Der Schweiz steht der teuerste Wahlkampf aller Zeiten bevor
Von David Schaffner, Bern. Aktualisiert am 27.12.2010 91 Kommentare
Artikel zum Thema
- SVP schickt zwei Juristen in die Arbeitsgruppe
- Weshalb sich ein SVP-Ständerat für Kügeli-Medizin stark macht
- «Wer etwas gegen Multikulti sagt, ist ein Faschist»
Zahlreiche Rücktritte
Ohne Hämmerle und Simoneschi
Bis Weihnachten war von 19 National- und 6 Ständeräten bekannt, dass sie 2011 auf eine erneute Kandidatur verzichten. Von der SVP sind dies die Nationalräte Walter Glur und Lieni Füglistaller (beide AG), Simon Schenk (BE), Peter Föhn (SZ) und Theophil Pfister (SG). Bei der SP treten Doris Stump (AG), Andrea Hämmerle (GR), Jean-Claude Rennwald (JU) und Fabio Pedrina (TI) zurück. Bei der CVP räumen die Nationalräte Markus Zemp (AG), Sep Cathomas (GR), Thérèse Meyer-Kälin (FR), Elvira Bader (SO), Chiara Simoneschi-Cortesi (TI) sowie die Ständeräte Theo Maissen (GR) und Hansheiri Inderkum (UR) ihre Sitze. Bei der FDP verzichten Werner Messmer (TG) und Claude Ruey (VD) auf eine weitere Amtszeit. Georges Theiler will den Ständeratssitz seiner Parteikollegin Helen Leumann (LU) beerben, die nicht mehr antritt. Zudem hören die Ständeräte Rolf Büttiker (SO) und Peter Briner (SH) auf. Bei den Grünen will Nationalrätin Therese Frösch (BE) nicht mehr antreten – bei der BDP verzichtet Brigitta Gadient (GR) auf eine erneute Kandidatur.(SDA)
Mitten im Sommerloch 2010 hat die SVP den anderen Parteien mit einem ersten Vorgeschmack auf den Wahlkampf 2011 einen Schock verpasst: Für ihre Volksbefragung zur Ausländerpolitik verschickte sie in alle Haushalte eine mehrseitige Broschüre und gab damit laut Politikberater Mark Balsiger rund 800'000 Franken aus. Mit dieser aussergewöhnlich teuren Aktion lange vor den Parlamentswahlen im Herbst 2011 machte die Volkspartei klar: Wer sich mit ihr messen will, muss tief in die Tasche greifen.
In den Parteisekretariaten ist diese Botschaft nicht ungehört geblieben: Obwohl die Parteien ihre Finanzierung in der Schweiz nicht offenlegen müssen und Angaben zu den Budgets sehr rar sind, geben die Präsidenten von FDP und CVP bekannt, wie viel Geld sie 2011 für den Wahlkampf aufwenden: FDP-Präsident Fulvio Pelli stehen 2,6 Millionen Franken zur Verfügung, CVP-Präsident Christophe Darbellay gar 3 Millionen. Das sei dreimal mehr als 2007, frohlockt Darbellay. Um wie viel die Freisinnigen ihre Kriegskasse aufstocken, verrät Pelli nicht. Immerhin: Wenn möglich, sollen es 2011 mehr als die geplanten 2,6 Millionen werden.
Der Kassenwart ist vorsichtiger
Als Grund für die sprunghafte Erhöhung geben Politiker und Werbestrategen den prall gefüllten Geldbeutel der SVP an: Die Blocher-Partei verfüge schon lange über weit höhere Summen als ihre Konkurrentinnen und bringt diese in Bedrängnis: «Die Kosten eines Wahlkampfs sind massiv gestiegen, weil die SVP die Messlatte sehr hoch setzt», erklärt Nationalrat Pirmin Bischof, Finanzverantwortlicher bei der CVP. Wie viel Geld die Volkspartei nächstes Jahr in die Hand nehmen wird, will ihr Generalsekretär Martin Baltisser nicht verraten: «Wie bei jeder Kampagne handelt es sich um eine rollende Planung», sagt er. «Je nach vorhandenen Mitteln und Bedarf setzen wir mehr oder weniger ein.» SVP-Nationalrat Hans Fehr, Mitglied des Wahlkampfteams, ergänzt: «Es ist gut möglich, dass wir mehr ausgeben als 2007.»
Trotz der frühen Ankündigung dürfte es FDP und CVP nicht so leicht fallen, die geplanten Gelder tatsächlich aufzutreiben: «Der Kampf um Spendengelder wird immer härter», sagt Mark Balsiger. «Die Parteien und eine grosse Zahl von gemeinnützigen Organisationen wie Greenpeace oder WWF konkurrenzieren sich.» Balsiger vermutet, dass hinter der ungewöhnlichen Transparenz von FDP und CVP eine Strategie stehe: «Sie nennen hohe Zahlen, damit ihre Sympathisanten dieses Mal mehr spenden.»
Auffällig ist, dass sich der CVP-Finanzverantwortliche Bischof deutlich vorsichtiger äussert als sein Präsident Darbellay: «Fundraising ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Unser Minimalziel ist, dass wir im nächsten Jahr leicht mehr Geld zur Verfügung haben als 2007», sagt Bischof.
Grüne gewinnen mit wenig Geld
Geld allein regiert die Schweiz allerdings noch nicht: Wahlkampfexperte Balsiger betont: «Wer gute Themen setzt und die Leute bei ihren Sorgen abholt, kann auch mit bescheidenen Mitteln punkten.» Das beste Beispiel dafür seien die Grünen: «Sie haben kaum Geld und eilen doch von einem Wahlsieg zum nächsten.» Der Präsident der Grünen, Ueli Leuenberger, erklärt diesen Erfolg einerseits «mit dem sehr hohen Einsatz unserer Mitglieder für die Partei, beispielsweise an Standaktionen». Andererseits würden Umweltthemen die Bevölkerung sehr stark beschäftigen. «Hier verfügen wir über die richtigen Antworten», so Leuenberger. Trotz der Erfolge an vielen kantonalen Wahlen kann er nicht verhehlen, dass auch sie gerne mehr Geld hätten. «Würden wir über das Budget der SVP verfügen, könnten wir jeweils zwei bis drei Prozent mehr Wähleranteile für uns gewinnen.» 2007 hatten die Grünen laut Leuenberger ein nationales Budget von bloss 45'000 Franken.
Absehbar ist, dass 2011 ein Streit über die Parteienfinanzierung entbrennt: Linke Politiker fordern schon lange, dass Parteien öffentlich Rechenschaft über ihre Spenden ablegen müssen. Heute gibt es über die Herkunft bloss Vermutungen: Demnach erhalten FDP, CVP und SVP vor allem aus der Wirtschaft viel Geld – die SVP verfüge zusätzlich über millionenschwere parteiinterne Spender wie Christoph Blocher. Linke Parteien finanzieren sich hauptsächlich über kleine Spenden von Mitgliedern. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.12.2010, 21:13 Uhr
Kommentar schreiben
91 Kommentare
@Frank Schmid: Meiner Meinung nach hat die SVP so viel Geld für den Wahlkampf, weil sie im Kern vor allem unseren kurzfristigen Raubtierkapitalismus mit all den Risiken und Ungerechtigkeiten nährt (und die Profiteure tief in den Geldbeutel greifen). Auf Wählerfang geht sie aber mit Angstthemen der Bevölkerung, welche sie selber schürt. Marketingtechnisch clever, moralisch verantwortungslos! Antworten
Meine Einstellung ist klar und kann nicht gekauft oder manipuliert werden! Leute oder Parteien, welche ihre Idee mittels Geld durchzusetzen versuchen, sind wirklich verachtenswert und gehören nicht in die Politik. Bedauernswerter sind jedoch Wähler, welche sich kaufen oder manipulieren lassen. Uebermässig geldgesteuerte Parteien müssen dezimiert und gemiden werden! "Neutralität lässt grüssen". Antworten
Schweiz
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






