«Der Immobiliensektor ist anfällig für Geldwäscherei»
Interview: Monica Fahmy. Aktualisiert am 29.10.2010 15 Kommentare
Daniel Thelesklaf, Geldwäschereiexperte und Direktor des Basel Instituts on Governance
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In einem 10vor10-Beitrag über explodierende Immobilienpreise am Genfersee sagte ein Wirtschaftsanwalt, dass unter anderem Geldwäsche dahinter stecken kann. Wie beurteilen Sie das?
Wegen zweier Beispiele mit extremen Preisschwankungen würde ich noch nicht auf Geldwäsche schliessen. Grundstücke mit Seeanstoss in Genf und Zürich sind praktisch nie auf dem Markt, so können auch absurde Preissituationen entstehen. Deswegen sollte man trotzdem abklären, woher das Geld kommt. Und da haben wir in der Schweiz das Problem, dass die Immobilienmakler, also diejenigen, die am nächsten am Kunden sind, keine Pflicht haben, die Herkunft des Geldes abzuklären. Und falls Sie Geldwäscherei vermuten, haben sie keine Pflicht, das zu melden. In der Schweiz, als einzigem Land in Europa, unterstehen Immobilienmakler nicht dem Geldwäschereigesetz.
Warum eigentlich nicht?
Die Branche hat sich beim Finanzministerium offenbar erfolgreich dagegen gewehrt.
Beim Immobiliendeal gibt es doch Banktransaktionen. Wird da nicht die Herkunft der Gelder eruiert?
Ich habe schon oft gehört, dass einige Immobiliengeschäfte noch mit Bargeld abgewickelt werden. Und selbst wenn eine Bank in ein Immobiliengeschäft involviert ist, geschieht dies erst in der zweiten oder dritten Etappe des Deals. Ganz selten hat die Bank zu beiden Vertragsparteien Kontakt, das hat nur der Makler. Das Geschäft läuft meistens über ein Notar-Konto, die Bank kann oft gar nicht erkennen, wer der Käufer oder Verkäufer ist. Der Notar hätte eigentlich die Abklärungspflicht, aber er ist meistens auch nicht so nahe beim Kunden. Der, der es am ehesten beurteilen könnte, ist ausgerechnet der, der nicht dem Geldwäschereigesetz unterstellt ist.
Fehlt Maklern das Interesse, die Herkunft des Geldes abzuklären?
Bei den Preisen und den daraus resultierenden Courtagen müsste man erwarten, dass man auch etwas investiert, um den Hintergrund der Gelder abzuklären.
Wie funktioniert eigentlich die Geldwäsche im Immobiliensektor?
Man weiss, dass der Immobiliensektor anfällig ist für Geldwäscherei. In vielen Ländern ist es einer der anfälligsten Sektoren für Geldwäscherei. Dies hat einerseits damit zu tun, dass Barzahlungen nichts Aussergewöhnliches sind. Sobald viel Bargeld fliesst, ist das Risiko, dass Geld gewaschen wird, automatisch höher. Es muss nicht sein, aber Geld stinkt ja nicht. Dann kann man im Immobiliensektor relativ hohe Beträge umsetzen, was Geldwäscher reizt. Es ist zudem schwer einzuschätzen, ob eine Immobilie ihren Preis tatsächlich wert ist. Das ist bei weitem nicht so klar wie bei Gold, wo es einen Marktwert gibt. Der Immobiliensektor ist ein Risiko und genau deshalb sollte man ihn auch besser überwachen können.
Wenn es um die Herkunft von Geldern geht, gibt es Länder, bei denen Makler genauer hinschauen sollten?
Wenn man als Finanzinstitut das Risiko beurteilen muss, macht man eine Matrix. Eines ist die Geschäftsart, da ist Immobilienhandel sicher risikoreicher als der Import und Export von Tannenbäumen. Das zweite ist die Art der Finanztransaktion. Cash ist risikoreicher als eine Banktransaktion, und wenn mehrere Stationen dazwischen geschaltet sind ist das Risiko ebenfalls höher. Das Dritte ist die geografische Herkunft der Gelder. Je höher der Grad an Korruption in einem Land ist, desto mehr muss man unternehmen, um das Geldwäscherisiko zu minimieren.
Ist es denkbar, dass der Immobiliensektor in naher Zukunft doch besser reguliert wird?
Die Schweiz wird wie andere Länder regelmässig überprüft, ob sie die internationalen Standards umsetzt. Beim Länderexamen der Financial Action Taskforce könnte das durchaus aufs Tapet kommen und eine Empfehlung erlassen werden, dass man diese Lücke in der Geldwäschereibekämpfung schliesst. Wie so oft müsste dann die Schweiz wieder auf Druck von aussen reagieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.10.2010, 18:41 Uhr
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15 Kommentare
Aber hallo, wenn einer ein paar Millionen bar bezahlt hat spätestens der, welcher bei der Bank das Geld einzahlt ein Problem. Banken nehmen keine so hohen Geldbeträge ohne Abklärung entgegen. Ich kenne Fälle, in denen einer die Hypozinsen bar bezahlen wollte und das die Bank nicht akzeptiert hat, bis abgeklärt war, woher das Geld stammt. Also so einfach ist es nicht. Antworten
1. Mit der SP-Neidsteuer ändert sich am Immobilienmarkt gar nichts. Die Genfersee-Region ist von ihr bekanntlich nicht betroffen. 2. Die Immobilienblase (an die ich auch glaube) wird nicht von derartigen Luxusobjekten kommen, sondern von "gewöhnlichen" Immobilie,. für die die Banken (Kantonalbanken!) Geld ohne Sicherheiten geben. Ein grosser Unterschied. Antworten
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