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«Die Frau ist nur aus Zufall noch am Leben»

Aktualisiert am 01.04.2011 25 Kommentare

Hinter dem Briefbombenanschlag auf Swissnuclear stecken Linksextremisten. Es gibt ein Bekennerschreiben. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete live von der Medienkonferenz der Bundesanwaltschaft.

1/5 Im Gebäude der Swissnuclear in Olten ist am 31. März eine Briefbombe explodiert: Schaden an der Tischplatte.

   

(bru/sda)

  • Video  

    Ein Bekennerschreiben ist bei der Briefbombe in Olten gefunden worden. Der leitende Staatsanwalt des Bundes Carlo Bulletti erklärt im Interview, aus welcher Ecke die Täterschaft kommt.

    Video: Reuters

  • Übersicht  

    Die Bundesanwaltschaft entlastet die Schweizer Anti- Atombewegung: Nach ersten Erkenntnissen stammte die Briefbombe, die gestern bei Swissnuclear in Olten explodiert ist, aus anarchistischen Kreisen.

    Ermittler des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich fanden in den Überresten der Bombe ein Bekennerschreiben. Dieses stammt von der italienischen anarchistischen Gruppierung «Federazione Anarchica Informale» (Informeller Anarchistischer Bund, FAI), wie Verfahrensleiter Carlo Bulletti heute sagte.

    Die gleiche Gruppe bekannte sich zum Anschlag auf die Schweizer Botschaft in Rom im vergangenen Dezember. Sie ist auch verantwortlich für die Bombenexplosion in der toskanischen Stadt Livorno, bei der gestern ein italienischer Soldat schwer verletzt worden ist. Eine weitere Bombe in Athen konnte entschärft werden.

    Die Bundesanwaltschaft zieht zudem Parallelen zum vereitelten Anschlag auf ein IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon ZH vor rund einem Jahr. Die in dem Zusammenhang verhafteten Personen seien in dem Bekennerschreiben erwähnt, sagte Bulletti. Hinweise, dass auch anarchistischen Kreise aus der Schweiz in den Anschlag von Olten verwickelt sein könnten, gebe es derzeit nicht. Eine Verbindung könne aber auch nicht ausgeschlossen werden.

    Heftige Explosion

    In Olten waren gestern zwei Angestellte von Swissnuclear, der Fachgruppe Kernenergie von Swisselectric, verletzt worden. Es habe sich um einen starken Sprengsatz gehandelt, sagte der erste stellvertretende Bundesanwalt, Ruedi Montanari. «Im Bereich des politischen Terrorismus waren wir noch nie mit einer solchen Sprengwirkung konfrontiert.»

    Bei der Detonation hatte eine Frau Verletzungen an den Armen und im Brustbereich erlitten. Laut Bulletti ist es ein Zufall, dass sie noch am Leben ist. «Es bestand die Absicht zu töten, nicht, jemandem Angst zu machen», sagte er.

    Die gesamte Einrichtung inklusive Deckenbeleuchtung sei bei der Explosion zerstört worden. Die Vertreter der Bundesanwaltschaft zeigten Bilder des Tisches, auf dem die Bombe explodiert war: In der Tischplatte klaffte ein postkartengrosses Loch.

    Welche Art von Sprengstoff für den Anschlag verwendet worden war, konnte Bulletti noch nicht sagen. Dafür müssten die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen abgeklärt werden.

    Die Bundesanwaltschaft hat Hinweise, dass der Brief mit der Bombe im Ausland abgeschickt worden ist. Sie koordiniere darum ihre Bemühungen mit den ausländischen Ermittlungsbehörden, sagte Bulletti. Demnächst seien auch Treffen zwischen den Ermittlern geplant.. (sda)

  • Video  

    Der Terrorismus-Experte Albert A. Stahel vermutet marxistisch geprägte Öko-Terroristen hinter der Briefbombe. Stahel ist Leiter des Instituts für Strategische Studien, welches Gutachten und Lagebeurteilungen erstellt.

    Video: Keystone

  • 14.17 Uhr  

    Die Pressekonferenz ist beendet. In Kürze folgt eine Zusammenfassung mit mehr Details.

  • 14.10 Uhr  

    Der Bundesanwaltschaft liegt ein Bekennerschreiben der anarchistische Gruppierung FAI vor. Im Brief wurde keine konkrete Forderung gestellt. Der Brief war auf italienisch verfasst. Er lag der Briefbombe bei. Das kleine Paket sei in Italien aufgegeben worden.

    Der Verdacht liegt Nahe, dass die Täterschaft aus dem gleichen Umfeld kommt, wie jene des versuchten Anschlags in Rüschlikon auf ein IBM-Forschungszentrum.

  • 14.00 Uhr  

    Die Bundesanwaltschaft informiert, dass die Täter des gestrigen Anschlages aus dem Umfeld von Anarchisten stammen. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich nicht um Leute aus der Anti-AKW-Bewegung. «Die Frau, welche gestern den Brief öffnete, ist nur aus Zufall noch am Leben», wie der zuständige Verfahrensleiter Carlo Bulletti, Leitender Staatsanwalt des Bundes sagt.

  • Vor der Medienkonferenz  

    Ereignisse von gestern:

    Bei einem Briefbombenanschlag auf die AKW-Fachgruppe Swissnuclear in Olten sind gestern zwei Mitarbeiterinnen in den Büroräumen verletzt worden. Die Bundesanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen Unbekannt. AKW-Gegner verurteilten den Anschlag.

    «Der Brief explodierte beim Öffnen», sagte Urs Eggenschwiler, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. Es habe einen «rechten Knall» gegeben. Die beiden verletzten Mitarbeiterinnen seien mit dem Sortieren der Post beschäftigt gewesen.

    Die Briefbombe habe sich in einem «dicken, kartonähnlichen Umschlag» befunden, sagte Eggenschwiler. Der Umschlag sei mit der Adresse von swissnuclear versehen gewesen. Die Adresse sei nicht von Hand geschrieben worden.

    Die Explosion hatte sich kurz nach 8 Uhr ereignet. Die beiden Opfer mussten ins Spital gebracht werden. Eine Frau erlitt Verletzungen an den Armen und im Brustbereich, die andere beklagte sich nach der Explosion über Gehörprobleme. Eine der Frauen konnte das Spital bereits wieder verlassen, sagte Thalia Schweizer, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn, am Abend gegenüber Radio DRS.

    Im Büro im vierten Stock des Gebäudes hatten sich zum Zeitpunkt der Explosion noch drei weitere Personen befunden. Sie blieben unverletzt.

    Täterschaft unbekannt

    Wer hinter dem Anschlag steckt, ist vorerst nicht bekannt. Die Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete ein Verfahren gegen unbekannte Täterschaft.

    Die technischen Abklärungen und die Untersuchungen liefen auf Hochtouren, teilte die BA auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit. Die Bundesanwaltschaft will voraussichtlich am Freitag über erste Erkenntnisse informieren können.

    Interessengruppe der AKW-Betreiber

    Swissnuclear ist die Fachgruppe Kernenergie von swisselectric, einer Organisation der grossen Schweizer Energiekonzerne. Der swissnuclear gehören Vertreter der Stromverbundunternehmen Axpo, Alpiq, BKW, CKW und EGL an.

    Die Fachgruppe swissnuclear setzt sich nach eigenen Angaben für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Atomkraftwerke in der Schweiz ein.

    «Erhöhte Wachsamkeit» bei Konzernen

    Als Konsequenz des Anschlages will der Energiekonzern Alpiq mit Sitz in Olten seine Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Man verurteile den Anschlag aufs Schärfste und sei betroffen, sagte Andreas Werz, Mediensprecher der Alpiq.

    Der Anschlag habe mit dem gängigen Verständnis von Demokratie überhaupt nichts zu tun. Man sei überrascht worden. Es habe keine Vorwarnungen gegeben, dass so etwas eintreffen könne.

    Auch beim bernischen Energiekonzern BKW herrsche «erhöhte Wachsamkeit», sagte ein Mediensprecher. Der Konzern Axpo wollte sich zum diesem Aspekt nicht äussern.

    Die Kantonspolizei Solothurn forderte einzelne Politiker, die sich zu Gunsten der Atomenergie exponieren, zu erhöhter Vorsicht auf. Es handle sich um eine «vorsorgliche Massnahme», hiess es. Einzelheiten wollte die Polizei nicht nennen.

    Auch der Sicherheitsdienst der Post in Zürich sei kontaktiert worden, sagte Schweizer zu Radio DRS.

    AKW-Gegner verurteilen den Anschlag

    Greenpeace und Grüne zeigten sich nach dem Anschlag konsterniert. Gewaltfreiheit sei bei Greenpeace das oberste Prinzip, teilte die Umweltorganisation mit. Man hoffe, dass «weiterhin mit allen Akteuren eine konstruktive energiepolitische Diskussion» geführt werden könne.

    Für die Grünen sind «solche anonyme Angriffe höchst feige und verachtenswert». Diese hätten «absolut nichts mit der Anti-AKW- Bewegung in der Schweiz und in anderen Ländern zu tun».

    Wegen des Anschlages brach Greenpeace am Donnerstag eine Protestaktion am Sitz der Alpiq in Olten vorzeitig ab, wie Kampagnenleiter Florian Kasser sagte. Rund 30 Aktivisten hatten den Konzern aufgefordert, sein Gesuch für das AKW Gösgen II im Niederamt endgültig zurückzuziehen. (sda)

Erstellt: 01.04.2011, 13:59 Uhr

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25 Kommentare

Andreas Ungricht

01.04.2011, 14:49 Uhr
Melden 67 Empfehlung

Georg Kreis darf jedes Jahr auf Staatkosten ein Buch veröffentlichen mit rechtsextremen Äusserungen und Taten. Die Politik schreit bei jeder braunen Entgleisung auf. Im Grossen Rat BS werden monatlich Vorstösse eingereicht, die auf die rechtsextreme Gefahr hinweisen. Der Linksextremismus jedoch wird regelmässig verniedlicht, toleriert, oder sogar gut geheissen. Beides ist scharf zu verurteilen. Antworten


Bruno Bänninger

01.04.2011, 16:32 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Nennt die Sache doch beim Namen: das sind primitive und niederträchtige Barbaren von Links. Abzuwarten ob diese grausamen Unmenschen gefasst werden und zu welchem Urteil die Kuscheljustiz sich dann entscheidet. Man darf gespannt sein. Antworten



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