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«Die Schule sitzt am längeren Hebel»

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 25.03.2009

Wenn Lehrer oder Schulen Ritalin-Behandlungen erzwingen wollen, tun sie das mit Nachdruck. Zum Nachteil der Schüler.

Frau Raess*, warum gelangen Eltern von ADHS-Kindern an eine Anwältin?
Weil Lehrer oder Schulbehörden auf eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin drängen und deutlich machen, dass eine Verweigerungshaltung seitens der Eltern sanktioniert werden kann.

Welcher Art ist dieser Druck?
Eltern werden zum Beispiel von Lehrpersonen direkt darauf angesprochen, dass ihr Kind mit Ritalin behandelt werden soll. Diese Forderung wird zum Teil auch im Zusammenhang mit speziellen Schulanlässen gestellt. Das heisst, die Kinder dürfen an gewissen Schulanlässen nur teilnehmen, wenn sie das Medikament einnehmen. Sonst nicht. Sogar die Schulung in der Regelklasse wird davon abhängig gemacht.

Wie sollten sich Eltern in solchen Fällen verhalten?
Der Entscheid, ob dem Kind Medikamente abgegeben werden oder nicht, liegt einzig und allein bei den Eltern und nicht bei Schulbehörden und auch nicht bei einzelnen Lehrpersonen. Ritalin ist rezeptpflichtig und sollte nur nach eingehenden Abklärungen verschrieben werden. Ich empfehle den Eltern primär, friedliche Lösungen anzustreben. Da die Fronten oft schon verhärtet sind, empfiehlt es sich, das Gespräch gut vorbereitet anzugehen und sich allenfalls dabei begleiten zu lassen, sei dies durch den behandelnden Arzt, eine Mediationsperson oder auch einen Anwalt. Zur Vorbereitung gehört auch, dass man sich über die pädagogischen und therapeutischen Angebote, die eine Schulgemeinde hat, gut informieren lässt. Von einem konfrontativen Vorgehen rate ich ab.

Warum?
Praktisch sitzt die Schule am längeren Hebel. Zwar kann kein Kind gezwungen werden, Psychopharmaka zu nehmen. So direkt läuft das nicht. Aber die Versetzung in eine andere Klasse oder die Wiederholung eines Schuljahres kann und wird von der Schule her eher angeordnet werden, wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Schulverantwortlichen zerrüttet ist. Die Integration eines ADHS-Kindes ist zweifelsohne eine schwierige Aufgabe, die voraussetzt, dass alle Beteiligten am gleichen Strick ziehen.

Gibt es Parallelen bei den verschiedenen Fällen, in denen Sie Mandanten vertreten?
Es führen immer eine Vielzahl von Faktoren zur Aufforderung, Kinder medikamentös zu behandeln. Typische Faktoren sind: erstens eine zu grosse Klasse, zweitens viele Lehrpersonen für dieselbe Klasse, deren Zusammenarbeit nicht optimal funktioniert, und drittens mehrere schwierige Kinder in einer Klasse. Es ist selten nur ein einzelnes Kind, das grössere Probleme entstehen lässt.

Medikamente sollen also Probleme lösen, deren Ursachen struktureller Art sind und mit ADHS nur bedingt zu tun haben?
Das ist jedenfalls meine Wahrnehmung.

* Dr. Susanne Raess ist Anwältin mit Spezialgebiet Schul-, Personal- und Strafrecht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2009, 08:19 Uhr

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