Die vier Probleme der Pensionskassen
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 11.01.2010 59 Kommentare
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Wenn es um die Pensionskasse geht, hört der Spass auf. Das ist verständlich, es geht schliesslich um ein Vermögen von rund 600 Milliarden Franken und um eine sichere Altersvorsorge für mehr als fünf Millionen Menschen. Am 7. März müssen die Stimmbürger über die Höhe des Umwandlungssatz entscheiden. Bereits jetzt wird er stufenweise von ursprünglich 7,2 auf 6,8 Prozent gesenkt. Der Bundesrat hat erlaubt, dass er gar auf 6,4 Prozent fallen darf. Das bedeutet, dass die Altersrenten um gegen zehn Prozent sinken würden. Dagegen haben die Gewerkschaften das Referendum ergriffen.
Am 7. März geht es zunächst in einem simplen Verteilkampf darum, wer wie viel vom Pensionskassenkuchen erhalten soll. Doch es zeichnet sich ab, dass die zweite Säule der Schweizer Altersversicherung nicht mehr so unbestritten ist wie auch schon. Dafür gibt es vier Gründe:
Erstens: Die Nuller-Jahre. Im Börsenboom der 90er-Jahre blühten auch die Pensionskassen auf. Dank steigenden Aktienpreisen waren zweistellige Jahresrenditen keine Ausnahme mehr. Selbst Kassen, die vorwiegend in Immobilien investiert haben, konnten dank der Beimischung von neuen Finanzprodukten an diesem Boom teilnehmen. Ausser im Fall von Landis & Gyr hat es dabei erstaunlicherweise kaum grössere Pannen gegeben. Von den prall gefüllten Kassen profitierten alle: Mitarbeiter konnten frühzeitig mit grosszügigen Abfindungen in Rente geschickt werden, die Beiträge der Sozialpartner gekürzt oder gar geschenkt werden. Auch politisch wurde der Erfolg ausgeschlachtet. Die träge staatliche AHV mit ihrem Umlagesystem galt als unsicher und unprofitabel. Der privaten Altersvorsorge gehörte der Glamour und die Zukunft. Nach dem ersten Jahrzehnt im 21. Jahrhundert sieht es nun anders aus: Aktien sind durchschnittlich mehr als zehn Prozent weniger wert. Darunter leiden auch die Pensionskassen: Sie drehen Nullrunden, wenn es um das Vermögen der Versicherten geht, und anstatt grosszügig Leistungen zu finanzieren, müssen sie knausrig gegen eine drohende Unterdeckung ankämpfen.
Zweitens: Pseudowettbewerb. In der Schweiz gibt es rund 2300 Pensionskassen, aber keinen Wettbewerb. Wer bei Firma A arbeitet, kann nicht bei der Kasse von Firma B versichert sein. Dieser fehlende Wettbewerb hat Folgen. Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm hat ausgerechnet, dass die Pensionskassen jährlich durchschnittlich 770 Franken Verwaltungskosten verrechnen.
Drittens: Demographische Entwicklung. Die Babyboomer kommen ins AHV-Alter, die Schweiz wird bald mehr Einwohner über 50 haben als darunter. Immer weniger junge Erwerbstätige müssen das «dritte Alter» – so nennt man neuerdings den Abschnitt zwischen 60 und 85 – mitfinanzieren. Das System gerät an seine Grenzen.
Viertens: Abhängigkeit vom Schicksal der Unternehmen. Die Pensionskassen werden über die Lohnnebenkosten finanziert, in der Regel teilen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beitragskosten auf. Diese Finanzierung ist im Zeitalter des zunehmenden internationalen Wettbewerbs überholt. Beispielhaft steht dafür das Schicksal von General Motors: Der einst so stolze Autokonzern litt nicht nur unter einer verfehlten Modellpolitik, sondern auch darunter, dass rund 1000 Dollar für Pensions- und Krankenkasse ausgegeben werden mussten, bevor das erste Blech gekrümmt werden konnte. Diese Finanzierung ist zum Handicap für die gesamte US-Wirtschaft geworden, auch Japan und teilweise Deutschland leiden darunter.
Auch in der Schweiz belasten die Lohnnebenkosten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Anders als in den USA sind bei uns die Kassen jedoch unabhängig und deshalb gegen einen Konkurs der Mutterfirma abgesichert. Doch längerfristig werden auch wir um eine Diskussion über Finanzierungsmodelle der Pensionskassen nicht herumkommen. Eine Alternative haben die skandinavischen Staaten entwickelt. Das nordische Modell basiert stärker auf der Mehrwertsteuer. Als Konsumsteuer ist sie unabhängig vom Schicksal eines Unternehmens und behindert dessen Wettbewerbsfähigkeit nicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.01.2010, 16:04 Uhr
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59 Kommentare
ich kann nur wiederholen was ich schon immer sagte : das problem ist nicht der umrechnungssatz und ... ,---sondern, dass die pensionskassen, wie auch die krankenkassen in kassen und kässeli von den privaten versicherungen und banken verwaltet werden. da wird ein grossteil des volksvermögens privatisiert und verschwindet in boni und den managerlöhnen. es ist zeit für eine einheitliche lösung Antworten
@ Hans Vollenweider, gut und richtig formuliert -- trotzdem will es den politikern nicht einleuchten -- darf nicht, -- dafür sorgen die lobbisten aus der privatwirtschaft mit zucker und schlaftabletten. -- da hilft nur eine einheitliche lösung, in der die arbeitnehmer das sagen haben. -- SUVA, krankenkasse, ALV, EO-(militär) und AHV / IV alles in einer kasse für die soziale sicherheit --- SOKA Antworten
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