Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Das sind die teuersten Patienten

Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 21.07.2009

Diabetiker, Bluter, HIV-Kranke, Drogensüchtige und Alkoholiker, also Chronischkranke kosten im Schnitt 30'000 bis 60'000 Franken pro Jahr. Sparpotential ist vorhanden.

20 Prozent der Patienten verursachen 80 Prozent der Gesundheitskosten: Wo es sich wirklich sparen lässt.

20 Prozent der Patienten verursachen 80 Prozent der Gesundheitskosten: Wo es sich wirklich sparen lässt.
Bild: Keystone

Geniesst die Wärme: Raffael im Camp der Berliner auf Teneriffa.  (Imago)

Geniesst die Wärme: Raffael im Camp der Berliner auf Teneriffa. (Imago)

Artikel zum Thema

Die Praxisgebühr, mit der Gesundheitsminister Pascal Couchepin unnötige Arztbesuche verhindern will, löst hitzige Debatten aus. Aber eigentlich ist der Streitwert minim. Denn Bagatellfälle machen ohnehin nur einen verschwindend kleinen Teil der Gesundheitskosten aus.

Sparanstrengungen bringen dort am meisten, wo die grössten Kosten anfallen. Die Statistik stellt die Proportionen her: 20 Prozent der Versicherten verursachen 80 Prozent der Kosten. Die teuersten 10 Prozent der Patienten verbrauchen 60 Prozent des Geldes in der Grundversicherung.

Welche Krankheiten und Menschen hinter den Zahlen stecken, zeigen Angaben der Helsana-Gruppe – mit 1,9 Millionen Versicherten die grösste Krankenkasse der Schweiz. Hier machen 5 Prozent der Kunden die Hälfte der Kosten aus. Die kostspieligen Versicherten sind einerseits Diabetiker, Bluter, HIV-Kranke, Drogensüchtige und Alkoholiker, also Chronischkranke und Menschen mit mehrfachen Problemen; sie kosten im Schnitt 30'000 bis 60'000 Franken pro Jahr.

Anderseits verursachen die Schwerkranken hohe Kosten: Krebspatienten, Menschen mit Transplantationen oder solche mit psychischen oder neurologischen Leiden; sie brauchen im Schnitt medizinische Leistungen im Wert von über 50'000 Franken pro Jahr.

In jeder Lebensphase teure Fälle

«Das Alter spielt bei den teuren Fällen keine entscheidende Rolle», sagt Helsana-Sprecher Rob Hartmans – es gilt als Faktor unter mehreren. In jedem Lebensabschnitt gibt es eine Gruppe von Patienten mit sehr hohen Kosten.

Aber im Schnitt steigen die Krankheitskosten im Alter. Ab 50 nehmen insbesondere die Medikamentenkosten zu, wie Untersuchungen der Konferenz der kantonalen Ärztegesellschaften zeigen. Auch Spitalaufenthalte werden teurer, denn ab 60 häufen sich Herz-Kreislauf-Probleme.

Im Berner Inselspital kosten Patienten zwischen 60 und 79 im Mittel 18 Prozent mehr als der stationäre Durchschnittsfall. Bei den über 80-Jährigen sinken aber die Kosten fast wieder auf das Durchschnittsniveau – ein Hinweis darauf, dass hier nicht mehr das medizinische Vollprogramm zum Zug kommt.

Bei Behandlungen im Spital ist das Kostensparpotenzial laut Experten gering: Hier werden die Patienten in aller Regel gezielt betreut; Doppelspurigkeiten, unnötige Leistungen oder gar schädliche Therapien kommen selten vor. Ausserhalb des Spitals aber könnte eine besser koordinierte Betreuung von teuren Patienten helfen, die Kosten einzudämmen, sagt Gesundheitsökonom Willy Oggier.

Bei Chronischkranken wie Diabetikern und bei Patienten mit mehrfachen Problemen fällt der grösste Teil der Kosten im ambulanten Bereich an. In vielen Fällen ist entscheidend, ob im richtigen Moment die passenden Medikamente verschrieben werden.

Wie und bei wem man sparen könnte

Heute haben die Krankenkassen finanziell nur begrenzt ein Interesse, mit optimalen Angeboten für Chronischkranke eine gezielte Behandlung sicherzustellen. Für die Kassen lohnt es sich mehr, Jagd nach gesunden Versicherten zu machen, weil sie so im Prämienwettbwerb dank niedrigeren Ausgaben am besten dastehen.

Oggier und andere Experten fordern deshalb, der heutige Risikoausgleich müsse erweitert werden. Der Risikoausgleich ist der Topf, aus dem Kassen mit vielen teuren Patienten Geld erhalten. Hier sehen die Experten den zentralen Hebel für eine wirksame Gesundheitsreform. Denn heute berücksichtigen die Ausgleichszahlungen nur Alter und Geschlecht, ab 2012 auch den Spitalaufenthalt im Vorjahr.

Laut Oggier müsste aber unbedingt auch der Gesundheitszustand einbezogen werden, und zwar in Form des Medikamentenverbrauchs. Nur so hätten die Kassen einen Anreiz, sich für eine bessere Behandlung der Chronischkranken einzusetzen – je wirksamer sie dies tun, desto mehr bleibt ihnen vom Geld aus der Ausgleichskasse.

Konkret könnten sie in Zusammenarbeit mit erfahrenen Ärzten etwa spezielle Angebote für Diabetes-Kranke aufbauen. Letztlich geht es um die Förderung sogenannter Managed-Care-Modelle, also um vernetzte, koordinierte Medizin.

Um die Zusammenarbeit zu verstärken und das medizinische Angebot besser zu steuern, braucht es Oggier zufolge auch neue Formen der Abgeltung – heute werden Ärzte für jede einzelne Leistung bezahlt. Um aber etwa Ärzte in abgelegenen Gebieten finanziell spürbar besserzustellen, wären Pauschalen und zwischen Kassen und Ärzten ausgehandelte Budgets nötig.

Viele Leute werden krank, weil sie ungesund leben oder in einem Umfeld aufwachsen, das wenig sensibilisiert ist für Gesundheitsfragen. Laut Gesundheitsexperten würde es sich lohnen, insbesondere bei gewissen Ausländergruppen und sozialen Unterschichten verstärkt präventiv zu wirken. (Der Bund)

Erstellt: 21.07.2009, 10:23 Uhr

Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!