Der SBB-Chef pocht auf höhere Billettpreise

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 20.11.2009

Die SBB-Infrastruktur verschlingt immer mehr Geld. Höhere Billettpreise seien deshalb unausweichlich, sagt CEO Andreas Meyer.

SBB-Chef Andreas Meyer

SBB-Chef Andreas Meyer
Bild: Keystone

Die SBB transportiert Jahr für Jahr immer mehr Personen. Aktuell zählt das Unternehmen rund 3 Millionen Bahnkunden. 2400 Züge rattern täglich durch die Schweiz. Das bedingt einerseits einen stetigen Ausbau des Schienennetzes. Andererseits muss die SBB die bestehende Infrastruktur erhalten. «Hier haben wir Nachholbedarf», sagte CEO Andreas Meyer gestern am Züpfe-Zmorge der Langenthaler Bauausrüsterfirma Ammann. Bereits sind 15 Prozent aller Störungen im Netz auf die veraltete Infrastruktur zurückzuführen.

«Mobility Pricing ist okay»

Doch der «Nachholbedarf» kostet. Heute verschlingen Betrieb und Unterhalt der Infrastruktur jährlich 1,6 Milliarden Franken. Bereits für 2011 und 2012 rechnet Meyer mit knapp 2 Milliarden pro Jahr. «Die Situation ist düster», sagte Meyer. Und er forderte mehr Geld vom Bund. «Die Finanz- stimmt nicht mit der Verkehrspolitik überein.»

Mehr Steuergelder reichen allerdings nicht, um die SBB fit zu machen. Gestern sind erste Sparpläne bekannt geworden (siehe Text oben). Auch die Bahnkunden müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Das Zauberwort heisst Mobility Pricing. Die Idee, die Verkehrsminister Moritz Leuenberger vor kurzem lanciert hat, sieht so aus: Pro gefahrenen Bahnkilometer zahlen Kunden eine Zusatzgebühr auf den Billettpreis. Das Geld investiert die SBB in die Infrastruktur.

«Um höhere Preise kommen wir nicht herum», sagte Meyer, «Mobility Pricing ist okay.» Er rechnet «mittel- bis langfristig mit schrittweisen Erhöhungen». Ins Detail gehen wollte er am Rande seines Vortrags aber nicht: «Die Mobility-Pricing-Modelle sind noch nicht scharf gerechnet.»

800 Millionen Verlust

Der Personenverkehr ist allerdings nur die eine Baustelle der SBB. Sorgen bereitet CEO Meyer auch der Güterverkehr: Die Tochterfirma SBB Cargo erzielte in den letzten zehn Jahren einen Verlust von 800 Millionen. Laut Meyer stehen die «Eigenständigkeit mit punktuellen Partnern» sowie der Verkauf einer 49-Prozent-Beteiligung an die französische SNCF oder die Deutsche Bahn zur Debatte. Bis Ende Jahr will der SBB-Verwaltungsrat entscheiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.11.2009, 08:21 Uhr

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