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Das Volk soll die Macht über die Volksschule übernehmen

Aktualisiert am 23.10.2010

An einem Sonderparteitag hat sich die SVP für mehr demokratische Kontrolle der Bildung ausgesprochen. Die Schule müsse primär Leistungsbereitschaft, Disziplin und Ordnung stärken.

Im 15-Punkte-Katalog verlangt die SVP, dass im Kindergarten Mundart gesprochen werde: Parteipräsident Toni Brunner in Liestal.

Im 15-Punkte-Katalog verlangt die SVP, dass im Kindergarten Mundart gesprochen werde: Parteipräsident Toni Brunner in Liestal.

Stichworte

Die SVP verlangt, die Bildung sei engerer demokratischer Kontrolle zu unterstellen. Als erster Punkt ihres Forderungskataloges seien Qualität und Leistung über Gleichmacherei und Zentralisierung zu stellen.

Den 15-Punkte-Forderungskatalog verabschiedete ein SVP- Sonderparteitag am Samstag in Liestal ohne Gegenstimme. Basis war ein neues 139-seitiges Grundlagenpapier der Parteileitung. Anlass für die Stellungnahme der Partei ist die Vernehmlassung zum Lehrplan 21 der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK).

EDK unter Volkskontrolle

Die SVP wirft der EDK vor, ohne demokratisch gerechtfertigten Auftrag wesentliche Weichen zu stellen. Die EDK müsse darum vom Volk kontrolliert werden. Ihrem Lehrplan 21 fehle der Volksauftrag - auch ein Referendum sei unmöglich. Stattdessen sollten der Unterricht eingeebnet und die Bürokratie ausgebaut werden.

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler konterte indes in der Diskussion, die EDK-Mitglieder seien in ihren Kantonen sehr wohl gewählt. Er erinnerte zudem daran, dass die EDK mit ihrem Lehrplan einen Auftrag erfüllen wolle, den das Volk 2006 mit dem Bildungsartikel an der Urne erteilt habe.

Schwache Schüler separieren

Der SVP-Katalog sieht ferner die Erziehungsverantwortung bei den Eltern; die Volksschule habe auszubilden, nicht nachzuerziehen. Für klare Verantwortlichkeiten brauche es das Klassenlehrer-System. Die Schule müsse Leistungsbereitschaft, Disziplin und Ordnung stärken und primär Lesen, Schreiben und Rechnen lehren.

Gefordert wird weiter, dass im Kindergarten «Mundart» zu sprechen sei. Die Volksschule habe diese und später Schriftsprache in Wort und Schrift zu vermitteln. Wer nicht folgen könne oder störe, müsse ausserhalb der Klasse lernen - integrativer Unterricht sei falsch. Leistung müsse zudem mit Noten gemessen werden.

Die SVP will überdies keine Basisstufe und warnt vor hohen Schulreformkosten für die Gemeinden. Festhalten will sie am dualen Ausbildungssystem und an obligatorischen Aufnahmeprüfungen für Mittelschulen. Der Katalog «beauftragt» schliesslich explizit SVP- Mandatsträger in Gemeinden und Kantonen, die Forderungen «umzusetzen».

Klassenlehrer als starke Leitfiguren

Nationalrat Ulrich Schlüer sagte, die vielen Lehrberufs- Aussteiger belegten, dass die Akademisierung der Lehrerschaft gescheitert sei, zumal sich locker Quereinsteiger fänden. Die SVP sei für eine schweizweite Angleichung der Lernziele, nicht aber für eingeebnete Methoden: Lehrer müssten ihren Unterricht frei gestalten können.

Lehrer sei ein verantwortungsvoller Beruf, kein blosser Job, sagte Schlüer weiter. Schüler müssten geführt werden, bräuchten Motivation und Orientierung. Das brauche Persönlichkeiten, und die müssten voll da sein - nicht in Teilzeit. Das Sabotieren der Autorität sei linke Ideologie. (ske/sda)

Erstellt: 23.10.2010, 15:10 Uhr

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