Schweiz
Die Identität wird digital
Von Rahel Guggisberg. Aktualisiert am 04.05.2010
Dank diesem Stick sollen Internetbenutzer in Zukunft nur noch ein Passwort benötigen. (Bild: zvg)
99 Franken
Die Suisse-ID kann ab sofort online bei der Post oder bei der St.Galler Firma Quo Vadis Trustlink beantragt werden. Die für die Nutzung erforderliche Identifikation ist danach persönlich auf der Poststelle, am SBB-Schalter oder bei der Gemeindeverwaltung vorzunehmen.
Die Suisse-ID kostet 99 Franken für drei Jahre, wobei der Bund bis Ende Jahr 65 Franken beisteuert.
Damit sei der elektronische Identitätsnachweis hinsichtlich der Kosten durchaus mit einer EC-Karte vergleichbar, sagt das Seco.
Wer ein Dokument unterschreibt, macht dies im Geschäftsverkehr mit Kugelschreiber. Doch diese klassische Form des Unterschreibens erhält nun Konkurrenz. Der Bund lancierte gestern die Suisse-ID, das elektronische Unterschreiben übers Internet.
Besserer Jugendschutz
Die Suisse-ID funktioniert ähnlich wie eine Bankkarte mit PIN-Code. Sie sieht entweder aus wie ein USB-Stick oder eine Chipkarte. Gekennzeichnet ist sie mit einer persönlichen Nummer und dem Vornamen. Aus Datenschutzgründen ist es dem Eigentümer überlassen, ob er Nachname und Adresse angeben will. Wer zum Beispiel einen Stick erworben hat, kann diesen in den Computer stecken. Mittels Passwort loggt sich der Benutzer ein. Danach kann man bei Unternehmen, die an das System angeschlossen sind, Waren bestellen. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) kann die Suisse-ID derzeit für über 50 Onlinedienste verwendet werden. Mehr als 150 Unternehmen hätten sich bis Ende April für eine Teilnahme beworben. Momentan ist das Angebot also noch beschränkt.
«Ein grosser Vorteil des Systems ist, dass der Jugendschutz gewährleistet ist», sagt Projektleiter Christian Weber. Beispielsweise könne beim Kauf von Videos das Alter überprüft werden.
Stadt Bern wartet ab
Bald sollen auch andere Vorgänge mittels elektronischer Unterschrift rechtsgültig abgeschlossen werden: «Ich denke zum Beispiel an Mietverträge, die Eröffnung von Bankkonten, Firmengründungen oder Steuererklärungen», sagt Weber. Die Steuerverwaltung des Kantons Bern, führend im Bereich E-Government, ist dem System gegenüber positiv eingestellt: «Sobald der Einsatz der Suisse-ID als digitale Signatur akzeptiert ist, sind wir bereit, die Einführung auch bei elektronisch eingereichten Steuererklärungen zu prüfen», sagt Yvonne von Kauffungen auf Anfrage. Doch sie sagt, dass dies nur in Zusammenarbeit mit Bund und Gemeinden möglich sei.
Auch 20 Schweizer Gemeinden bieten nun gewisse Dienstleistungen mit der Suisse-ID an. Im Kanton Bern sind es Saanen, Brienz und Linden. «Wir haben uns angemeldet, weil wir an die Zukunft dieses Systems glauben», sagt Lindens Gemeindeschreiberin Jacqueline Weber. Es gebe viele Einwohner, die nicht zu den Schalteröffnungszeiten vorbeikommen könnten. Für diese werde es nun einfacher.
Die Stadt Bern hilft indes noch nicht mit: «Sobald wir Dienstleistungen haben, die wir elektronisch anbieten wollen, sind wir dabei», sagt Luciano Bergamin, Leiter der städtischen Informatikdienste. Mögliche Dienstleistungen von Gemeinden sind beispielsweise die Bestellung von Generalabonnementen, Parkkarten, An- und Abmeldungen auf Gemeinden. Trotz allem: «Auch in Zukunft wird es nicht möglich sein, Testamente elektronisch zu unterschreiben», sagt Jean-Daniel Gerber, Direktor des Seco. Ebenfalls bei Rechtsgeschäften, wo es den Beizug eines Anwalts oder Notars brauche, funktioniere die Suisse-ID nicht.
«Je mehr Bürger mitmachen, desto höher ist der Nutzen», sagt Weber. Bis Ende Jahr sollen 200'000 bis 300'000 elektronische Identitätskarten in Betrieb sein.
SKS rät: Noch nicht kaufen
Weniger begeistert zeigt sich die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): Sie empfiehlt, noch keine Suisse-ID zu kaufen. Die Karte habe einen stattlichen Preis, bringe aber im Alltag noch praktisch keinen Nutzen, sagte Geschäftsleiterin Sara Stalder. Die elektronische Unterschrift müsse zwar künftig zum Service public gehören. Doch es sei noch zu früh, die Karte anzupreisen. Stalder warnt vor Enttäuschungen: Der Verkehr mit Behörden könne nur sehr beschränkt mit der Suisse-ID abgewickelt werden. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.05.2010, 07:13 Uhr
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