Die kleine Nationalratswahl
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 01.04.2011 23 Kommentare
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Baselland hat sein neues Parlament gewählt, am Wochenende ist Zürich dran. Eine Woche darauf wählen die Kantone Tessin und Luzern. Für die nationale Politik sind diese Wahlen von Bedeutung, denn die Gestaltungskraft einer Partei misst sich massgeblich an deren Präsenz in den Kantonen.
Die Wahl in Zürich vom kommenden Sonntag interessiert noch aus einem andern Grund: Sie gilt als zuverlässigster Gradmesser für die Nationalratswahlen, die ein halbes Jahr später stattfinden. Ähnlich wie in Deutschland, wo die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen als «kleine Bundestagswahl» bezeichnet wird, ist auch bei der Zürcher Wahl vom «schweizerischen Abbild im Kleinen» die Rede. Nordrhein-Westfalen beherbergt einen Fünftel der bundesweiten Stimmberechtigten, das trifft auch auf den Kanton Zürich, verglichen mit der Schweiz, ungefähr zu.
Unterschiede bei Parteien religiösen Ursprungs
In weiten Teilen stimmen die Entwicklungen der Parteienstärken zwischen Zürcher Kantonsrat und Nationalrat tatsächlich überein, wie das Parteienbarometer des Forschungsinstituts GfS Bern zeigt. Demnach lagen die Resultate der Zürcher und der Schweizer FDP seit 1999 nie mehr als 0,6 Prozent auseinander, bei den Grünen betrug die grösste Differenz in dieser Zeit 0,8 Prozent.
Schwer vergleichbar sind die religiös geprägten Parteien CVP und EVP. Die katholische CVP ist im zwinglianischen Zürich schwächer als auf eidgenössischer Ebene, die EVP dafür stärker. Differenzen gab es auch bei der SVP. Diese ist in Zürich traditionell stärker als in der gesamten Schweiz, die Differenz nahm aber in den vergangenen Jahren zusehends ab. Schnitt die SVP Zürich 1991 noch 7,5 Prozent besser ab als die SVP Schweiz, betrug die Differenz 2007 nur noch 1,6 Prozent.
Bei der SP setzt Zürich den Trend
Relativ zuverlässig dienen die Zürcher Wahlen der SP als Gradmesser. Bei den letzten Wahlen 2007 erreichte die Partei sowohl in Zürich wie schweizweit 19,5 Prozent, und auch bei den Wahlen davor stimmten die Ergebnisse mehr oder weniger überein – ausgenommen 2003, als die SP Schweiz 3 Prozent schlechter abschnitt als ihre Zürcher Tochterpartei. 2007 wurde diese Schere wieder geschlossen, als die Zürcher SP 7 Prozent verlor, die SP Schweiz aber nur 3,6 Prozent.
Am Abend des 3. April liesse sich einigermassen abschätzen, wer im Herbst zulegt und wer verliert, schreibt Politologe Claude Longchamp in seinem Blog. Er macht aber folgende Einschränkungen: Das Resultat der SVP eigne sich für eine Prognose schlecht, da der Trend in Zürich dem schweizerischen Trend bei dieser Partei gerne vorausgehe. Wenig aussagekräftig sei auch das Resultat der Grünliberalen, weil diese in Zürich entstanden und nirgends sonst so gut verankert seien. Dasselbe gelte für die BDP, bei der das Zürcher Resultat allenfalls etwas über die Chancen in Graubünden, Bern und Glarus aussage. Und die EVP, die in Zürich besonders stark ist, könnte hier durch die Grünliberalen erheblich konkurrenziert werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.04.2011, 08:38 Uhr
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23 Kommentare
Es ist schwer zu hoffen, dass am kommenden Sonntag die SVP einen grossen Sprung vorwärts machen kann. Splitterparteien wie BDP, EVP usw. haben im Parlament nichts verloren. Man sollte, wie in anderen Ländern (z.B. Deutschland) auch in der Schweiz die 5 %-Hürde für den Einzug ins Parlament vorschreiben. Sonst haben wir bald italienische oder israelische Verhältnisse. Wollen wir das? Antworten
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