Das Dilemma der Atomgegner mit den radioaktiven Abfällen
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 27.05.2011 46 Kommentare
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«Zuerst muss man den Wasserhahn abdrehen. Danach müssen aber alle helfen, das Badezimmer zu putzen.» So drückt sich SP-Energieexperte Beat Jans aus. Er meint: Nach einem Atomausstieg kann die Lagerung radioaktiver Abfälle nicht länger aus politischen Gründen bekämpft werden.
Sicherstmöglicher Standort
Jans ist aus ethischen Gründen der Ansicht, Schweizer Atommüll müsse im Inland gelagert werden. Im Kernenergiegesetz heisst es, die Abfälle seien «grundsätzlich» im Inland zu entsorgen. Ein beispielsweise von der Weltgemeinschaft am sicherstmöglichen Standort betriebenes Grosslager ist aus Sicht von Jans nicht realisierbar: «Weltweit müssen etwa 300'000 Tonnen hoch radioaktives Material gelagert werden. Das sprengt alle Kapazitäten.» Zudem seien lange Transportwege zu riskant. Auch die Idee, radioaktiven Abfall ins All zu schiessen, sei zu gefährlich: «Fast täglich müsste eine Rakete starten. Ein einziger Fehlstart hätte verheerende Folgen.»
Bleibt die Lagerung im Inland. Es müsse nun «Tempo aus der Standortsuche genommen werden», fordert Jans. Laut Gesetz darf ein neues AKW erst gebaut werden, wenn der Entsorgungsnachweis erbracht ist. «Deshalb wurde die Endlagersuche forciert. Dieser Druck besteht nicht mehr», sagt Jans. Man habe jetzt genug Zeit, die Endlagerforschung zu intensivieren. «Es geht um Dimensionen von 10'000 Jahren. Da spielen zehn Jahre mehr oder weniger keine Rolle.» Jans fordert, dass in der mit der Entsorgung beauftragten Nagra mehr kritische Wissenschaftler Einsitz nehmen.
Der Bundesrat will bis Ende Jahr festlegen, welche der möglichen sechs Endlagerstandorte im Auswahlverfahren bleiben. Um 2020 will die Regierung dann entscheiden, wo ein Lager für schwach und mittel radioaktive Abfälle und wo eines für hoch radioaktive Abfälle entstehen soll. Über diesen Entscheid befindet das Parlament und im Fall eines Referendums das Volk auf nationaler Ebene. Die Bevölkerung vor Ort hat keine Einsprachemöglichkeit.
Mehr Transparenz gefordert
Jean-Jacques Fasnacht, der gegen ein Endlager im Zürcher Weinland kämpft, fordert nach dem Bundesratsentscheid ebenfalls mehr Zeit für die Endlagersuche: «Mit einem Standortentscheid wollte man die Akzeptanz eines neuen AKW erhöhen. Das ist jetzt hinfällig.» Gleichzeitig bezeichnet er den Umgang mit den vorhandenen Abfällen als «Riesendilemma». Fasnacht fordert, dass die Standortsuche transparenter und der Zeithorizont ausgeweitet werde. Auch schliesst er eine Lagerung im Ausland nicht aus: «Bei solchen Zeitdimensionen muss man nicht zwingend innerhalb der bestehenden Landesgrenzen denken.»
Im Dilemma stecken auch die Grünen. Laut Parteichef Ueli Leuenberger unterstützen sie zwar nach wie vor den Widerstand gegen alle sechs möglichen Endlagerstandorte. Anderseits seien die Grünen der Ansicht, die Abfälle müssten nach einem Atomausstieg im Inland entsorgt werden. «Wir werden diese Debatte führen – doch erst, wenn der Atomausstieg tatsächlich Realität geworden ist», sagt Leuenberger.
Auch Sabine von Stockar von der Schweizerischen Energie-Stiftung favorisiert eine inländische Lösung. Sie fordert aber, die von den AKW-Betreibern finanzierte Nagra müsse unabhängiger werden: «Zu viele Fragen sind noch offen, etwa zur Rückholbarkeit der Abfälle und zur Berücksichtigung technischer Fortschritte, wenn ein Lager mal in Betrieb ist.» Laut von Stockar braucht es nun einen unabhängigen Thinktank, der in Konkurrenz zur Nagra alternative Endlagerkonzepte entwickelt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.05.2011, 22:29 Uhr
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46 Kommentare
Das wird nicht das einzige Dilemma der Atomgegner bleiben. Sondern Energieknappheit, Abhängigkeit vom Ausland, und schliesslich, nicht heute, aber morgen, das Volk, das nicht in Mittelalter zurück will, bei Kerzenschein und Holzherd. Antworten
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