Alpensymposium Interlaken

Carla Del Ponte über Milosevic

Alpensymposium Interlaken«Die internationale Justiz ist erfolgreich», meint Carla Del Ponte am Alpensymposium in Interlaken. Aber ohne politischen Willen läuft nichts.

Carla del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, am Alpensymposium in  Interlaken.

Carla del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, am Alpensymposium in Interlaken. Bild: Keystone

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Streng, verbissen, kühl, unerschrocken, eisern – so stellt man sich die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag vor. Doch Carla Del Ponte präsentierte sich am Mittwoch als joviale, witzige, charmante, offene, selbstironische Frau. Sie war Gast am Alpensymposium in Interlaken. Im Nachhinein müsste man sie als Stargast bezeichnen, was sich aufgrund der Standing Ovations manifestierte. Ihr Buch war kurz nach ihrem Auftritt ausverkauft.

Schimpftiraden

Die Tessinerin erzählte von ihren Begegnungen mit Slobodan Milosevic. Der ehemalige Präsident Serbiens habe mit ihr beim ersten Rencontre in Den Haag nur geschimpft. Auch ein Mafiaboss in Palermo hätte sie beim ersten Kontakt nur gescholten, sich danach aber immerhin entschuldigt. Sie habe mit Gott gehadert, dass Milosevic nicht verurteilt werden konnte und «wie ein Engel im Bett gestorben ist».

Nie hätte sie sich träumen lassen, Chefanklägerin zu werden. Man habe ihr gesagt, Chancen hätte sei keine. Aber es sei immer gut, wenn sich die Schweiz bewerbe. Dann erhielt sie einen Anruf, Kofi Annan wolle sie sprechen. «Das geht nicht. Ich bin in den Ferien», scherzte sie damals.

«Die internationale Justiz ist erfolgreich», meint Del Ponte. Der Sicherheitsrat habe der Errichtung des Tribunals nur deshalb zugestimmt, weil er nicht an dessen Erfolg glaubte. 300 mutmassliche Kriegsverbrecher eruierte der Strafgerichtshof. Davon wollte der Sicherheitsrat der UNO nichts wissen und stutzte die Liste auf 160 Personen zusammen – aus Kostengründen.

Im Konflikt in Syrien wird die internationale Justiz nach Del Pontes Einschätzung nichts ausrichten können. Ohne Haftbefehle sei man chancenlos. «Die Russen blockieren. Es fehlt am politischen Willen.» Auch bei der Verfolgung der Kriegsverbrecher aus Ex-Jugoslawien sei der Erfolg der internationalen Justiz nur dank politischem Druck zustande kommen.

Dafür klapperte Del Ponte die Hauptstädte ab – und das nicht ohne Lust. «Ah, dieser Handkuss von Präsident Chirac.» Als dann der französische Präsident das Telefon in die Hand nahm und die Verhaftung von Kriegsverbrechern anordnete, sei das so eindrücklich gewesen, dass sie glaubte, sofort nach Den Haag zurückkehren zu müssen. Die Verbrecher könnten schon angekommen sein. «Chirac? Ein wahrer Staatsmann».

Gerne hätte man der früheren Staatsanwältin, Bundesanwältin, Botschafterin in Argentinien und eben Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs noch länger zugehört. «Herr 10-vor-10, habe ich noch Zeit? Entschuldigung. Ich habe Ihren Namen vergessen.» Herzhaftes Lachen. Dann eben Standing Ovations. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.01.2015, 09:12 Uhr

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