Ein Gentest kann das Leben verändern
Von David Schaffner. Aktualisiert am 23.01.2012 78 Kommentare
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Aus der Sicht der Forschung ist die Frage einfach: Je mehr Menschen ihre Gene entschlüsseln lassen, desto mehr Daten stehen für die Wissenschaft und eine schnelle Entwicklung von Therapien zur Verfügung. Der Molekularbiologe und frühere ETH-Präsident Ernst Hafen plädierte daher in der «NZZ am Sonntag» dafür, Gentests ohne ärztlichen Beizug und ohne medizinischen Zweck zuzulassen. Die ETH und die Universität Zürich wollen laut der Zeitung im März eine Informationsoffensive starten und eine öffentliche Debatte lancieren.
Bei den Gesundheitspolitikern und Experten stösst die Forderung Hafens zum Teil auf heftigen Widerstand: «Es wäre verantwortungslos, Gentests einfach so frei zugänglich zu machen», sagt die grüne Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli. «Die Resultate solcher Tests können existenzielle Konsequenzen für einen Menschen haben.» Erhalte ein Mensch die Nachricht, dass er ein erhöhtes Risiko trage, an einer tödlichen Krankheit zu erkranken, könne dies sein ganzes Leben verändern. Obwohl nach einem Test nicht sicher sei, ob die Krankheit überhaupt ausbreche.
Forderung nach klarem Regelwerk
«Wir dürfen Menschen nicht ein Leben lang Angst machen vor einem Schicksal, das dann vielleicht gar nicht eintrifft», meint auch die CVP-Nationalrätin Kathy Riklin. Der Genfer Medizinprofessor Henri Bounameaux fordert, dass ein klares Regelwerk für den Umgang mit solchen Tests geschaffen wird, bevor man diese popularisiert. Heute sind medizinische Gentests in der Schweiz nur auf Verordnung eines Arztes möglich. Sie müssten zudem in einem bewilligten Labor durchgeführt werden, sagt Thomas Binz, Leiter der Sektion für Humangenetik im Bundesamt für Gesundheit.
Branche nicht in Fesseln legen
Da über das Internet immer mehr Gentests von ausländischen Firmen angeboten werden, die in der Schweiz eigentlich verboten wären, erwägen Wissenschaftspolitiker eine Revision der entsprechenden Gesetzesgrundlage. In einer Motion haben sie den Bundesrat dazu aufgerufen, das Gesetz auf Mängel zu untersuchen.
Die Regierung zeigte sich offen für das Anliegen. Viele Onlinetests klären allerdings nicht medizinisch schwerwiegende Fragen wie die genetische Neigung für tödliche Erbkrankheiten ab, sondern beispielsweise Fragen nach der optimalen Ernährung für Leistungssportler. Eine allfällige Zulassung solcher Tests würde nicht bedeuten, dass Gentests generell frei verfügbar sind.
Politiker wie FDP-Nationalrat Ignazio Cassis und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli glauben allerdings, dass sich auch im rein medizinischen Bereich die Entwicklung nicht bremsen lasse. Cassis kann sich eine «vorsichtige und schrittweise Liberalisierung von medizinischen Tests» vorstellen. Mörgeli warnt davor, «die wichtige Biotechnologie-branche in der Schweiz in allzu enge Fesseln zu legen». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.01.2012, 20:58 Uhr
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78 Kommentare
Auf die Ergebnisse stürzen sich KK, Arbeitgeber, Headhunter, Finanzberater, Versicherungsberater, Erben, Medikamentenhersteller, Direktmarketing etc. ... es gibt so viel Informationen die man daraus ziehen und vermarkten kann! Der Supe-Gau für eine Gesellschaft die in wissenschaftlichen Prognosen erstickt und doch nichts aus der Vergangenheit lehrt ( ... Umwelt, Finanzkrise(n), Diätwahn etc.). Antworten
Wenn Zauberlehrlinge etwas gebären und Geschäftemacher daraus Geld wittern werden aus Wahrscheinlichkeiten schnell einmal Gewissheiten. Dabei sind die Tests so zuverlässig wie Horoskope wo auch "Möglichkeiten", "Neigungen" und "Wahrscheinlichkeiten" sich die Hand geben. Das Schicksal eines Menschen ist nicht bloss durch seine Gene determiniert, da spielen noch ganz andere Umstände eine Rolle. Antworten
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