Departemente wehren sich gegen Windows Vista

Millionen von Franken hat der Bund bereits in die EinfĂĽhrung von Windows Vista auf 30'000 Computern investiert. Doch nun wollen ganze Departemente auf das umstrittene System verzichten. Der Bund ist in einem Dilemma.

«Brisante Sitzung»

Peter Fischer ist in seiner Funktion als Delegierter des Informatikstrategierates Bund der höchste Informatiker der Verwaltung. Die Frage, wie viele und welche Departemente den Antrag stellen, auf Windows Vista zu verzichten, wollte er nicht beantworten.
Er bestätigte aber, dass das Thema am kommenden Dienstag an der Sitzung des Informatikstrategierates Bund behandelt wird. Seine schriftliche Antwort: «Die Einführung des standardisierten Büroarbeitsplatzes in der ganzen Bundesverwaltung auf Windows Vista ist ein bundesweites Projekt.» Das Programm sei in vollem Gange.

Fischer weiter: «Bei einem solchen Grossprojekt ist es völlig normal, dass man bei geänderten Rahmenbedingungen die Frage prüft, ob Windows 7 eine heute sinnvolle Variante ist.» Die Frage werde an der Sitzung des Informatikrates des Bundes ein Thema sein, so Fischer.

Gemäss Quellen dieser Zeitung wird diese Sitzung in der Bundesverwaltung in verschiedenen Ämtern als «sehr brisant» eingestuft.

Gut gemeint, schlecht gepokert: Vor zwei Jahren hat der Bundesrat beschlossen, 30'000 Arbeitsplätze der Bundesverwaltung zu standardisieren. Beschlossen wurde, dass alle Computer einheitlich auf Windows Vista umgestellt werden. So sollten die Verwaltung effizienter gemacht und jährlich Millionen Franken eingespart werden. Für 42 Millionen Franken hat der Bund deshalb Lizenzen für das Betriebssystem Windows Vista gekauft. Doch das gross angelegte Standardisierungsprojekt des Bundes scheint nun zu scheitern. Während das Verteidigungsdepartement und das Volkswirtschaftsdepartement Windows Vista bereits eingeführt haben, steht beim Aussendepartement fest, dass es das umstrittene Betriebssystem definitiv nicht einführen wird. Das Aussendepartement bestätigt entsprechende Recherchen dieser Zeitung.

Weitere sträuben sich

Damit nicht genug: Am kommenden Dienstag muss der Informatikrat Bund (ISB) Anträge weiterer Departemente behandeln, die nun plötzlich auch auf Windows Vista verzichten wollen. Eines dieser Departemente ist das Departement für Umwelt und Verkehr (Uvek). Departementssprecher Harald Hammel bestätigt, dass das Uvek den Antrag auf Verzicht auf Windows Vista stellt. «Stattdessen möchten wir die Computer im Uvek später direkt auf Windows 7 umstellen», sagt Hammel. Diese Zeitung weiss, dass weitere Departemente denselben Antrag auch gestellt haben. So das Justizdepartement. Dieses wollte dazu nichts sagen.

Der Bund hat sich damit in ein grosses teures Dilemma manövriert. Einerseits genoss Windows Vista nie einen besonders guten Ruf. Zudem ist Vista bereits insofern veraltet, als dass Microsoft vor einigen Wochen mit Windows 7 die nächste Windows-Generation auf den Markt gebracht hat. Andererseits: Wenn nun nicht alle Departemente auf Vista umstellen, geht viel Geld verloren: Denn wenn nicht alle standardmässig auf Windows Vista wechseln, ist es vorbei mit der vom Bundesrat angepeilten Effizienzsteigerung: Laut Peter Fischer, Delegierter des Informatikrates Bund, könnten so jährlich mehrere Millionen Franken verloren gehen. Mehr noch: Weitere Verluste in Millionenhöhe würden entstehen, wenn die Umstellung des Betriebssystems wegen allfälliger Projektänderungen einzelner Departemente länger dauert als geplant.

Arbeit fĂĽr den Papierkorb

Frustrierend für Mitarbeiter des Bundes muss sein, dass die Departemente – wenn schon – nicht früher darauf gepocht haben, auf Windows Vista zu verzichten. Denn gerade in den vergangen Monaten wurden Tausende von Computern und departementsspezifische Programme mit grossem Aufwand auf die Einführung von Windows Vista vorbereitet. Diese Einbindungsarbeiten sind mittlerweile praktisch abgeschlossen.

Insgesamt kosteten die Einbindungsarbeiten für den bevorstehenden Systemwechsel laut dem Informatikstrategierats-Delegierten Fischer 15 Millionen Franken. Wie viele dieser Arbeiten bei einem Direktwechsel auf das neue Betriebssystem wiederholt werden müssen, ist umstritten. Fischer bestätigt, dass Arbeiten wiederholt werden müssten. Laut Fischer würde die Wiederholung zwar einen «deutlich geringeren Aufwand» verursachen. Doch Mehrkosten in Millionenhöhe sind auch hier zu erwarten.

> (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.12.2009, 07:07 Uhr



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