.5 -1.11%) Cremo, Elsa und Hochdorf.

Mehr exportiert, aber...

Tatsächlich konnte die Milchindustrie in den letzten fünf Jahren bei den Exporten zulegen: Bei den Joghurts und Milchdesserts beispielsweise steigerten sie den Exportanteil um 42 Prozent. Dies, obwohl die Produkte für europäische Kunden wegen des starken Frankens immer teurer wurden. Doch gleichzeitig nahmen die Importe um 180 Prozent zu. «Inländische Marktanteile gehen verloren», konstatierte Willimann.

Urs Riedener, CEO der Emmi-Gruppe, erklärte: Seine Firma versuche, diese Importe abzuwehren und mit Exporten zu kompensieren. In den nächsten Jahren will Emmi im Export 6 bis 8 Prozent wachsen. «Das gibt eine Entlastung auf dem Schweizer Milchmarkt», sagte er und betonte: «Wir sind ein Milchexportland.» Weitere Liberalisierungsschritte seien nicht mehr aufzuhalten. Deshalb fordert der VMI «klare Rahmenbedingungen und einen liberalisierten Beschaffungsmarkt».

Was die Industrie stört

Insbesondere von der «Motion Aebi» wollen die Schweizer Milchverarbeiter nichts wissen. Mit seinem Vorstoss kämpft SVP-Nationalrat Andreas Aebi (BE) dafür, dass die Schweizer Milchproduzenten eine Jahresmilchmenge festlegen. Landwirte, die liefern wollen, müssten einen Beitrag einzahlen. Das Geld würde für den Export der überschüssigen Milch gebraucht. Der Bundesrat müsste dieses Mengensteuerungsmodell für alle Milchbauern verbindlich erklären.

Am 1.Oktober hat der Nationalrat die Motion als Erstrat gegen den Willen des Bundesrates angenommen. Dies hat die Milchverarbeiter erschreckt.

«Ich glaube, das Parlament ist etwas verunsichert», sagte Willimann gestern – und sprach weitere Punkte an, die ihn an der Verlässlichkeit der Politik zweifeln liessen: Während diese mit der Zustimmung zur Motion Aebi im Liberalisierungsprozess einen Schritt rückwärts mache, würden auf der andern Seite milchpreisstützende Instrumente aufs Spiel gesetzt. Willimann meinte das «Schoggigesetz» und die Verkäsungszulage. Beide wurden gestern im Nationalrat behandelt.

Der eingeschlagene Weg

«Wir wollen keine permanenten Störmanöver mehr, sonst können wir unsere Zukunft nicht gestalten», sagte Willimann. Zu den Problemen der Milchbauern mochte er sich nicht äussern. Es sei nicht Sache der Milchindustrie, den Bauern zu sagen, wie sie sich intern organisieren müssten. «Wir wollen die Milch für die richtigen Produkte und zum richtigen Preis», sagte Willimann. Riedener doppelte nach: Wenn Emmi mit Produkten aus der Schweiz im Export erfolgreich bleiben wolle, brauche sie Milch aus der Schweiz. «Deshalb haben wir ein Interesse an einem vernünftigen Weg.»

Einen «vernünftigen Weg», zu dem nebst Riedener auch die Vertreter von Elsa, Hochdorf und Cremo stehen, hat die Branchenorganisation Milch letzte Woche beschlossen. Alle am Milchmarkt beteiligten Akteure haben sich darauf geeinigt, die Schweizer Milch, die nicht verkäst wird, in drei Segmente aufzuteilen: Etwa 80 Prozent werden demnach ins Segment A fliessen und einen Preis von rund 65 Rappen pro Kilo erzielen. Dieser Richtpreis soll alle drei Monate angepasst werden. Ins B-Segment fliesst jene Milch, die für EU-Exporte vorgesehen ist. Hier ist ein entsprechend tieferer Preis zu erwarten. Gegenwärtig beträgt die Differenz laut den Verarbeitern rund 20 Rappen. Für C-Milch gibt es noch rund 33 Rappen. Sie ist für den Weltmarkt vorgesehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.12.2010, 10:13 Uhr

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1 Kommentar

urs Wälchli

02.12.2010, 11:02 Uhr
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Wenn die Milchverarbeiter von uns Bauern schon EU Preise verlangen dann sollen sie mit einem guten Beispiel voran und ihre Verarbeitungskosten auch auf das Niveau der EU Konkurenz senken!!!!!!!! Aber sie werden sofort ins Felde führen das das Kostenumfeld in der CH höher sei. Lächerlich das ist es bei uns Bauern auch und trotzdem werden EU Preise verlangt. Preis sank von 1.07 auf 0.60 Franken. Antworten




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