Der steile Aufstieg des Skihelms
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 24.01.2011 30 Kommentare
Keine Garantie
Ein Skihelm ist noch keine Garantie. Bei heftigen Kollisionen kann es trotz Helm und anderer Schutzausrüstung zu schwerwiegenden Verletzungen kommen. So geschehen am vergangenen Wochenende: Im Kanton St. Gallen war ein 17-jähriger Skifahrer ausserhalb der präparierten Piste gestürzt. Obwohl er einen Helm auf hatte und auch sonst gut geschützt war, erlag er seinen Verletzungen.
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Der dramatische Ski-Unfall von Dieter Althaus im Januar 2009 schockte ganz Europa: Der deutsche Politiker stiess auf der Piste mit einer Frau zusammen, worauf diese starb. Er hatte einen Helm getragen, sie nicht. Seit dem tragischen Vorfall verzeichnen gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung sowohl Deutschland, als auch Österreich einen Helmtrage-Boom. Österreich führte darauf gar eine Pflicht für Kinder bis 16 ein. Nicht so in der Schweiz. Da war die Helmtragedisziplin schon vorher ausgezeichnet – und dies ganz ohne Obligatorium.
Drei Viertel tragen Helm
In den letzten Jahren ist die Zahl der Helmtragenden geradezu explodiert. Trug vor acht Jahren noch rund jeder Sechste auf der Piste einen Helm, sind es heute bedeutend mehr. Genauer: 76 Prozent der Schneesportler über alle Altersklassen tragen dieser Tage einen Helm auf der Piste. Bei Kindern und Jugendlichen sind es gemäss bfu sogar zwischen 90 und 100 Prozent.
«Das ist ein sehr guter Wert», sagt David Kerschbaumer, Verantwortlicher Schneesport beim bfu. Auch wenn er die Schweiz nicht als Vorbild für andere Nationen nennen will: In kaum einem anderen Land ist die Helmtragedisziplin so hoch.
Gemäss Kerschbaumer ist das auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: «Einerseits führen wir seit Jahren eine Helmkampagne, die zum Ziel hat, die Bevölkerung zu sensibilisieren.»
«Salonfähig geworden»
Andererseits übernehmen auch Institutionen und Vereine Verantwortung: «Schneesportschulen, aber auch Ski-Profis nehmen eine Leader-Rolle ein. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und tragen Helm. Und die Hobby-Skifahrer sagen sich: ‹Wenn auch die Helme tragen, die so gut skifahren können, sollte ich das vielleicht auch tun.›»
Und schliesslich gelte der Helm heute als Accessoire, das auch modischen Kriterien genüge.
Die genau gleichen Gründe nennt auch Nadya Jeitziner vom Dachverband der Schweizer Ski- und Snowboardschulen Swiss Snowsports. «Der Skihelm ist salonfähig geworden», sagt sie, «und je mehr ihn tragen, desto grösser wird der ‹Gruppendruck› für die anderen.» Habe er früher noch schlicht und funktional ausgesehen, könne er heute als modisches Accessoire mithalten. «Selbst die Kleinsten tragen Helme, auch wenn das für die Familien eine Investition darstellt.»
Kaum mehr Gegenstimmen
Weder Jeitziner, noch Kerschbaumer glauben hingegen, dass das Helmtragen zu einem risikoreicheren Fahren verleitet. «Sicher kann man sich auch trotz Helm nie sein», sagt Jeitziner. Und Kerschbaumer verweist darauf, dass die Unfallschwere dank Helmen abnehme – das sei in mehreren Studien belegt worden.
Davon, dass Helmtragen einen negativen Einfluss auf das Unfallrisiko haben könnte, zum Beispiel, weil er die Wahrnehmung des Skifahrers beeinträchtigt, spricht heute kaum mehr jemand.
Und solange weiterhin auf der Piste pflichtbewusst Helm getragen wird, sehen sowohl bfu, als auch die Verbände keine Notwendigkeit für eine Helmtragepflicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.01.2011, 13:55 Uhr
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30 Kommentare
Herr Oertli, zwischen Velo- und Skihelm gibt es gravierende Unterschiede. Bei der typischen Körperhaltung beim Velofahren behindert ein Helm ungleich mehr. Ausserdem behindert er die effektive Kühlung. Persönlich ärgert mich der Velohelm dermassen, dass ich bei meinem Fahrprofil (wenig im Autoverkehr) darauf verzichte. Der Skihelm dagegen wird einfach als Mützenersatz getragen und behindert nicht. Antworten
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