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Ein Schweizer gehört zu den grössten Spammern der Welt

Von Christian Bütikofer. Aktualisiert am 21.04.2010 11 Kommentare

An Spitzentagen filtert das Bundesamt für Informatik bis zu 15 Millionen Mails, davon sind nur 2 bis 3 Prozent legitim. Beim Versand illegaler Nachrichten mischt auch ein Genfer mit – er wird international gesucht.

Jeden Tag filtert das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) im Schnitt über 7'600'000 E-Mails. An Spitzentagen sind es 15 Millionen. Dies zeigen die neusten Zahlen, die das Bundesamt letzte Woche veröffentlichte. Gerade mal zwischen 2 und 3 Prozent der E-Mails sind legitime Nachrichten. Der ganze Rest ist Spam: unerwünschte Werbemails. Im besten Fall handelt es sich einfach um nervige Werbung, im schlimmsten Fall sind die Müllmails auch noch mit Viren oder Spionageprogrammen verseucht.

Millionenschaden für Bund

«Ohne wirksamen Spam-Filter würden E-Mails für die Bundesverwaltung schlicht unbrauchbar», sagt Werner Ammann, Systemspezialist des BIT. Er bewältigt den Mailmüll mit einem Kollegen für 40'000 Angestellte von Bund und einigen Kantonen. Die Kosten für die Spam-Bekämpfung kann er nicht genau beziffern. 2004 errechnete das BIT, dass der Bundesverwaltung durch Spam ein jährlicher Schaden von 2 Millionen Franken entsteht. Damals landeten in der Bundesverwaltung 7,6 Millionen Spams pro Monat – also fast so viele, wie heute durchschnittlich pro Tag anfallen. Spam kostet die Internetprovider weltweit jährlich Milliarden Dollar; gemäss Olaf Schulze von Swisscom gibt der grösste Schweizer Internetprovider Bluewin pro Jahr mehrere Millionen zur Spam-Bekämpfung aus.

Ohne automatisierte Systeme und länderübergreifende Zusammenarbeit wäre die Spam-Bekämpfung aussichtslos und noch teurer. Darum arbeitet das BIT seit Jahren mit der internationalen Organisation Spamhaus zusammen – 95 Prozent des Spams lassen sich so im Voraus erledigen. Spamhaus mit Sitz in Genf führt aktuelle schwarze Listen von Providern, die Spam verschicken. Sie arbeitet mit Behörden wie dem FBI, Interpol oder dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zusammen. Spam-Versand ist in vielen Ländern illegal – in der Schweiz kann man dafür seit 2007 mit drei Jahren Gefängnis oder 100'000 Franken gebüsst werden. Obwohl Spam millionenfach verschickt wird, stecken dahinter vergleichsweise wenige Personen. Spamhaus listet die weltweit aktivsten Spammer online auf – die meisten stammen aus den USA, aus Osteuropa, Russland und China. Erstmals ist auch ein Schweizer auf dieser schwarzen Liste dabei.

Illegale Daten

Kaum mit dem Gymnasium fertig, gründete der heute 28-jährige Genfer Informatiker Oswald Bousseau seine erste Marketingfirma. Bald darauf begann auch der Ärger. So bot er über Freischaffende etwa das Design von Firmenlogos an – nur bezahlte Bousseau die Designer wiederholt nicht. Was ihn nicht davon abhielt, die Werke eines ehemaligen Geschäftspartners weiterzuverwenden. Bei den Kunden zog er das Geld jeweils gerne per Vorkasse ein – einige warten bis heute auf ihr Logo. Während sich Bousseau mit Limousinen in Edelklubs von Genf chauffieren liess und dem Champagnertrinken frönte, blieb er die Miete für seine Wohnung schuldig. Mit der Firma Firsteco stieg Bousseau ab 2003 ein und gründete dazu weitere Gesellschaften quer durch Europa.

Dabei bewarb er Daten-CDs mit Hunderttausenden von E-Mails und erklärte seinen Kunden, das seien alles legal erworbene Daten von Personen, die E-Mail-Werbung wünschten. Weit gefehlt: Wie unzählige Beschwerden in Foren über Jahre zeigen, wurden die Daten illegal beschafft und per Spam beworben. Als 2007 Spam-Empfänger gegen Bousseau klagten, konnten die Schriften nicht zugestellt werden, wie Akten der Staatsanwaltschaft Genf zeigen; sie liegen dem TA vor. Bousseaus Mutter liess ausrichten, er sei halt viel auf Reisen. Aktuell bietet er auf der Website DecisionMaker.eu wieder Daten vieler Länder an. Die Datenbank für die Schweiz enthält E-Mail-Adressen und Telefonnummern von CEOs und leitenden Angestellten von Swiss Life, Roche, Credit Suisse, UBS, Novartis, SBB, Migros und vielen mehr.

Polizei fahndet nach ihm

Das Seco hätte ein Klagerecht gegenüber Bousseau. Doch seine Aktivitäten waren dort bis anhin unbekannt, obwohl man eigentlich mit Spamhaus vernetzt ist. Dafür kennt man ihn in der Tschechei: Dort hat die Polizei Oswald Bousseau öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Oswald Bousseau äusserte sich gegenüber dem TA auch auf mehrere Anfragen hin nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2010, 16:45 Uhr

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11 Kommentare

Heinz Müller

22.03.2010, 08:08 Uhr
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Es ist schon traurig wie es wenige Personen schaffen das grösste technische Meisterwerk der Menschheit dermassen zu zerstören. Wobei auch viele Webseitenbesitzer nicht unschuldig sind: Wer sein Joomla oder Typo3 nicht up to date hält, der fängt sich schnell einen Spambot ein und wird somit unbewusst zum Mittäter... Antworten


Rolf Scheibler

22.03.2010, 08:21 Uhr
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Warum kann die "Welt-Gemeinschaft" diese nervigen SPAM-Mails nicht global verbieten. Selbst in Ländern, aus denen die meisten Spam-Mails ihren Ursprung haben, stören diese Spam's auch die eigene Geschäftswelt. Dies müsste über ein Departement der UNO überwacht und sanktioniert werden, z.B. durch Sperrung der Provider-Aktivitäten und/oder massiven Bussen. Antworten



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