«Die anstehenden Probleme werden der SVP Wähler en masse zuführen»

InterviewOskar Freysinger, der Westschweizer Leader der SVP, sagt im Interview, wieso seine Partei in den kommenden Jahren wieder auf die Siegerstrasse zurückfindet. Er selber will 2013 für den Walliser Staatsrat kandidieren.

«Es braucht ein paar neue Köpfe in führenden Positionen»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger (VS).

«Es braucht ein paar neue Köpfe in führenden Positionen»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger (VS). Bild: Keystone

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Herr Freysinger, die SVP hat gestern ihr einziges Regierungsratsamt in der Romandie verloren. Statt des SVP-Kandidaten wählte das Waadtland eine Grüne. Sind die verpatzten Bundesratswahlen daran schuld?
Nein. Das Majorzsystem und die Unfähigkeit der bürgerlichen Parteien, ihre Kräfte zu bündeln. Der Hass auf die SVP ist so gross, dass den Linken alles geschenkt wird.

Hass auf die SVP? In der Vergangenheit war es doch vor allem die SVP, welche die anderen Parteien mit Beleidigungen vor den Kopf stiess.
Woher denn? Wir machen Plakate, die gewisse Problemfelder allgemein anprangern. Unsere Gegner spielen auf den Mann. Ich bin nie für ein Plakat verurteilt worden, im Gegensatz zu Adolphe Ribordy, einem FDPler, der mich auf einem Plakat mit Hitler gleichstellte.

Haben die Freisinnigen der SVP die Unterstützung verweigert, weil Ihre Partei bei den Bundesratswahlen einen Sitz der FDP angegriffen hat?
Nein. Das Manöver war ja nur symbolisch. Wenn die SVP den Sitz von Johann Schneider-Ammann wirklich gewollt hätte, hätte sie ihn bekommen. Sie hätte nur das Angebot der SP anzunehmen brauchen.

Hat die SVP in der Romandie ihren Zenit überschritten?
Denkste! Aber es fehlen Führungsnaturen. Nur wenige haben den Mut, sich den Anfeindungen zu stellen, die mit der SVP-Mitgliedschaft einhergehen.

Ihnen fehlt dieser Mut offenbar nicht. Wann kandidieren Sie selber für den Walliser Staatsrat?
Im März 2013. Aber auch da wird man sehen, dass sich Kraut und Stiel gegen die SVP verbündet. Das ist aber egal. Man muss trotzdem immer wieder antreten.

Tut die SVP genug, um potentielle Anwärter für politische Spitzenämter aufzubauen?
Nein. Aber es ist nicht einfach, weil es dazu Leute mit Nerven und Charakter braucht, keine Wohlfühltypen.

Die Niederlage im Waadtland wird der schlechten Mobilisierung zugeschrieben. Wieso kann die SVP ihre frühere Mobilisierungsstärke nicht mehr ausspielen?
Weil man nicht zwei Hasen auf einmal jagen soll. Entweder man pflegt den Proporz oder dann wird man eine Partei wie die anderen und hofft auf Krümel im Majorzsystem. Übrigens, im Wallis haben wir voll auf den Proporz gesetzt und sind jetzt die zweitstärkste Partei des Kantons. Und noch etwas: Die anstehenden Problemthemen werden der SVP in den nächsten Jahren Wähler en masse zuführen.

Und weshalb?
Insbesondere, weil es Simonetta Sommaruga nächstes Jahr zustande bringen wird, 30'000 neue Asylanten in die Schweiz zu locken. Auf die Dauer wird jedem Schweizer die Galle hochgehen.

Bis jetzt hat Frau Sommaruga Verschärfungen des Asylrechts angekündigt. Wieso soll das verlockend sein für potentielle Asylsuchende?
Wie bitte? Gestern lancierte sie in der Sonntagspresse einen Appell an die Iraker, in die Schweiz zu kommen. Ausserdem sind Ankündigungen noch keine Fakten.

Bringt es der SVP in der Romandie etwas, wenn Politiker wie Guy Parmelin und Jean-François Rime bei Bundesratswahlen als Kandidaten auftreten?
Nicht sehr. Was uns stark gemacht hat, sind die Thesen. Leider verkaufen wir uns oft schlecht.

Sie sagen, dass sich die SVP schlecht verkauft. Im Wahlkampf war die SVP mit Plakaten und Inseraten so präsent wie selten zuvor.
Eine Sonate von Beethoven wird nicht dadurch genial, dass man sie hundertmal durch Lautsprecher verstärkt. Es kommt nie gut an, wenn man zeigt, dass man über beträchtliche Geldmittel verfügt. Und ein Plakat darf durchaus polemisch sein, sollte aber nicht abschrecken. Die Schafe waren gut, sympathisch und witzig. Die schwarzen Füsse waren schwerfällig und bedrückend.

Nicht erst seit den Bundesratswahlen geben eine Reihe von Fehlentscheiden bei der SVP zu reden. Von aussen hat man das Gefühl, die Partei habe seit dem Atomunglück in Fukushima ein wenig den Tritt verloren. Wie findet die SVP wieder zur alten Selbstsicherheit zurück?
Mit einer neuen Kommunikationsstrategie nach Innen und Aussen, ein paar neuen Köpfen in führenden Positionen und einer Überarbeitung der Strukturen. Wie gesagt, der Inhalt stimmt, es hapert bei der Form.

Neue Köpfe? Wen muss man Ihrer Meinung nach austauschen?
Das wird durch natürliche Rücktritte möglich.Und der Kreis kann etwas ausgeweitet werden. Das habe ich im Wallis schliesslich auch so gelöst. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.12.2011, 15:19 Uhr)

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