Die 500'000-Dollar-Frage
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 05.01.2012 262 Kommentare
Erhebt schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten der Schweizer Nationalbank: Die aktuelle «Weltwoche» über «Spekulant Hildebrand».
Hildebrand erklärt sich
Heute Donnerstag um 16 Uhr nimmt der Präsident der Nationalbank Stellung zur Devisenaffäre. Bernerzeitung.ch/Newsnet überträgt die Medienkonferenz live mit Web-TV.
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Hat Philipp Hildebrand den umstrittenen Kauf von 500'000 Dollar selber in Auftrag gegeben, oder war es seine Frau? Die Frage ist eigentlich nebensächlich, denn das SNB-Reglement verlangt in beiden Fällen eine Zustimmung der Compliance-Stelle. Trotzdem ist sie zum zentralen Punkt in der Geschichte avanciert. Denn entweder lügt er, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, oder die nicht genannten Quellen der «Weltwoche» sind falsch.
Die Wirtschaftsprüferin PricewaterhouseCoopers, die von der Nationalbank mit der Untersuchung des umstrittenen Devisenhandels betraut wurde, schreibt im gestern veröffentlichten Gutachten: «Aus dem uns vorliegenden E-Mail-Verkehr geht hervor, dass PMH (so lautet das Kürzel von Philipp Hildebrand im Bericht, Anm. der Redaktion) keine Kenntnisse dieser Transaktion hatte. In einem E-Mail vom 16. August 2011 an den Kundenbetreuer der Bank stellte PMH klar, dass Devisengeschäfte künftig nur durchgeführt werden können, wenn der Auftrag von PMH selbst kommt oder PMH einen solchen Auftrag bestätigt – dies aus Compliance-Gründen.» Kashya Hildebrand äusserte sich Anfang Woche entsprechend in der Sendung «10vor10»: Sie selber habe den Devisenkauf in Auftrag gegeben, weil der Dollar lächerlich günstig gewesen sei, sie habe sich dabei wohl gefühlt.
Machenschaften vertuschen
Demgegenüber schreibt die «Weltwoche»: «Den Dollarkauf, den Kashya Hildebrand am 15. August getätigt haben soll, hat in Wirklichkeit ihr Mann Philipp Hildebrand vorgenommen.» Die Frau als «Täterin» sei lediglich eine Ausrede, ein «gross angelegter und raffiniert eingefädelter Versuch, die Machenschaften Hildebrands zu vertuschen».
Angesichts der fehlenden Dokumente für diese Behauptung sind die Aussagen gewagt. Der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut sieht das anders: «Wir haben mündliche und schriftliche Bestätigungen eines direkt involvierten Mitarbeiters der betreffenden Bank, dass Hildebrand selber angerufen hat.» Diese Bestätigungen zeigt die «Weltwoche» jedoch nicht.
Umgeschwenkt auf «Vollmacht»?
Gut fügt hinzu: «Erst hiess es, das Konto laute auf Kashya Hildebrand. Vor drei Tagen änderte sich die Verteidigungsstrategie: Dann hiess es plötzlich, das Konto laute auf Philipp Hildebrand und seine Frau habe eine Vollmacht.» Hildebrand sei unter Druck der «Weltwoche»-Recherchen umgeschwenkt auf die Aussage mit der Vollmacht, glaubt Gut.
Wird Philipp Hildebrand heute Nachmittag (ab 16 Uhr, Bernerzeitung.ch/Newsnet überträgt die Medienkonferenz live mit Web-TV) die Vorwürfe gegen ihn entkräften, indem er das Gegenteil beweist? Nur er selber – oder allenfalls eine amtliche Untersuchung – können Klarheit schaffen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2012, 12:10 Uhr
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262 Kommentare
Im Fall Hildebrand wär es zu wünschen das der Tagi selber Journalismus betreibt und nicht die WW abschreibt und Köppel und Gut ein Persilschein für Behauptungen erteilt. Gestern Abend schon war z.B. auf 20min ersichtlich, dass in der sogenannten WW-Enthüllungen div. falsche Namen, Tatsachen und Zahlen sind und sich keine neue Anschuldigung der WW irgendwie Beweisen lässt. Antworten
Wieder mal typisch Weltwoche. Es wird von mündlichen und schriftlichen Bestätigungen gesprochen, diese werden aber nicht vorgelegt. Dass die Weltwoche die kriminelle Herkunft der Informationen weder verleugnet noch verurteilt, spricht eine deutliche Sprache. Wie war doch die Weltwoche empört, als Deutschland auf kriminellen Wegen beschaffte Informationen gegen Steuerbetrüger einsetzte.Scheinheilig Antworten
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