Die Schweiz gehört «nicht zum Club»

Aktualisiert am 23.08.2010 54 Kommentare

Gegen falsch verstandene Unabhängigkeit: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat ihre Diplomaten bei der Eröffnung der Botschafter-Konferenz aufgerufen, internationale Beziehungen zu pflegen.

In Sorge wegen Schweizer Isolation: Calmy-Rey (Archivbild). (Bild: Keystone )

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Die Aussenpolitik der Schweiz müsse der Machtverschiebung hin zu Schwellenländern wie Indien und China mehr Rechnung tragen, , sagte Calmy-Rey am Montag zum Auftakt der diesjährigen Botschafterkonferenz in Interlaken. Die G20, die Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, sei zur zentralen Akteurin der Weltpolitik geworden. Der Bedeutungszuwachs habe Folgen für die Schweiz.

So wie bei der Europäischen Union gehöre die Schweiz auch da «nicht zum Club», sagte Calmy-Rey gemäss Redetext. «Der Schock der schwarzen und grauen Listen, auf denen die G20-Staaten unser Land öffentlichkeitswirksam anprangerten, sitzt uns noch allen im Nacken», erklärte die Aussenministerin mit Blick auf die internationalen Attacken auf das Bankgeheimnis und den Schweizer Finanzplatz.

Kritik an «falsch verstandener Unabhängigkeit»

Der Schweiz bleibe keine andere Wahl, als ihre Interessen aktiv zu verteidigen und sich international verstärkt einzubringen. Die Zeiten, in denen jedes Land seine Probleme alleine lösen konnte, seien vorbei: «Das einfache Rezept der Gralshüter einer falsch verstandenen Unabhängigkeit, die sich stets nur aus allem raushalten wollte, funktioniert längst nicht mehr», sagte Calmy-Rey in ihrer Ansprache.

Weil andere Staaten wirtschaftlich stärker würden, verlören die Schweiz und Europa auch in den meisten Gremien der internationalen Politik an Gewicht: «Deshalb müssen wir unsere bilateralen Beziehungen mit den G20-Staaten weiter ausbauen und uns in allen Organisationen, in denen wir Mitglied sind, noch viel stärker engagieren.»

Die Aussenpolitik dürfe sich nicht auf wenige Nischen beschränken, sondern vielmehr «möglichst vielfältige Beziehungen mit möglichst vielen Ländern und Organisationen pflegen». Um sich in einer globalisierten Welt Gehör zu verschaffen, müsse die Schweiz zudem viel häufiger «das Licht der internationalen Öffentlichkeit» suchen und ihre Interessen klar kommunizieren, erklärte Calmy-Rey.

Treffen der Schweizer Vertreter aus aller Welt

An der Botschafterkonferenz nehmen rund 200 Vertreterinnen und Vertreter der Schweiz im Ausland teil, dazu gehören die Botschafter, die Generalkonsule und die Leiter der Kooperationsbüros der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Das jährliche Treffen soll den Diplomaten Gelegenheit geben, sich über wichtige Geschäfte der Schweizer Aussenpolitik auszutauschen. (raa/sda)

Erstellt: 23.08.2010, 15:43 Uhr

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54 Kommentare

Hans Ulrich Suter

23.08.2010, 16:01 Uhr
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Gerade die wachsende Bedeutung der ostasiatischen Länder bedeutet, dass wir uns von der EU differenzieren müssen. V.a. ist dieses unsägliche Personenfreizügigkeitsabkommen zu künden, das nur die Einwanderung von Leuten mit identischer Ausbildung wie die Schweizer sie schon haben ermöglicht (mit Lohndumping) sondern auch (wegen Boot voll!) die Zuwanderung dringend benötigter Asiaten verhindert. Antworten


Kurt Aegeri

23.08.2010, 16:22 Uhr
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Von unserer Aussenministerin erwarte ich, dass sie nicht bloss das tut, was ihrem Ego schmeicheltt, sondern auch ihre Hausaufgaben. Akribische Beziehungspflege, wenig sexy, wenig spektakulär. Genau das hat sie aber stark vernachlässigt, leider. Im übrigen ist es befremdlich, wenn wir zwar dauernd zahlen dürfen, aber angebhlich "nicht zum Club" gehören. A d'Seck, Frau Calmy-Rey! Und zwar ohne EU. Antworten



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