Die kühle Blonde aus dem Osten
Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 18.08.2010 9 Kommentare
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Stets perfekt gekleidet, stets souverän und stets klar in der Sprache: So tritt die St.Galler Justiz- und Polizeidirektorin Karin Keller-Sutter auf. National bekannt ist die Freisinnige als Vizepräsidentin der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) – nicht zuletzt dank ihren markanten Auftritten in der Sendung «Arena». Nun könnte die 46-Jährige den Sprung als Nachfolgerin von FDP-Bundesrat Hans-Rudolf Merz in den Bundesrat schaffen.
Aus ihrem Umfeld ist zu vernehmen, dass Karin Keller-Sutter durchaus Ambitionen hat. Ihre Aussagen wie «es ist ein interessantes Amt» und «entscheidend ist, was die eigene Partei will» weisen ebenfalls darauf hin, dass die 46-Jährige nicht abgeneigt ist. Morgen wollen die Delegierten der St.Galler FDP über ihre Nomination befinden. Spätestens bis am 21.August wird sich Karin Keller-Sutter offiziell äussern.
Liberaler als ihr Ruf
Politisch gilt die St.Gallerin als Hardlinerin. KKS, wie Freund und Feind sie nennen, wird als «eiserne Lady» bezeichnet. Den Ruf verdankt sie unter anderem ihrem harten Durchgreifen gegen Hooligans. Sie war es, die dafür gesorgt hat, dass in den St.Galler Stadien Schnellrichter über randalierende Fans urteilen. Zahlreiche Verschärfungen im Asylwesen gehen ebenfalls auf ihre Vorschläge zurück. Und der Freisinnigen ist es zu verdanken, dass St.Gallen als erster Kanton ein Gesetz in Kraft gesetzt hat, das es ermöglicht, häusliche Gewalttäter aus dem gemeinsamen Daheim zu verbannen. Gleichzeitig hat sie im Kampf gegen die Zwangsehe schweizweit Massstäbe gesetzt.
«Das reine Recht- und Ordnungsetikett wird ihr aber nicht gerecht», sagt Niklaus Oberholzer (SP), Präsident der Anklagekammer des Kantons St.Gallen, der ihre Karriere aus nächster Nähe verfolgt hat. Karin Keller-Sutter sei auch liberal eingestellt. «Bei den Hooligans setzte sie nicht nur auf Repression.» Mit dem Fanausweis habe sie beispielsweise versucht, neue Wege zu gehen, um gewaltbereite Fans aus der Anonymität zu holen.
Brillante Rednerin
Dass ihr Image als stramm rechte Politikerin sie Stimmen kosten könnte, weiss Karin Keller-Sutter. Auch ihre strenge Selbstdisziplin – sie steht morgens um fünf Uhr auf und vor allem erlaubt sie sich keine Fehler – ist vielen unheimlich. In Interviews verweist die 46-Jährige deshalb immer wieder auf ihre weicheren Seiten. Sie spricht von Spaziergängen mit Mann und Hund in der freien Natur und wie wichtig ihr ihre drei Brüder seien. Kinder hat die Berufspolitikerin keine.
Ihr ursprünglicher Berufswunsch war Tierärztin: «Aber das wäre schwierig geworden, weil ich kein Blut sehen kann», verriet Karin Keller-Sutter dem Regionaljournal Ostschweiz. So wurde sie Konferenzdolmetscherin. Heute spricht die St.Gallerin exzellent Französisch, was ihr bei den Romands Punkte einbringen dürfte.
Sie ist auch eine brillante Kommunikatorin. Niklaus Oberholzer sagt: «Sie hat ein unglaubliches Gespür. Oft hat sie als Erste Themen in der Ausländer- oder Sicherheitspolitik aufgegriffen – zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht sicher sein konnte, ob sie sich damit Lorbeeren holt oder verrissen wird.» Ihr Mut wurde bisher belohnt: Jedes Mal gelang es Karin Keller-Sutter, einen Erfolg zu verbuchen.
Schneider im Vorteil
In St.Gallen ist die Politikerin aus Wil sehr beliebt. Seit zehn Jahren sitzt sie im Regierungsrat, 2008 wurde sie mit dem besten Resultat im Amt bestätigt. Doch in Bundesbern ist Karin Keller-Sutter wenig vernetzt. Dies könnte ihr zum Verhängnis werden, wenn sie bei der Bundesratswahl am 22. September oder schon in der Vorausscheidung gegen den mächtigen Berner Unternehmer und FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann antreten müsste. Noch ist zwar unklar, ob Schneider-Ammann überhaupt kandidiert. Sicher ist aber, dass er der jahrelang als Kronfavoritin gehandelten Karin Keller-Sutter bereits die Poleposition abgejagt hat.
Es gibt allerdings auch Parallelen: Wie Schneider-Ammann zeichnet sich die frühere Berufsschullehrerin durch Distanz zum Finanzsektor aus.
Machen die Männer mit?
Auf die Ostschweizer Solidarität kann Karin Keller-Sutter nur bedingt zählen. Der Thurgauer SVP-Nationalrat J.Alexander Baumann betonte etwa im «St.Galler Tagblatt»: «Ich halte Frau Keller für zu karrierebewusst. Schneider-Ammann kenne ich derweil aus gemeinsamen Militärzeiten im Berner Oberland.»
Solche Männerbündelei könnte die Wahlchancen der St.Gallerin tatsächlich einschränken. Schwierig wird es für sie insbesondere, wenn die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga den Bundesratssitz von Moritz Leuenberger übernimmt. Dann, so wird befürchtet, könnten einige Parlamentarier Mühe damit bekunden, eine fünfte Frau in die Landesregierung zu hieven. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.08.2010, 12:19 Uhr
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9 Kommentare
Keller-Sutter ? Warum nicht ! Ich mag ihre klaren Aussagen und ihre konsequente Linie. Auch fände ich es toll, wenn mal 5 Frauen im Bundesrat wären. Als es 7 Männer waren, gab das ja auch keine Diskussion. Ich glaube, dass Keller-Sutter durchaus eine Linie vertritt, welche von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wird. Antworten
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