Dicke Luft rund um den Wald

Ein Drittel der Fläche in der Schweiz besteht aus Wald. Doch in der Bundesverwaltung fristet der Wald ein Schattendasein. Die Waldwirtschaft ist zudem verärgert, weil ihre Anliegen dem Naturschutz untergeordnet werden.

Die Waldwirtschaft ist erzürnt über das Vorgehen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und möchte den Bereich Wald
aus dem Bafu lösen.

Die Waldwirtschaft ist erzürnt über das Vorgehen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und möchte den Bereich Wald aus dem Bafu lösen.
Bild: Keystone

Der Wald hilft allen. Er baut CO2 ab, schützt Bergdörfer vor Lawinen, reinigt Wasser, dient der breiten Öffentlichkeit als Erholungsraum und gibt Forstleuten und Beamten Arbeit. Doch so harmonisch ist es innerhalb der Waldbranche nicht. In der Kritik steht vor allen das Bundesamt für Umwelt (Bafu), das die Verantwortung für die schweizerische Forstpolitik trägt.

Die Kritik ertönt vor allem aus den Reihen der Waldwirtschaft: «Wir werden vom Bafu mit immer mehr Vorschriften für den Waldbau konfrontiert», kritisiert Erich von Siebenthal, SVP-Nationalrat und Vizepräsident des Waldbesitzerverbandes im Kanton Bern.

Kaum mehr Kosten deckend

Das Bafu hätte beispielsweise allen Waldeigentümern vorschreiben wollen, dass sie unentgeltlich pro Hektare Wald 10 Kubikmeter Holz liegen lassen, damit Käfer und andere Organismen sich besser vermehren könnten. Für solche Leistungen für die Natur seien die Waldbesitzer vorher entschädigt worden, sagt von Siebenthal. «Neu sollten wir das quasi gratis für die Allgemeinheit tun», moniert der Waldpolitiker von Siebenthal. Durch solche und ähnliche Bestrebungen sei ein Kosten deckender Waldbau für die Waldbesitzer kaum möglich.

Der Oberländer Bergbauer und Waldbesitzer von Siebenthal möchte, dass Naturschutzanliegen und die Bedürfnisse von denen, die den Wald als Ressourcenlieferant benötigen, gleich gewichtet würden. «Das ist heute leider nicht der Fall», sagt er.

Auch der Geschäftsführer der Konferenz der kantonalen Forstdirektoren, Othmar Wüest, lässt kein gutes Haar an der Forstpolitik des Bafu: «Die Zusammenarbeit mit dem Bafu ist sehr schwierig, da die Geschäfte innerhalb der Verwaltung nicht koordiniert sind.» Es herrsche eine unübersichtliche Organisation mit zu vielen kleinen Abteilungen. Deshalb sei es schwierig, die zuständigen Personen innerhalb des Bafu zu finden, sagt Wüest. Auch er moniert, dass die Anliegen und Bedürfnisse der Waldwirtschaft gegenüber den Interessen des Naturschutzes im Bafu schlecht wahrgenommen würden.

Schiffbruch im Jahr 2007

Die Waldpolitik des Bafu trat in den letzten Jahren tatsächlich mehr oder weniger an Ort und Stelle. Vor zwei Jahren erlitt die vom Bafu in Eigenregie geplante Revision des Waldgesetzes einen totalen Schiffbruch. Sowohl der Ständerat als auch der Nationalrat waren damals nicht einmal auf die Diskussion eingetreten. Seither ist man im Bafu vorsichtiger geworden. «Das war uns eine Lehre, heute machen wir nur noch etwas, wenn das Parlament von uns explizit etwas verlangt», sagt ein Waldbeamter im Bafu. Der Waldwirtschaft ist das recht so. «Wir haben lieber den Status quo als zusätzliche verschärfte Bestimmungen für die Waldwirtschaft», sagt Roland Furrer, Geschäftsleitungsmitglied beim Verband Waldwirtschaft Schweiz.

Bruno Oberle, Direktor des Bafu, lässt die Kritik an seiner Abteilung Wald kalt. «Es sind immer die gleichen Stimmen,die unsere Waldpolitik angreifen.» Die Kritiker der Waldpolitik würden dies meist nur aus Eigeninteressen tun, um mehr Profit aus dem Wald zu schlagen.

Dass die Revision des Waldgesetzes im Parlament abgeschmettert worden sei, nimmt Oberle nicht alleine auf seine Kappe. «Dieses Geschäft wurde noch grösstenteils vom damaligen Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft erarbeitet und fand aus politischen Gründen kein Gehör», erklärt Oberle.

Erst im Jahr 2006 fusionierte das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) mit dem Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG) zum heutigen Bundesamt für Umwelt.

Weg aus dem Bafu

Zudem weist Oberle darauf hin, dass die genutzte Holzmenge in den letzten Jahren zugenommen habe. «Klar ist das auch auf die Konjunktur zurückzuführen, aber es zeigt, dass das Bafu einer vermehrten Nutzung sicher nicht im Weg stand. Im Gegenteil: Das Bafu unterstützt die Holznutzung seit Jahren mit Förderprogrammen», sagt Oberle.

Nebst der Kritik, dass sich das Bafu zu stark auf den Naturschutz im Wald konzentriere und die Anliegen der Waldeigentümer vernachlässige, hätte die Forstwirtschaft eigentlich lieber, wenn das Thema Wald innerhalb der Verwaltung beim Bundesamt für Landwirtschaft angesiedelt würde. Dieses Anliegen findet selbst innerhalb des Bafu Gehör. Es gibt Stimmen, die sagen, dass der Bereich Wald im Bafu am falschen Ort sei.

In der Vergangenheit gab es schon verschiedene politische Vorstösse, die verlangten, den Waldbereich dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) anzuschliessen. Diese waren aber allesamt erfolglos, der Bundesrat lehnte eine Umsiedelung ins BLW ab.

Eine Verschiebung würde aus Sicht der Waldwirtschaft tatsächlich in vielerlei Hinsicht Sinn machen. Sowohl der Wald als auch die Landwirtschaft sind beides primäre Sektoren – der Wald produziert Holz, die Landwirtschaft Nahrungsmittel. Bei beiden Sektoren entstehen im Interesse der Öffentlichkeit Güter wie Landschaftsschutz, und die Erhaltung der Biodiversität wird gewährleistet.

Doch es gibt einen gewichtigen Unterschied: «Der Handel mit Holz ist komplett liberalisiert. Die Schweizer Landwirtschaft dagegen wird immer noch mit hohen Zollschranken vom Welthandel abgeschottet», erklärt Oberle. Alleine dies würde ein eigenes Bundesamt für die Landwirtschaft rechtfertigen.

Zudem sei es im Jahr 2006 bei der Reorganisation der Verwaltung ein Ziel des Bundesrates gewesen, den Wald mit dem Kompetenzzentrum für Naturgefahren zu vereinigen. Auch deshalb sei es sinnvoll, dass der Forstbereich beim Bafu angesiedelt sei.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2010, 07:33 Uhr

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