Calmy-Rey piesackt Kolumbien

Die Schweiz lehnt zwei Kandidaten für den kolumbianischen Botschafterposten in Bern ab.

Das Verhältnis zwischen der Schweiz und Kolumbien bleibt getrübt. Noch immer ermittelt die kolumbianische Staatsanwaltschaft gegen den früheren Schweizer Vermittler Jean-Pierre Gontard. Dieser hatte in Kolumbien im Auftrag des Aussendepartements (EDA) und mit dem Einverständnis der kolumbianischen Regierung während elf Jahren als Kontaktmann zu den Rebellen gewirkt, bis ihn Bogotá brüsk auslud und ihm vorwarf, mit den Guerilleros unter einer Decke zu stecken. Und offenbar sieht Kolumbien immer noch keinen Grund, das Verhältnis zur Schweiz zu entspannen: Als neuen Botschafter wollte Bogotá just jenen Mann nach Bern schicken, der die Untersuchung gegen Gontard eröffnet hatte. Wie zuverlässige Quellen berichten, hat aber das EDA den Mann nicht akzeptiert und ihm das sogenannte Agrément verweigert.

Zweimal hart zu Kolumbien

Die Schweiz setzt damit ein politisches Zeichen gegen einen Vertreter der in ihren Augen politisch gesteuerten Justiz Kolumbiens. Bern zeigt sich damit gegenüber Kolumbien innert weniger Monate gleich zweimal hintereinander hart. Zuvor hatte der südamerikanische Staat eine Frau als Botschafterin vorgeschlagen – doch auch bei ihr winkte das EDA ab. In diesem Fall dürften aber nicht politische Überlegungen den Ausschlag gegeben haben – die Kandidatin weckte in Bern aus anderen Gründen Zweifel. Offenbar hat sich das EDA nicht getäuscht: Denn statt als Botschafterin in Bern sitzt die Frau inzwischen wegen einer Korruptionsaffäre in Bogotá im Gefängnis.

Durchgekommen ist Kolumbien erst im dritten Anlauf: Vor wenigen Tagen hat das EDA einen neuen Botschafter akzeptiert, dessen Name aber noch nicht bekannt gegeben wurde.

Wie weiter im Fall Gontard?

Im Fall Gontard rechnet man in Bern damit, dass die Ermittlungen irgendwann im Sand verlaufen. Die Schweiz leistet in der Angelegenheit Rechtshilfe: Der ehemalige Vermittler mit EDA-Mandat musste bei der Bundesanwaltschaft schon zweimal einen kolumbianischen Fragebogen ausfüllen.

Der heute pensionierte Gontard war in der Zeit seiner beanstandeten Vermittlertätigkeit Vizedirektor des Genfer Instituts für Entwicklungsstudien, das auch Projekte in Kolumbien begleitete und Studenten aus diesem Land hatte. Er entschied sich, nur mit dem Einverständnis der schweizerischen wie der kolumbianischen Regierung tätig zu werden; beides erhielt er. 2008 aber verzichtete Kolumbien generell auf Vermittlerdienste, nachdem es der Armee gelungen war, die jahrelang verschleppte Politikerin Ingrid Betancourt zu befreien. Bis dahin war die Regierung mit Gontards Diensten, die oft zur Freilassung von Geiseln führten, stets einverstanden. Dann aber warf sie ihm plötzlich vor, er habe den Revolutionären Streitkräften (Farc) Lösegeld für entführte Novartis-Mitarbeiter übergeben. Doch zum fraglichen Zeitpunkt war er in Genf, nicht am Ort der Übergabe. Es wird vermutet, dass Kolumbien via das Verfahren gegen Gontard hofft, zu mehr Informationen über die Farc-Zellen in der Schweiz zu kommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2009, 04:00 Uhr

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