Schweiz
Bundesbeamte rebellieren gegen Windows Vista
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 11.02.2010 28 Kommentare
Nun muss sich sogar der Bundesrat mit dem Windows-Vista-Debakel in der Bundesverwaltung befassen. Vor zwei Jahren hatte er beschlossen, die Arbeitsplätze des Bundes zu standardisieren. Die Vorgabe war, alle 30'000 Computer einheitlich auf dieses Betriebssystem umzurüsten. Die Bundesämter sollten so effizienter gemacht werden, um jährlich Millionen Franken zu sparen. Mittlerweile sind zwar die meisten Computer für Windows Vista vorbereitet. Der Aufwand dafür war gross. Installiert sind die Programme aber erst in wenigen Bundesämtern.
Weil die Informatiker mit dem Projekt Vista zeitlich dermassen im Verzug sind, beantragen vier Departemente dem Bundesrat jetzt offiziell, die Vista-Übung abzubrechen. Nadia Batzig, Sprecherin des Finanzdepartements, bestätigt Recherchen dieser Zeitung. Der Bundesrat wird laut Batzig noch im Februar über den Antrag entscheiden.
Antrag: Übung abbrechen
Den rebellischen Antrag stellen das Justiz- und Polizeidepartement, das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, das Departement des Innern und das Finanzdepartement. Sie unterhalten zusammen 18'000 Computerarbeitsplätze. Die Departemente begründen ihren Antrag so: Weil mit Windows 7 bereits ein neueres Betriebssystem auf dem Markt sei, mache es keinen Sinn mehr, das überholte Windows Vista zu installieren.
Dieser Forderung ist laut Insidern ein halbjähriger Zank vorausgegangen. Mehrere Departemente warfen dem Bundesamt für Informatik BIT vor, es verschleppe die Umrüstung auf Windows Vista. Stimmen aus der Bundesinformatik kontern aber: Viele Bundesämter hätten die Einführung des neuen Betriebssystems vorsätzlich behindert und damit verzögert, weil sie von Anfang an kein Interesse an standardisierten Arbeitsplätzen mit Vista gehabt hätten.
Ein hochrangiger Informatiker sagt: Viele Verwaltungsangestellte scherten sich nicht um die Kosten, die sie mit ihren – durch «Trötzeleien» ausgelösten – Verzögerungen verursachen. Es gehe um Millionenbeträge. Komme hinzu, dass in der Verwaltung zu viele Leute die Entscheidbefugnis besässen, solche Projekte zu blockieren.
Mehr Geld muss her
Dass die verkorkste Übung Vista den Bund teuer zu stehen kommt, lassen auch die spärlichen Auskünfte von Finanzdepartementssprecherin Batzig vermuten: Für den Direktumstieg auf Windows 7 entstünden Mehraufwände, teilt die Sprecherin mit. Deshalb müsse dem Bundesrat eine durch die Windows-7-Variante «verursachte Erhöhung des Verpflichtungskredites» von heute 43,5 Millionen Franken beantragt werden. Wie hoch die Mehrkosten wirklich sein werden, könne sie erst nach dem Bundesratsentscheid bekannt machen.
Das 3-Versionen-Jekami
Die Mehrkosten sind nicht das einzige Problem: Das Ziel des effizienten, weil standardisierten Arbeitsplatzes rückt mit dem Abbruch des Projekts in weite Ferne. Die einheitliche Aufrüstung auf Windows 7 wird weit mehr als ein Jahr dauern.
So lange laufen nun statt eines gar drei Betriebssysteme in der Bundesverwaltung. Einzelne Bundesämter sowie das gesamte Volkswirtschaftsdepartement haben in den letzten Monaten auf Vista gewechselt. Viele Ämter arbeiten heute noch auf dem alten Windows XP. Und bald werden aller Voraussicht nach erste Verwaltungseinheiten auf Windows 7 umgestellt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.02.2010, 14:32 Uhr
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28 KOMMENTARE
Die Revision der Inormatik in der Bundesverwaltung im Projekt NOVE-IT hat unter der Devise des Skaleneffektes gestanden. Die strategischen Organe haben damals fest daran geglaubt, das grösser auch besser sei! Unterdessen ist nun deutlich sichtbar geworden, dass die Trägheit der Planung und Realisierung von Informatiklösungen die Halbwertszeit der Nutzung bei weiten übersteigt. Die Lösung der heut
Hmm - offentsichtlich braucht es einen kompetenten Berater, der das ganze durchzieht. Ich muss mich wundern - Bern scheint mir aus den Erfahrungen generell etwas langsam und halbwegs blind. Die Kosten, alte Strukturen zu tragen und durchzufüttern, stehen in keinem Verhältnis zur feudalen Situation, Systeme aktueller Entwicklung einzusetzen und die entsprechende Kompetenz zu besitzen.
Man kann nur staunen. Jeder weiss doch, dass Windows 7 der Vista-Ersatz ist, einfach weil Vista nicht das bringt was es sollte. Wie kommen die in Bern dazu, jetzt noch auf Vista umsteigen zu wollen? Dann lieber bei XP bleiben und mal abwarten wie sich Win 7 so entwickelt..
Warum macht es der Bund nicht wie die meisten Firmen? Bei XP bleiben bis Windows 7 1 Jahr auf dem Markt ist. Wer jetzt noch auf Vista umsteigt, dem ist nicht mehr zu helfen. Mit Linux wären wohl viele überfordert, wobei, das würde sie abhalten auf allem rumzufummeln, aber das Hauptproblem ist wohl wie die verschiedenen Verwaltungsapplikationen darauf laufen zu bringen, das gilt wohl auch für MAC
Wieso sollte es ausgerechnet bei der Umstellung auf ein neues Betriebssystem besser laufen, als es sonst beim Bund läuft. Es sind ja nur Steuergelder die da verpuffen, und nicht die eigenen Pründe und Boni die da draufgehen...
Inkompetente Informatik des Bundes! Als System Informatiker kann ich nur staunen. Die ganze Welt weiss das Vista nichts taugt und wartet ab auf das neue WinSeven. Nur beim Bund liest man anscheinend unsere Erfahrungen als System Admin in den Forum nicht! Diese Leute sollten bestraft werden fürs Steuergeld herauswerfen Das WinSeven übrigens ist hervorragend und schon weit Ausgereift.
Schon interessant; während rundherum auf der ganzen IT-Welt alle Vista blockiert haben und nur genau aus diesem Grunde hat MS sehr schnell Windows 7 auf den Markt gebracht, bastelt doch unser Bund an einem irrsinnigen Vista Projekt herum. Das riecht unheimlich nach Inkompetenz und voreilig unterzeichneten IT-Supportverträgen mit ausgezeichneten Beratern. Bravo ! passt zu den Militär IT Problemen
Einmal mehr zeigt sich's, dass in Bundesbern eine Führungskraft fehlt. Müssten die Bundesräte oder die Bundesangestellten sich persönlich an den immensen Kosten beteiligen, die sie mit ihren persönlichen, zumeist egoistischen Ansprüchen generieren, sähe die Situation anders aus. Mit Steuergeldern kann man sich solche Fehlentscheide leisten! Mir fehlt mittlerweile das Vertrauen ans Regierungssystem
Verpflichtungskredit Fr. 43'50'000, für ca. 30'000 Computer = ca. Fr. 1'450 je Computer. Da geht mir die Galle hoch. Ausserdem: Kann mir jemand erklären, wieso ein Beamter unter Vista effektiver arbeiten können soll? Weil's farbiger ist? Weil's langsamer ist? Gerne wüsste ich auch mal, wieviel die gleiche Übung in der Stadt Zürich kostete. Und was es gebracht hat.
Ich hätte da eine Beurteilung der Kompetenzen der Bundesverwaltung. Wer über 5 Monate braucht, um zu einem Schluss zu kommen, ob externe Dienstleister tragbar sind oder nicht, ist für mich, ob als Einzelperson oder sich selbstschützendes Komnglomerat von "Kompetenzen" schlicht inkompetent. Hat der Bund wirklich die Impertinenz von Inkompetenz, einerseits hohe Verfügbarkeit Kompetenz zu fordern?
Warum nur muss eigentlich überall Windows drauf sein? Gibt es denn keine Alternativen?
Der Bund könnte sich ja mal bei seiner "eigenen" Grossbank UBS erkundigen, wie man mehrere 10'000 verteilte Arbeitsplätze effizient standardisiert. Bei allen Fehlern, die das UBS Management gemacht hat, ist in solchen Belangen (wie auch im Internet-Auftritt) die UBS vorbildlich ausgerüstet und betrieben. Als Mitbesitzer könnte der Bund wohl etwas gratis-Beratung von den UBS-Profis bekommen....
Als Windows Vista auf den Markt kam, waren die Testberichte von Anfang an negativ - wieso wurde das Betriebssystem von den Bundesinformatikern nicht auf Herz und Nieren geprüft? Denn dann wären sie sehr wahrscheinlich auf das gleich schlechte Resultat anderer Tester gekommen! Vista ausführlich zu prüfen wäre sicher billiger gewesen. Wenigstens haben die Informatiker nun was zu tun.
Logisch, dass irgendwann das Betriebssystem-Chaos ausbricht. Im Jahrestakt ein neues System mit entsprechenden Office-Programmen welche ca. 95% der Nutzer max. 5 - 10% der vielfältigsten Möglichkeiten der Programme nutzen können, wegen der Komplexität. Eigentlich könnte man locker noch heute mit W95 arbeiten, entsprechend Sicherheitsmässig angepasst. Nur, dann würden tausende Entwickler arbeitslos
Es ist kaum zu glauben. Unsere Beamten bestätigen sämtliche Vorurteile.
Die Verwaltungen sollten sich eh von Windows lösen und komplett auf Web Technologie umsteigen.
Also es gibt keinen wirklichen Grund, ein anderes Betriebssystem als XP zu installierern, ausser man würde neue Hardware beschaffen, dann macht es Sinn, aufs neue Windows 7 zu wechseln. Dabei muss aber geprüft werden, ob auch ältere Anwendersoftware auf der neuen Plattform einwandfrei funktioniert.
Um noch einmal Wasser in die Limmat zu schmeissen oder Eulen nach Athen zu tragen: MAC!!! (Nicht ganz erst gemeint, da die meisten Verwaltungen mit Bill Gates der Mehrheit anhängen). Jammerschade, dass die beiden Systeme noch nicht hundertprozentig kompatibel sind, die Gründe dafür offensichtlich, Windows würde sehr grosse Geschäftsanteile verlieren, Mac müsste auf gewissen Gebieten aufholen.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass beim Bund für die Informatik entweder viel zu wenig Geld zur Verfügung gestellt wird oder aber man keine richtige Profis angeheuert hat. Ich erinnere mich da auch an die Informatikpanne vor einigen Monaten. Das ist schon ein bisschen peinlich. Und wieso man kurz vor der Einführung von Windows7 entschieden hat auf Vista umzusteigen - das ist mir schleierhaft.
Leider macht ein betriebssystem nicht wirklich viel produktiver. Für die Tools, die wirklich einen Unterschied machen und reell Kosten sparen, gibt es glücklicherweise neueste Alternativen zu Microsoft - von Lotus.
"Das Ziel des effizienten, weil standardisierten Arbeitsplatzes rückt mit dem Abbruch des Projekts in weite Ferne." Ist denn sicher, dass eine 100%ige Standardisierung auch wirklich die effizienteste Lösung ist? 30'000 Rechner mit demselben Betriebssystem, das hört sich eher nach Gleichmacherei um jeden Preis an.
In meinem Bundesamt arbeiten wir mit XP und lässt zu wünschen übrig. Privat bin ich auf MAC OS umgestiegen und sehr zufrieden, wäre das nicht auch eine Lösung. So würde wenigstens etwas wieder laufen in der EDV der Bundesverwaltung
Soviel Unfähigkeit in den IT-Abteilungen des Bundes ist unfassbar. Da will man ein noch veraltetes, unsicheres Betriebsystem wie Vista einführen obwohl es einen Nachfolger gibt. Zudem wird anscheinend beim Bund das Rad neu erfunden und Applikationen selbst entwickelt obwohl es standard Programme gibt. Andere wesentlich sicherere Systeme wie Linux oder OSX werden nicht mal in Betracht gezogen.
Ja sind die in Bern bereits bei Windows-Vista angelangt? Dass Vista Mängel hat und dass Windows 7 kommen wird ist doch seit mehr als einem Jahr bereits jedem Kindergärtler bekannt. Aber eben, hier geht es ja nicht ums Portemonnaie der Entscheidungsträger.
Fragt einmal unseren Preisüberwacher. Zur Zeit des Vistakaufs müsste er doch noch Generalmanager Microsoft Schweiz gewesen sein. Hat er Bundesbern beraten? Mir hatte jedenfalls im Interdiscount der Verkäufer zur selben Zeit abgeraten das noch unreife, mit vielen Sicherheitslücken behaftete Vista Betriebssystem zu installieren. Er sagete mir Hände weg davon, oder sie fangen sie nur Probleme ein!
Mit Linux wär das nicht passiert ;) Und billiger wäre es erst recht.
Und solche Leute werden mit unseren Steuergeldern bezahlt. Ein Entscheid ist da, um umgesetzt zu werden oder allenfalls konstruktiv und innerhalb einer kurzen Frist hinterfragt zu werden. Was hier offensichtlich abgeht bestätigt leider die Stammtischmeinungen, aber das haben diese Mobber im Staatsdienst selbst zu verantworten.






