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Der sanfte Mann macht knallharte Wirtschaftspolitik

Von David Schaffner. Aktualisiert am 16.06.2011 68 Kommentare

Gesellschaftspolitisch gilt er als aufgeschlossen – finanzpolitisch ist er eisern. Der Zuger Rolf Schweiger vertritt die Bankeninteressen im Ständerat an vorderster Front.

Bestens in der Wirtschaft vernetzt: Rolf Schweiger spricht während einer Medienkonferenz zum Thema «Too big to fail».

Bestens in der Wirtschaft vernetzt: Rolf Schweiger spricht während einer Medienkonferenz zum Thema «Too big to fail».
Bild: Keystone

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Der 66-jährige Rolf Schweiger ist ein Mann, in dessen Brust zwei Herzen schlagen: Er ist ein Charmeur, der die Menschen in seinem Umfeld stets so liebevoll behandelt wie ein Opa seine Enkelkinder. Selbst bei heftigen Debatten im Ständerat haftet dem FDP-Politiker etwas Bärenhaftes an – eine knorrige Liebenswürdigkeit. Gleichzeitig agiert Schweiger als Wirtschaftspolitiker, der kühl kalkuliert und zuweilen rücksichtslos für Partikulärinteressen einzelner Branchen eintritt.

Heute wird der Zuger Wirtschaftsanwalt in der kleinen Kammer erneut die strengen Regeln für Grossbanken torpedieren – obwohl deren schiere Grösse und deren Risikofreude eine Bedrohung für die gesamte Wirtschaft darstellen und selbst seine Partei, die FDP, eine harte Gangart fordert. In seinem ruhigen, leicht nasalen Ton wird er Studien zitieren, geduldig Zahlenreihen herunterlesen und die Kollegen zur «Zurückhaltung» aufrufen. Er wird Sätze sagen wie: Mässigen wir unseren Zorn gegenüber den Bankern, die einmal fallierten, unserem Land aber stets grosse Dienste leisteten.

Politikerkollegen in Bern kennen die beiden Seelen des Freisinnigen bestens: «Schweiger ist soft, wenn es um die Software geht. Und hart, wenn es um die Hardware geht», sagt der Zuger Grüne Jo Lang, im überschaubaren Zuger Politmilieu seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Gegner Schweigers. Gehe es um gesellschaftliche und kulturelle Anliegen, gebe er sich als offener Weltenbürger. Vor Jahren setzte er sich für die Legalisierung von Cannabis ein. «Geht es hingegen ums Geld, vertritt er knallhart die Interessen jener, denen es bereits gegeben ist», sagt Lang.

Bei 21 Unternehmen als Verwaltungsrat dabei

Schweigers Selbstverständnis als Lobbyist entspricht der verbreiteten Mentalität in der Wirtschaftselite Zugs: Es ist jener Kanton, der den Steuerwettbewerb erfunden hat und seit Jahrzehnten milliardenschwere Firmen aus dem Ausland anzieht – egal, wie umstritten deren Geschäftspraktiken im Ausland sind. Schweiger selbst sitzt in nicht weniger als 21 Verwaltungsräten, Verbandsvorständen und Stiftungsräten. Darunter sind Namen wie Schindler und Roche Diagnostics sowie der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. In dessen Auftrag lobbyiert er gegen harte Bankenregeln. «Sein wahres Wesen als Mensch hingegen entspricht jener Haltung, die er bei den soften Themen an den Tag legt», sind sich mehrere Ratskollegen einig.

Der Spagat zwischen seiner einnehmenden und grosszügigen Art und der eigennützigen Lobbyarbeit für die Wirtschaftsmächtigen ist Schweiger nicht immer gelungen: Nur ein halbes Jahr, nachdem er 2004 das Präsidium der Freisinnigen übernommen hatte, gab er das prestigeträchtige Amt auch schon wieder ab. Denn wegen des dauernden und von wirtschaftlichen Interessen geprägten Hickhacks in der Partei litt er unter einem Burn-out.

Erneut in den Clinch geriet Schweiger wegen seiner atomfreundlichen Politik nach der Katastrophe in Fukushima: Er war bereits als Ständeratskandidat gesetzt, als es plötzlich Widerstand gegen ihn gab. Die FDP plante in Zug nämlich mit der CVP und den Grünliberalen eine Listenverbindung – und die Grünliberalen stellten seinen Rücktritt als Bedingung. Frustriert gab sich Schweiger nach einigen Wochen geschlagen und nannte die zunehmend «irrational argumentierende Grundstimmung» als Ursache für seinen Entscheid, im Herbst doch nicht wieder anzutreten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2011, 07:59 Uhr

68

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68 Kommentare

Christian Bolfing

16.06.2011, 09:09 Uhr
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Das ist doch der Typ der u.a. eine Isländische Firma nach Zug geholt hat, die jetzt 4 Jahre keine Steuern zahlt und deren zugezogene Mitarbeiter Krippenplätze und Miete für 2 Jahre von der Steuer absetzten kann! Wo bleibt da der Nutzen für die Allgemeinheit? Auf solche Politiker kann ich getrost verzichten... Antworten


Enrico Veritas

16.06.2011, 08:09 Uhr
Melden 46 Empfehlung

schlimm, kurzsichtig und sehr beängstigend. geld und macht für eine kleine elite. hoffen wir, dass eines tages die politik wieder den weg zur gesellschaft findet. Antworten



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