Der Flop mit dem Party-Schiff auf dem Bodensee

Das grösste Passagierschiff zwischen Bregenz und Kreuzlingen wurde am 18. September 2008 auf den Namen «Sonnenkönigin» getauft. Königlich war aber nur sein Name.

Schön und elegant, aber nicht erfolgreich: Die «Sonnenkönigin».

Schön und elegant, aber nicht erfolgreich: Die «Sonnenkönigin».
Bild: Keystone

Die «Sonnenkönigin» ist als Schiff für Anlässe konzipiert worden.

Die «Sonnenkönigin» ist als Schiff für Anlässe konzipiert worden. (Bild: Martin Knoepfel)

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Grösstes Schiff auf dem Bodensee

Die «Sonnenkönigin» ist 70 Meter lang und knapp 15 Meter breit. Sie bietet Platz für 1000 Passagiere. Das futuristische Schiff ist damit um einen Drittel grösser als jedes andere bisher auf dem Bodensee verkehrende Schiff. Es hat einen Tiefgang von 2 Metern und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde. (sda)

Die Party auf dem Party-Schiff ist zu Ende – oder beinahe. Das grösste Passagierschiff auf dem Bodensee wurde am 18. September 2008 auf den Namen «Sonnenkönigin» getauft und hätte für exklusive Events gebucht werden sollen. Nur fehlt wegen der Wirtschaftskrise die Nachfrage dafür. Eine massive Reduktion der Tagesmiete von umgerechnet rund 65'000 auf 27'000 Franken brachte nicht viel. Nun soll die «Sonnenkönigin» statt im obersten im mittleren Preissegment positioniert werden, wie das «St. Galler Tagblatt» und die «Vorarlberger Nachrichten» (VN) gestern meldeten.

Zu teuer

Die Schiffsmiete war offenbar auch für prestigeträchtige Grossfirmen zu hoch. «Das Schiff liess sich im ursprünglich angedachten Preissegment nicht verkaufen», bestätigt Werner Netzer, Geschäftsführer der Klaus-Holding Medienberichte. Statt mit Luxus-Events Kunden zu verwöhnen, lag die «Sonnenkönigin» deshalb in den vergangenen Monaten die meiste Zeit ungenutzt im Bregenzer Hafen.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müsse die «Sonnenkönigin» in andere Gewässer geführt werden. Die Marketing-Gesellschaft Sonnenkönigin AG mit Sitz in St. Gallen wurde stillgelegt, den drei Mitarbeitern war auf Ende August gekündigt worden. Vermarktet wird das Schiff neu durch die Firma, die bisher das Catering besorgte. Offenbar war sogar erwogen worden, die «Sonnenkönigin» auf den Zürich- oder den Genfersee zu transportieren, was wohl ihre Zerlegung erfordert hätte. Die VN zitieren den Geschäftsführer der Klaus-Holding mit der Aussage, die «Sonnenkönigin» sei ein Fass ohne Boden gewesen. Nach Informationen der TZ hätte das Schiff 3,5 Millionen Franken Umsatz pro Jahr machen sollen, was etwas mehr als einen grossen Event pro Woche erfordert hätte. Gekostet hat das Schiff rund 20 Millionen.

Das Schiff gehört dem Vorarlberger Tourismus-Unternehmer Walter Klaus. Klaus’ Schweizer Partner in der Schweizerischen Bodenseeschifffahrt AG (SBS) sind nicht an der «Sonnenkönigin» beteiligt, obwohl Klaus ihnen das einst angeboten hatte. Das Eventschiff hat keine eigene Besatzung. Diese stellt die SBS.

Der Amriswiler Unternehmer Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der SBS, findet die «Sonnenkönigin» weiterhin ein faszinierendes Schiff. Es funktioniere technisch. Wahrscheinlich müsse man wie bei einem Luxushotel einen Abschreiber machen, um eine gesunde finanzielle Basis zu schaffen. Vielleicht sei das Schiff auch bei der Markteinführung nicht optimal betreut worden. Prüfenswert wäre, die «Sonnenkönigin» über die SBS zu vermarkten. Es gebe aber keine Gespräche in dieser Richtung.

Keine Konkurrenz für SBS

Firmen-Events der Luxusklasse will die «Sonnenkönigin» in Zukunft nicht mehr anbieten, dafür Erlebnis-Fahrten im mittleren Preissegment. Allerdings wolle man auf keinen Fall die SBS konkurrenzieren, sagt Netzer. Damit würde sich der Besitzer der «Sonnenkönigin» ins eigene Fleisch schneiden. Die Klaus-Holding ist an der SBS zu 40 Prozent beteiligt und betreibt auch die «Vorarlberg Lines». (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 05.09.2009, 22:14 Uhr



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