Die vergessenen Regionen
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 31.03.2011 37 Kommentare
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2010 verbuchen die SBB einen Passagier- und Materialtransport-Rekord. Doch dem daraus resultierenden Konzerngewinn von knapp 300 Millionen Franken stehen Schulden in Milliardenhöhe gegenüber. Und diese dürften in den kommenden Jahren noch steigen, zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur sind nötig.
Neben der geplanten Instandhaltung der Infrastruktur sind da noch die seit Jahren postulierten Forderungen der Randregionen, die im Hinblick auf die Verkehrsplanung für die nächsten Jahrzehnte wieder laut werden. Die Ostschweiz beispielsweise verlangt seit langem eine bessere Anbindung an die Metropolitanregion Zürich-Bern, wie Beat Tinner, Präsident der Interessengemeinschsaft für den öffentlichen Verkehr (IGÖV Ostschweiz), auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet sagt. Die Verbindungen via Sargans sowie die Strecke zwischen St. Gallen und Zürich-Flughafen müssten ausgebaut werden.
Hoffnung, dass «Zug in die Sache» kommt
«Das Nadelöhr Buchs–Sargans müsste man mit einem Doppelspur-Ausbau beheben», sagt Tinner. Damit würde die S-Bahn zwischen Feldkirch, Buchs und Sargans ermöglicht. Zudem soll der Intercity Chur–Sargans–Zürich in Sargans zweimal pro Stunde halten. «Das Problem dabei sind die Engpässe in der Region March im Kanton Schwyz. Dort gäbe es Kreuzungsschwierigkeiten mit andern Zügen», erklärt Tinner.
Ein weiterer Wunsch der Ostschweizer ist der durchgehende Halbstundentakt auf der Strecke zwischen St. Gallen und Zürich. Doch dafür bräuchte es zwischen St. Gallen und Zürich-Flughafen streckenweise einen Doppelspur-Ausbau. Tinner hofft, dass nach jahrelangem Lobbyieren nun endlich «Zug in die Sache kommt»: Mit dem neuen Gesetz zur Infrastruktur-Vorfinanzierung habe der Kanton St. Gallen einen Schritt gemacht, der künftige Investitionen erleichtere.
Bermudadreieck zwischen Politikern, SBB und Bundesamt für Verkehr
Unzufrieden mit dem Ausbautempo ist man auch am andern Ende der Schweiz: «Müssen wir nochmals 14 Jahre warten für eine Verbindung von weniger als einer Stunde zwischen Lausanne und Bern?», fragt die Zeitung «Le Temps». Der Jahrhundertauftrag der SBB an den Bahnbauer Bombardier habe in der Westschweiz Hoffnung geschürt. Im Mai 2010 gaben die SBB bei Bombardier den Bau von 59 Doppelstockzügen für den Fernverkehr in Auftrag. Es schien damals möglich, die Anbindung der Hauptstadt an den Genfersee um rund 10 Minuten zu verkürzen, dank der neuen Neigezugtechnik. Eine 30 Jahre alte Forderung würde innert angemessener Frist endlich realisiert werden. So sei es damals präsentiert worden.
Doch nun habe der Wind gekehrt, schreibt «Le Temps». Bis 2025 müsse man sich gedulden. Es bräuchte signifikante Anpassungen, wird das Bundesamt für Verkehr zitiert. Vor allem bräuchte es einen Tunnel zwischen Oron VD und Vauderens FR. Kostenpunkt: Eine Milliarde Franken statt der bisher budgetierten 100 Millionen Franken. «Das Dossier scheint im Bermudadreieck zwischen Politikern, Bundesamt für Verkehr und SBB verschwunden zu sein», folgert «Le Temps» und titelt resigniert: «Die Romands gehen einmal mehr vergessen.»
«Bahn 2050» wäre passender
Auch die Wünsche der Zentralschweiz erhörten die SBB bisher nicht. Hauptanliegen: der Luzerner Tiefbahnhof. «Weil Luzern ein Sackbahnhof mit enger Zufahrt ist, sind unsere Kapazitäten begrenzt», sagt Andreas Kaufmann von der IGÖV Zentralschweiz. Der Tiefbahnhof würde die Kapazität erhöhen und gleichzeitig die Verbindung nach Zürich um ein paar Minuten verkürzen. Priorität habe die Aufnahme des Tiefbahnhofs in die Planung «Bahn 2030», wie Kaufmann sagt. «Daran setzen wir jetzt alles.»
Bezüglich des Zeithorizonts wird den Bittstellern wohl noch mehr Flexibilität abverlangt. Die unter dem Namen «Bahn 2030» zusammengefassten Planungen des Bundes erhielten nämlich einen neuen Projektnamen: «Strategisches Entwicklungsprogramm». Einer der Gründe für die Namensänderung ist der Zeithorizont: Die Realisierung dauere eher bis 2040 oder 2050, sagt Andreas Windlinger vom Bundesamt für Verkehr. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.03.2011, 13:13 Uhr
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37 Kommentare
Die Innerschweiz ist selber schuld. Seit Jahrzehnten wird über einen Ausbau des Bahnhofs Luzern nachgedacht und nichts passiert. In der Zeit hat z.B. Zürich den HB zweimal untertunnelt, die Glattalbahn und neue Tramlinien gebaut. Die Innerschweizer Kantone und Gemeinden arbeiten gegeneinander und nicht zusammen. So steigt Luzern immer mehr zum Provinzkaff ab. Antworten
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