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«Da verkommt der Moralismus zu Heuchelei»

Aktualisiert am 16.01.2012 203 Kommentare

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger kritisiert die öffentliche Diskussion in der Causa Hildebrand. Nicht Recht und Moral hätten im Zentrum gestanden, sondern einzig Rachsucht.

«Menschen machen Fehler»: Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.

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Bild: Keystone

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Die Chronologie der Affäre Hildebrand

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Der Fall Hildebrand: Wie es dazu kam – und welche Personen darin verwickelt sind.

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Wer in der Öffentlichkeit stehe, gerate mitunter in eine eigentliche Inquisition, kommentiert Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger die Cause Hildebrand gegenüber der «Aargauer Zeitung» (Artikel online nicht verfügbar). Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass es fast nicht mehr ohne Zorn und Eifer möglich sei, darüber zu diskutieren, was öffentliche Exponenten dürfen und was nicht.

Der Fall um den zurückgetretenen Chef der Schweizerischen Nationalbank habe offengelegt, dass an Menschen im Rampenlicht ungleich höhere Anforderungen gestellt werden als an andere, so Leuenberger weiter. Er habe den starken Eindruck, dass es bei der Diskussion um Philipp Hildebrand gar nicht wirklich um Recht und Moral ging, sondern allein um Rachsucht und Kopfjägerei: «Da verkommt der Moralismus mitunter zu Heuchelei.»

Fehler sind menschlich

Dass Hildebrand daran festhält, dass kein Recht verletzt wurde, ist für den Alt-Bundesrat nicht von Bedeutung: «Selbst wenn Recht verletzt wird, muss nicht immer gleich rigoros durchgegriffen werden, mit Rücktritt usw. Eine Ermahnung könnte genügen.» Dies wäre auch im Fall Hildebrand denkbar gewesen.

Er selber habe als Bundesrat einmal keinen Fünfziger in die Parksäule eingeworfen. Dies sei auch rechtswidrig gewesen. Es habe damals ein riesiges öffentliches «Juhee» gegeben und schnell hätten die ersten seinen Rücktritt gefordert. Die Menschen würden viel zu schnell vergessen, dass Fehler nun einmal passieren: «Wer Fehler nicht will, will die Menschen nicht.»

«Wie wäre ich da vorgegangen?»

Was den aktuellen Fall der Nationalbank betrifft, will Moritz Leuenberger aber nicht die Rolle des «Besserwissers» spielen. Die Erschütterungen um die SNB seien tatsächlich der erste Fall gewesen, den er vollkommen von aussen beobachten konnte, meint Leuenberger gegenüber der AZ. «Natürlich dachte ich oft: Wie wäre ich da vorgegangen?» Doch es liege ihm fern, zu belehren, was man hätte besser machen können. (kpn)

Erstellt: 16.01.2012, 10:29 Uhr

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203 Kommentare

Lucien Michel

16.01.2012, 10:55 Uhr
Melden 240 Empfehlung

Wir hören immer «Moral» «Moral» von Kreisen, die keinerlei moralische Bedenken haben, wenn es darum geht, Gegner aufzubauen, herbei zu reden, fertig zu machen, mit Lügen, Datendiebstahl, falschen Behauptungen, gruusigen Plakaten, Schwindeleien - alles nur um das Macht- und Besitzstreben, die Rachsucht und Besserwisserei eines einzigen Mannes und eines kleinen Kreises von Vasallen zu befriedigen. Antworten


Roger Walser

16.01.2012, 10:58 Uhr
Melden 226 Empfehlung

Wo war eigentlich die Moral von Nationalrat Blocher als er absichtlich für seine Kollegin mit abstimmte? Das war nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch ganz klar illegal. Antworten



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