Den Beamten stinkts gewaltig

Von Pascal Schwendener. Aktualisiert am 24.07.2009 6 Kommentare

Seit Anfang Monat gilt in Gastgewerbebetrieben im Kanton Bern ein striktes Rauchverbot. In den Kantinen der Bundesverwaltung wird derweil munter weitergequalmt. Jetzt wehren sich die betroffenen Mitarbeitenden.

Nichtraucher der Swisstopo fordern seit Jahren, dass die Aschenbecher in der Cafeteria endgültig abgeräumt werden:
Bei der Geschäftsleitung finden sie jedoch kein Gehör.

Iris Andermatt

Dicke Luft im Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo) in Wabern: In der Cafeteria sitzen Raucher und Nichtraucher beim Mittagessen im selben Raum Tisch an Tisch. Das stinkt einigen Nichtrauchern gewaltig. «Seit Jahren setzen sich viele von uns für eine rauchfreie Cafeteria ein», sagt ein Angestellter gegenüber dieser Zeitung. «Und mit schöner Regelmässigkeit vertröstet die Direktion uns mit immer neuen Argumenten.» Nachdem am 1.Juli das Rauchen in öffentlich zugänglichen Gebäuden im Kanton Bern verboten worden war, sahen sich die Nichtraucher endlich am Ziel. Doch weit gefehlt. «Juristische Abklärung ergaben, dass die Cafeteria von Swisstopo nicht unter die Verordnung zum Schutz vor Passivrauchen fällt, da das Kriterium der öffentlichen Zugänglichkeit nicht gegeben ist», liess die Geschäftsleitung die 300-köpfige Belegschaft jüngst wissen. Zwar könnte die Geschäftsleitung freiwillig ein Rauchverbot durchsetzen. Doch davon wollen die acht Mitglieder – allesamt Nichtraucher – nichts wissen. «Schliesslich kann man sich in genügendem Abstand zu den Rauchertischen hinsetzen, um sich vor dem Rauch zu schützen», sagt der stellvertretende Direktor Fridolin Wicki. Und ausserdem verfüge der Raum über Fenster zum Lüften.

«Bund hat Vorbildfunktion»

Der Geschäftsleitung der Swisstopo sei die Gesundheitsförderung indes ein wichtiges Anliegen, schreibt die Geschäftsleitung an ihre Mitarbeitenden und rühmt sich der Einführung von «Obst- und Wasserabgabe» an die Mitarbeitenden. Für die Lungenliga ist das allerdings reiner Sarkasmus. Sie fordert von der Bundesverwaltung griffige Massnahmen, um Nichtraucher zu schützen. «Wir erwarten vom Bund, dass er als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion übernimmt und seine Verantwortung wahrnimmt, indem er seine Mitarbeitenden, auch jene in Personalrestaurants, schützt», heisst es in einer Stellungnahme. Und auch das Eidgenössische Personalamt hält fest: «Der Bund ist verpflichtet, die Gesundheit seiner Mitarbeitenden zu schützen. Ein wichtiges Thema ist das Aussprechen von generellen Rauchverboten in Verwaltungsgebäuden.»

Hundert Stellen betroffen

Diesen deutlichen Worten zum Trotz qualmt es in jeder achten Bundeskantine noch immer ohne jeglichen Nichtraucherschutz. Dies zeigt eine Umfrage dieser Zeitung bei den jeweiligen Betreibern der Personalrestaurants. Beim Bundesamt für Gesundheit sieht man dennoch keine Handhabe gegen diesen Missstand: «Das fällt in den Kompetenzbereich der kantonalen Gesetze», heisst es lapidar. Solange das Bundesgesetz über den Schutz von Passivrauchen nicht in Kraft sei (die Verordnung ist noch bis am 4.September in Anhörung und wird voraussichtlich 2010 in Kraft treten), so lange habe man keine Möglichkeiten zu intervenieren.

Bis dahin ist es am Hausherrn, also an der jeweiligen Geschäftsleitung, ob er das Rauchen in der Kantine noch tolerieren will. Wenn er für seine Belegschaft abgetrennte Fumoirs oder kleinere Raucherkabinen wünscht, kann er diese beim Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) beantragen. «Seit Anfang Jahr haben wir fünf derartige Anfragen erhalten», erklärt die BBL-Medienverantwortliche Katja Lunau. «Drei von der Logistikbasis der Armee (LBA), eine vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs), eine vom Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sowie eine erst gestern eingereichte Anfrage vom Eidgenössischen Personalamt (EPA).»

Ab 2010 aber ist es vorbei mit freiwilligem Nichtraucherschutz. Das Bundesgesetz wird dann den Glimmstängel auch aus nicht öffentlich zugänglichen Büros und Personalrestaurants verbannen. BBL-Sprecherin Katja Lunau: «Bei etwas über hundert Büro- und Verwaltungsgebäuden werden Massnahmen notwendig, und wir schätzen die Investitionskosten auf rund fünf Millionen Franken.» Allerdings sind im Investitionsplan keinerlei Gelder für solche Ausbauten budgetiert. Fumoirs dürften darum nur sehr zurückhaltend bewilligt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.07.2009, 07:29 Uhr

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6 Kommentare

Fabian Aeschbacher

24.07.2009, 08:30 Uhr
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Da fühlt sich jeder wieder darin bestätigt, dass es anscheinend nur mit rigorosen Rauchverboten geht. Viele Raucher werden jetzt wohl wieder behaupten, dass dies eben tolerant sei, leben und leben lassen. Nur bringt diese Toleranz vor allem den Rauchern Vorteile, die Nichtraucher müssen sich anpassen. Bleibt zu hoffen, dass solchen Arbeitgeber die fähigen Leute den Rücken kehren. Antworten


Otto von Braackenssieck

24.07.2009, 09:18 Uhr
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Und ist es auch recht. Der Hausherr entscheidet und nicht Leute "Gäste" die anscheinend keine Probleme haben mit"Düftchen wie zB Körpergeruch, Parfumgeruch, Autoabgase oder Fischgestank. Das die Gefahr von dem (von den Nazi's erfundene Ausdruck) "Passivrauchen" auf einer grosse Lüge beruht ist inmittels klar. Antworten



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