Drei Romands in den Startlöchern
Aktualisiert am 07.09.2011 33 Kommentare
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Dass die Amtsdauer von Micheline Calmy-Rey bald enden wird, pfeifen die Spatzen schon seit langem von den Berner Dächern. Schon die Wahl mit mageren 109 Stimmen zur Bundespräsidentin wurde von rechten Politikern wie Christoph Mörgeli und Filippo Leutenegger als deutlicher Fingerzeig genommen, dass die Genferin bei den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr antreten solle. Und auch aus dem linken Lager vernahm man Andeutungen, dass ein Abgang der Politikerin, die so umstritten wie beliebt ist, erwünscht sei.
Kandidaten aus der Romandie
Wer würde ihr Nachfolger, falls die SP das Departement für auswärtige Angelegenheit als Ressort im Bundesrat behält? Viele Kandidaten sind denkbar – doch drei Politiker stechen in der politischen und öffentlichen Wahrnehmung derzeit als mögliche Nachfolger heraus: Pierre-Yves Maillard, der Waadtländer Gesundheitsdirektor, Alain Berset, Ständerat aus dem Kanton Freiburg, und Jean Studer, der Neuenburger Sicherheitsdirektor.
Weil mit Bundesrat Didier Burkhalter bereits ein Neuenburger in der Regierung sitzt, sind Studers Aussichten eher gering – es sei denn, es träten im Zuge der Neuwahlen Mitte Dezember unerwartete Wendungen ein. Ähnliches gilt für Spekulationen, dass SP-Präsident Christian Levrat selbst Ambitionen haben sollte, Bundesrat zu werden: Er dementierte dies im vergangenen April in der «Samstagsrundschau» auf Radio DRS.
Ein Linker aus tiefer Überzeugung
Eine reelle Chance dürfte dagegen Yves Maillard haben, der schon vor einem Monat in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» auf die Frage nach seinen Ambitionen die vielsagende Antwort gab: «Niemand würde schon im Vorfeld seinen Verzicht auf ein solches Amt erklären… » Gleichwohl ist dem Waadtländer klar, dass es ihm schwerfallen dürfte, in der Mitte und bei den Rechten eine Mehrheit zu bekommen – unter anderem, weil er angeblich als «Etatist» gilt.
Sicher ist: Er lobbyiert für eine Einheitskrankenkasse und sagte im erwähnten Interview rundheraus, dass im Bereich der Infrastrukturen «das Monopol» ein System ist, das «sich bereits als erfolgreich bewiesen hat». Zu seinen Aussichten, dereinst Bundesrat zu werden, zitierte ihn die Zeitung mit der Einschätzung, dass «meine klaren Überzeugungen» ihn in der Mitte und bei den Rechten nicht eben wählbarer gemacht hätten.
Ein Freiburger anstelle einer Genferin?
Hätte der Freiburger Ständerat Alain Berset da bessere Karten? Auch er gilt in der Mitte und rechts als überzeugter Linker, vielleicht aber als etwas weniger als Maillard. Dafür fehlt ihm langjährige Erfahrung in der Exekutive – ein Argument, das am Ende gegen ihn verwendet werden könnte, auch wenn er aus einem Kanton kommt, der heute keinen Bundesrat stellt.
Gegenüber Journalisten vom «SonntagsBlick» gestand der 39-Jährige bereits unumwunden ein, dass es «nicht glaubwürdig wäre, zu sagen, diese Position sei gar nicht interessant». Und auf die Bemerkung, dass er mit Maillard einen harten Konkurrenten hätte, antwortete er mit dem kollegialen Hinweis, dass der Waadtländer «ein hervorragender Politiker» sei.
Geringe Chancen für Tessiner SP-Talent
Die Tessiner Nationalrätin Marina Carobbio Guscetti wird dagegen als Kandidatin in der zweiten Reihe gehandelt. Sie ist Ärztin und stammt aus einer bekannten Tessiner Politikerfamilien und gilt in Bern als kompetente und verlässliche Nationalrätin. Allerdings sitzt sie erst seit dem Jahr 2007 im Parlament und ist dort zu wenig vernetzt, um genug Rückhalt zu bekommen – auch wenn ihre Herkunft ein starkes Argument wäre, denn der letzte Tessiner Bundesrat Flavio Cotti verliess die Regierung im April 1999.
SP Frauen werben für eine Nachfolgerin
In einer Medienmiteilung schreiben die SP Frauen, dass mit den Ständerätinnen Liliane Maury Pasquier (GE), Géraldine Savary (VD) und der bereits erwähnten Marina Carobbio Guscetti, den Regierungsrätinnen Anne-Catherine Lyon (VD) oder Elisabeth Baume- Schneider (JU) en hochkarätige Politikerinnen aus der lateinischen Schweiz für eine Nachfolge bereit, heisst es in einer Medienmitteilung.
Marina Carobbio Guscetti schliesst eine Kandidatur für die Nachfolge von Micheline Calmey-Rey derzeit nicht aus. Es sei aber für eine Entscheidung noch zu früh, sagte die Ärztin aus Lumino TI auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Vor Anfang Oktober werde sie voraussichtlich keine Zu- oder Absage machen. «Zuerst möchte ich mit meiner Familie und der Tessiner SP über die persönlichen und politischen Konsequenzen sprechen», sagte sie.
(Artikel mit Material der Nachrichtenagentur sda) (raa)
Erstellt: 07.09.2011, 11:28 Uhr
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33 Kommentare
Dieser Sitz gehört der SVP, die SP muss jetzt mal hinten anstehen und kann dann in 4 oder 8 Jahren, falls sie noch Wähler findet, wieder Anspruch anmelden. So einfach ist das ! Aber das Welschland gehört vertreten, also allez monsieur Rimes ! Antworten
Sie Herr Müller, es gibt kein Gesetz, das einen bestimmten Sitz im Bundesrat zwingend einer bestimmten Partei zuordnet. Bitte konsultieren Sie die entsprechenden Gesetzesgrundlagen und melden Sie sich wieder, wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Danke. Antworten
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