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Ein Schatten fällt auf das Solargrossprojekt im Wallis

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 13.09.2011 32 Kommentare

Im Oberwallis will eine der Branche kaum bekannte Firma die grösste Schweizer Fabrik für Solarpanels bauen. Zum 100-Millionen-Projekt gibt es offene Fragen.

So soll es aussehen: Genesis-Werk in Raron.

So soll es aussehen: Genesis-Werk in Raron.

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Aus einem stahlblauen Himmel schien gestern die Walliser Bergsonne mit aller Kraft auf den stillgelegten Militärflugplatz von Raron. Dort will die Genesis Solartec AG, eine Tochter der Genesis Invest AG in Wädenswil, auf 11'000 Quadratmeter Fläche die grösste Fabrik für Solarpanels der Schweiz bauen. Bagger trugen nach dem Spatenstich Ende Juni die betonierte Rollbahn ab, um den Bauplatz vorzubereiten. Sonst sei auf dieser Baustelle weiter nichts geschehen, sagen einheimische Journalisten.

«Neue Perspektiven für Kanton»

Die Skepsis, die sie dem 100-Millionen-Projekt entgegenbringen, ist am Medienanlass unter freiem Himmel mit Händen zu greifen. Der Generaldirektor und VR-Präsident der Genesis-Gruppe, Andreas Bachmann, reiste aus Zürich an, um Schatten über seinem Projekt zu verscheuchen. In den nächsten Wochen würden 600 Pfähle in den Boden gerammt, und darauf komme die tragende Struktur der Fabrik zu stehen, sagt der Genesis-Chef. «Die Finanzierung ist gesichert», beteuert er. Aber die Namen der Investoren verrät Bachmann weiterhin nicht. «Es sind Private und ihre Banken», sagt der CEO, mehr werde die Öffentlichkeit bei der Grundsteinlegung erfahren.

«Wir machen Sonnenenergie aus dem Wallis zu einem Markenzeichen in Europa», verspricht Bachmann. Den Skeptikern rechnet er vor: «Würde ein Drittel Dachflächen im Kanton genutzt, um Solarenergie zu gewinnen, könnte man pro Jahr rund 800 Gigawattstunden erzeugen. Das entspricht einem Viertel des Walliser Stromverbrauchs von 2009.» In der Schweiz ist das Wallis der wichtigste Produzent von Strom aus erneuerbaren Energien. Ein Drittel der mit Wasserkraft erzeugten Elektrizität stammt aus diesem Kanton. Vor dem Hintergrund des (halbwegs) beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie öffnet sich laut dem Direktor der Walliser Industrie- und Handelskammer, Vincent Riesen, mit der Nutzung der Solarenergie «eine spannende neue Perspektive für unseren Kanton».

Noch seien die Gestehungskosten für Solarstrom etwa doppelt so hoch wie jene bei der Wasserkraft, räumt der Genesis-Chef vor den Medien ein. Aber mit einem «guten Fördermodell» lasse sich dieser Nachteil verringern. Im Lokalanzeiger von Raron war kürzlich zu lesen, dass die Genesis Solartec der Gemeinde und dem Kanton während zehn Jahren keine Steuern zahlen wird; nach Ablauf dieser Steuerbefreiung muss sie mindestens fünf Jahre in Raron weiterproduzieren. Gesuche für Beihilfen an die Ausbildung der Fachkräfte – Solartec plant, ungefähr 200 Mitarbeitende in Raron zu beschäftigen – sind gemäss René Ruppen vom Amt für Wirtschaftsentwicklung hängig.

Technische Vorbehalte

Im Wallis sind auswärtige Unternehmen, die Millionen investieren und neue Arbeitsplätze schaffen, stets hoch willkommen. Wie erklärt sich Ruppen also die Skepsis gegenüber dem Vorhaben der Genesis? «Je grösser ein Projekt, desto skeptischer sind die Leute», sagt der Wirtschaftsförderer. Ruppen ist allerdings selbst «etwas skeptisch» gegenüber dem Versprechen der Firma, ihre Solarpanels lieferten dank neuer Technologie 40 Prozent mehr Strom als herkömmliche Panels. «Falls diese Technologie so viel besser als der Stand der Technik ist, wäre das Wallis der ideale Standort. Bei uns scheint die Sonne an 299 Tagen während mindestens vier Stunden», sagt er.

Der Schweizer Solarenergiebranche gibt die sozusagen «aus dem Nichts aufgetauchte» Genesis Rätsel auf. «Es ist nicht klar, was technisch dahinter steckt», heisst es bei der Arbeitsgemeinschaft Swissolar. Erklärungsbedarf zu der angeblich um 40 Prozent höheren Effizienz der Genesis-Panels ortet auch Stefan Nowak, der das Bundesamt für Energie bezüglich Fotovoltaik berät. «Die Angaben von Genesis sind nicht zu überprüfen. Wir haben noch nie die Bescheinigung eines unabhängigen Prüfungsinstituts gesehen», sagt der promovierte Physiker.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2011, 07:49 Uhr

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32 Kommentare

Michael Meienhofer

13.09.2011, 08:47 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Wen wundert die Skepsis in einem Bergkanton? Die Leute haben immer noch nicht begriffen, dass der Tourismus immer weiter ins Abseits fällt und die wenigen freiwerdenden Arbeitsplätze werden noch an Ausländer vergeben.Da will einer Investieren und schon kommt wenn und aber... Antworten


Beat bannier

13.09.2011, 10:33 Uhr
Melden 16 Empfehlung

- Wunderbare 40% mehr Effizienz der Panels?
- Aus dem Nichts aufgetauchte Firma?
- Doppelt so hohe Gestehungskosten des Stromes wie durch Wasserkraftwerke?
- Mit einem guten Fördermodell = Subventioniert vom Steuerzahler?
- Steuerbefreiung für 10 Jahre?
Ist wohl eher etwas für verblendete grünäugige.
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