Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Dank der Bäuerin stimmt die Hofkasse

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 17.11.2011 1 Kommentar

Manch eine Bauernfamilie kommt finanziell nur über die Runden, weil die Bäuerin ausserhalb der Landwirtschaft zusätzliches Geld verdient. Dass das im Agrarbericht des Bundes nicht deutlich wird, stört den Bäuerinnenverband.

Fleissige Landfrauen: Oft ist es  ihren Nebenjobs  zu verdanken, dass ein Bauernhof einigermassen rentiert.

Fleissige Landfrauen: Oft ist es ihren Nebenjobs zu verdanken, dass ein Bauernhof einigermassen rentiert.
Bild: Urs Baumann

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Durchschnittlich haben die Schweizer Bauernhaushalte letztes Jahr ein Gesamteinkommen von 81'500 Franken erzielt. Davon gaben die Familien für den privaten Verbrauch 71'400 Franken aus. Es blieb also für spätere Investitionen etwas übrig. Alles in Butter, könnte man meinen. Doch der Durchschnittsbetrieb konnte weder in der Tal-, noch der Hügel- oder der Bergregion seinen Privatverbrauch allein mit dem in der Landwirtschaft verdienten Geld decken. Die Haushalte kamen finanziell nur über die Runden, weil entweder der Bauer oder die Bäuerin in einem andern Beruf zusätzliches Geld verdienten. «Mit durchschnittlichen ausserlandwirtschaftlichen Einkommen von 24'800 bis 26'300 Franken hatten die Bauernfamilien eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle», schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im Agrarbericht 2011.

Falsches Bild?

Doch was hat das Geld, das jemand zum Beispiel als Lehrerin oder Lastwagenchauffeur verdient hat, im Agrarbericht zu suchen? Das fragte sich vor einem Jahr auch der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband. Er reagierte scharf auf den Agrarbericht 2010 und schrieb: «In keinem andern Beruf würde es sich der Arbeitgeber erlauben, dem Einkommen seines Angestellten noch dasjenige seiner Ehefrau beizufügen, um zu beweisen, dass alles gut gehe.» Werner Harder, Fachbereichsleiter Ökonomie und Soziales im BLW, erklärt: «Wir wollen im Agrarbericht umfassend über das Einkommen eines Bauernhaushalts informieren.» Nur so werde verständlich, weshalb jemand trotz tiefem landwirtschaftlichen Einkommen die Landwirtschaft nicht aufgebe.

«Quersubventionierung»

Verbandspräsidentin Christine Bühler stört sich auch beim aktuellen Bericht daran, dass er nicht transparent macht, wer genau das ausserlandwirtschaftliche Einkommen erzielt. In der Schweiz seien es zu 70 Prozent die Frauen, die ausserhalb der Betriebe zusätzliches Geld verdienten. Es sei nicht möglich, dies im Bericht aufzuschlüsseln, weil dem BLW die nötigen Angaben fehlten, erklärt Harder.

Agrotourismus zählt nicht

Auch mit ihrem Engagement in der Paralandwirtschaft fühlen sich die Bäuerinnen vom BLW schlecht unterstützt. Mit Angeboten wie etwa «Schlafen im Stroh», Direktvermarktung oder der Betreuung Behinderter oder Betagter auf dem Bauernhof leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Betriebe. Doch wenn das BLW die sogenannten Standardarbeitskräfte (SAK) berechnet, zählen all diese Arbeiten nichts. Die SAK bestimmen aber, ob ein Betrieb gross genug ist, um als landwirtschaftliches Gewerbe zu gelten. Wer unter die Mindestgrenze fällt, erhält keine Direktzahlungen und Investitionshilfen mehr.

Aufgrund der technischen Fortschritte schlägt das BLW in der Agrarpolitik 2014–2017 vor, die SAK-Grenze leicht anzuheben. Das heisst: Ein Betrieb muss künftig mehr Arbeitsaufwand aufweisen, um die Limite zu erreichen. Weil aber nicht jeder mehr Tiere halten oder grössere Flächen bewirtschaften kann, kämpfen die Landfrauen dafür, dass auch Paralandwirtschaft in der SAK-Berechnung berücksichtigt wird. Doch auch mit dieser Forderung beissen die Bäuerinnen beim BLW auf Granit.

Laut Harder sei es kaum möglich, für die vielen Formen der paralandwirtschaftlichen Tätigkeit einen angemessenen SAK-Faktor festzulegen. Zudem wolle das BLW, dass jeder Betrieb einen minimalen Anteil Kernlandwirtschaft ausweise. Harder sagt: «Es kann kein Ziel sein, dass auf einem Bauernhof plötzlich nur noch Betreuungsdienstleistungen oder Agrotourismus mit einem Streichelzoo angeboten werden.» Er verweist aber auf die Möglichkeiten der Kantone: Diese könnten im Bodenrecht die SAK-Grenze tiefer ansetzen und somit Bauvorhaben zugunsten des Agrotourismus mit Investitionskrediten immer noch unterstützen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.11.2011, 06:55 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

fuchsia berner

18.11.2011, 09:16 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wenn man dazu rechnet, was der Bauer selber produziert und konsumiert, ohne dass er es kaufen muss, wenn Ladenpreise gerechnet werden, wie wir sie bezahlen für Mich, Fürchte, Gemüse, Brot (mehl) Käse, (Abnahmezwang) Rahm Nüsse Schnaps, etc.etc. so kommen nochmals rund 25'000 dazu. Wieviele Bauern wohnen Mietfrei, auch das ist zu rechnen. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!