Schweiz

«Der Papst trägt Verantwortung für die Vertuschung»

Der Schweizer Theologe Hans Küng fordert vom Papst ein persönliches Schuldeingeständnis für den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche.

Kritische Worte: Der Schweizer Theologe Hans Küng.

Kritische Worte: Der Schweizer Theologe Hans Küng.
Bild: Keystone

Benedikt XVI. trage als Papst und als langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation die Verantwortung dafür, dass die Kirche solche Fälle jahrzehntelang geheim gehalten habe - zum Schutz ihrer Priester und zum Leidwesen der betroffenen Kinder.

«Die Wahrhaftigkeit würde es verlangen, dass der Mann, der seit Jahrzehnten die Hauptverantwortung für die weltweite Vertuschung hatte, eben Joseph Ratzinger, sein eigenes «mea culpa» (meine Schuld) spricht», schrieb der katholische Tübinger Theologe in einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche Zeitung» vom Mittwoch. «Bei keinem Menschen in der Kirche gingen so viele Missbrauchsfälle über den Schreibtisch wie gerade bei ihm», heisst es dort weiter.

Von den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen habe Ratzinger ohne Zweifel gewusst, heisst es in dem Beitrag. Schliesslich sei er acht Jahre lang Professor in Regensburg gewesen und habe eine sehr enge Verbindung zu seinem Bruder Georg gehabt, der damals Domkapellmeister war.

Missbrauchsfällle unter päpstlicher Geheimhaltung

Als Erzbischof von München und Freising habe er die Verantwortung dafür getragen, dass ein wegen sexuellen Missbrauchs versetzter Priester in der Gemeindearbeit in Oberbayern eingesetzt wurde, wo er sich erneut an Jugendlichen verging. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Ratzinger 2001 dafür gesorgt, dass alle Missbrauchsfälle unter päpstliche Geheimhaltung gestellt wurden.

Küng rief die Bischöfe auf, stärker nach den Ursachen des Missbrauchsskandals in der katholische Kirche zu fragen: «Es besteht ein Unterschied zwischen den individuellen Missbrauchsfällen in Schulen ausserhalb der katholischen Kirche und den systematischen und deshalb oft gehäuften Fällen in einer Institution, in der noch immer eine rigoristisch-verklemmte Sexualmoral herrscht, die im Zölibatsgesetz gipfelt.»

Gegen das Zölibat

Küng fordert seit längerem, das Gebot der Ehelosigkeit für katholische Priester aufzuheben. Weil er das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen bezweifelte, wurde ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Bis zu seiner Emeritierung 1996 blieb Küng Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung Professor an der Universität im süddeutschen Tübingen. Küng ist ausserdem Initiator und Präsident der Stiftung Weltethos. (jak/sda/)

Erstellt: 17.03.2010, 18:33 Uhr