Der Bärendienst der Tierschützer
Von Christian Liechti. Aktualisiert am 04.08.2011 78 Kommentare
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Die Schafzüchter sind nicht gut auf die Tierschützer aus dem Kanton Graubünden zu sprechen. Der Verein Wildtierschutz Schweiz mit Sitz in Klosters hat die Berner Schafzuchtgenossenschaft Rüschegg angezeigt. Die Schafhalter sollen ihre Tiere vernachlässigt und somit gegen das Tierschutzgesetz verstossen haben. Weil die Genossenschaft ihre gut 400 Schafe ohne Herdenschutz auf die Alp am Stierengrat im Berner Oberland trieb, riss der Wolf hier gemäss Anzeige im Juni und Juli rund 30 Schafe.
Als «völlig falschen Weg» bezeichnet German Schmutz, Präsident des Schweizerischen Schafzuchtverbands, die Anzeige. «Ein solches Vorgehen hat es bisher noch nicht gegeben.» Sein Verband unterstütze den Herdenschutz. Doch: «Die Massnahmen flächendeckend anzuwenden, ist nicht praktikabel.» Mit dem Gang vor den Richter, so Schmutz, erschwerten die Tierschützer künftig den Herdenschutz.
Herdenschutz ist freiwillig
Bis gestern war die Anzeige noch nicht bei den betroffenen Schafzüchtern aus Rüschegg eingetroffen. Doch bereits jetzt geht der Puls von Genossenschaftspräsident Hans Kohler schnell: «Der Wolf hat unsere Schafe gerissen, er ist der Schuldige, nicht wir», sagt er. Zudem schreibe kein Gesetz den Herdenschutz auf der Alp vor.
Auf die Freiwilligkeit der Schafzüchter und nicht auf den Rechtsweg will der zuständige Berner Jagdinspektor Peter Juesy setzen. «Wir müssen mit und nicht gegen die Schafzüchter arbeiten», sagt er. Die Anzeige provoziere und erschwere die Arbeit. Juesy: «Die Tierschützer erweisen dem Herdenschutz und dem Wolf einen Bärendienst.»
Die Anzeige des Wildtierschutzes Schweiz basiert zwar auf dem Tierschutzgesetz, berücksichtigt jedoch die kleinräumigen Strukturen in der Berner Schafzucht nicht. Dem Herdenschutz bereiten vor allem die vielen kleinen Schafalpen, welche teilweise auch in touristisch intensiv genutzten Gebieten liegen, Probleme. Im Kanton Bern werden rund 55'000 Schafe gehalten. Davon verbringen zirka 23'000 Tiere während 100 Tagen den Sommer auf einer der gut 180 Berner Alpen. Zwei Drittel der Sömmerungsherden bestehen aus weniger als 100 Tieren. Nur 5 Prozent der Herden erreichen eine Grösse von über 400 Schafen. Die meisten gehören zu einem Nebenzweig eines Landwirtschaftsbetriebs. Schafhaltung wird also in den meisten Fällen nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen, sondern als Hobby betrieben. Sie muss deshalb nicht zwingend einen Ertrag abwerfen.
Nur grosse Herden werden behirtet, wobei sich die Tätigkeit des Hirten darauf beschränkt, die Schafe zu kontrollieren und versprengte Gruppen zur Herde zurückzutreiben. In der Nacht werden die Tiere in der Regel nicht eingepfercht. Kleinere Herden sind meist unbewacht, sind für den Wolf eine leichte Beute und werden nur periodisch kontrolliert.
Grösse bestimmt den Schutz
Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern hat in ihrer Wolfsstrategie errechnet, wie gross eine Herde sein müsste, damit sie ständig von einem Hirten betreut werden könnte. Um einen Hirten finanzieren zu können wären Herdengrössen von 600 Schafen nötig. Bei dieser Grösse vermögen die Sömmerungsbeiträge einen Hirtenlohn abzudecken. Bei Herden zwischen 330 und 600 Schafen reichen die Sömmerungsbeiträge nicht mehr aus, um einen Hirtenlohn zu bezahlen. Ergänzend können aber Beträge aus den Herdenschutzgeldern beim Bund geltend gemacht werden.
Bei kleineren Herden kommt eine Behirtung nicht mehr in Frage. Hier kann der Einsatz von Herdenschutzhunden geprüft werden. Dabei ist jedoch wichtig, dass die Tiere nicht versprengt weiden und die Herde zusammenbleibt.
Flächendeckend unmöglich
Gemäss dem Berner Jagdinspektor Peter Juesy sollen in den nächsten Jahren noch mehr Alpen mit Hunden geschützt werden. «Die Struktur jeder Alp», sagt Juesy, «muss dafür individuell analysiert werden.» Doch: Ein flächendeckender Schutz sei unmöglich. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.08.2011, 07:35 Uhr
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78 Kommentare
«Der Wolf hat unsere Schafe gerissen, er ist der Schuldige, nicht wir» - der Wolf tut was man ihn tun lässt Herr Kohler!! Wer seine Schafe unbewacht der Natur überlässt, darf sich hinterher nicht darüber beklagen, wenn er nicht mehr alle Schafe hat. Wir leben hier doch nicht auf einem grossen Golfplatz! Antworten
Wenn man den Bauern ihr Hobby lassen will (Schafe ohne Aufsicht auf die Alp schicken), dann muss man erst recht dem Wolf seinen Broterwerb lassen (unbeaufsichtigte Schafe auf der Alp jagen).
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Diese Bauern schaufeln sich ihr eigenes Grab, merken es nicht und jammern noch dazu. Und bitte: Mir zahlt für mein Hobby auch niemand noch Subventionen, schon gar nicht, wenn ich es vom Wolf fressen lasse.
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