Braucht eine Moschee tasächlich ein Minarett?
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Herkunft der Muslime in der Schweiz
Wozu dient ein Minarett? Das Minarett ist ein erhöhter Teil einer Moschee, vom dem herab der Muezzin die Gläubigen fünfmal täglich zum Gebet ruft und Allah preist. In den meisten Fällen ist ein Minarett ein Turm. Heute tut dies der Muezzin meistens über Lautsprecher, da seine Stimme ansonsten im Verkehrslärm nicht gehört würde – damit erfüllt das Minarett die gleiche Funktion wie ein Kirchturm mit Glocke. Laut dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze von der Universität Bern, gehört das Minarett denn auch «zur Moschee wie der Kirchturm zur Kirche». In der Schweiz ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass Muezzine die Gläubigen vom Minarett aus zum Gebet aufrufen werden, möglich ist vielmehr ein Erinnerungssystem per SMS.
Braucht eine Moschee ein Minarett? Der Koran erwähnt Minarette nirgends. Zu den Anfangszeiten des Islams im 7. Jahrhundert nach Christus stellte man sich für den Gebetsruf auf ein Dach oder auf die Stadtmauer. Erstmals erwähnt werden Minarette gegen Ende des 7. Jahrhunderts. Hisham Maizar, Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (Fids) sagt in der «NZZ am Sonntag», eine Moschee brauche ein Minarett, damit sie als solche erkennbar sei.
Untermauert das Minarett einen Machtanspruch des Islam? In der arabischen Sprache werden drei Begriffe für das Minarett verwendet: «mi'dhana» ist der Ort, von dem aus der Gebetsruf erfolgt. «Manara» wird ein Ort genannt, von dem Licht oder Feuer ausgeht (auch spirituell gemeint); «sawma'a» wiederum bedeutet viereckiger Raum mit Turm. «Von den drei Grundbedeutungen her enthält das Minarett keine aggressive Komponente», sagt Patric Schaerer, Islamwissenschaftler an der Universität Zürich, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Dennoch wurden und werden Minarette – wie auch Kirchtürme – als Machtsymbole eingesetzt. Als die Türken 1453 Konstantinopel einnahmen, errichteten sie auf der Kathedrale Hagia Sophia vier Minarette (Der Baumeister war ursprünglich ein Christ).
Wie viele Moscheen und Minarette gibt es in der Schweiz? In der Schweiz gibt es vier Moscheen mit Minarett: Die Mahmud-Moschee in Zürich (18 Meter hoch), die Genfer Moschee in Petit-Saconnez (22 Meter hoch), sowie eine in Wangen bei Olten (6 Meter hoch) sowie eine in Winterthur (4 Meter hoch). Im bernischen Langenthal und dem st. gallischen Wil sind Minarett-Projekte hängig. «Die vier Moscheen in der Schweiz sind architektonisch gut in ihre städtische Umgebung integriert», schreibt das Westschweizer Magazin «L'Hebdo». Insgesamt gibt es hierzulande 130 islamische Zentren und 50 Vereine.
Wie viele Muslime gibt es in der Schweiz? Das Institut Religioscope sowie der Fids gehen von 400'000 Muslimen in der Schweiz aus, also etwa 5 Prozent der Bevölkerung. Rund 50'000 haben einen Schweizer Pass. In den letzten 30 Jahren hat sich ihr Anteil massiv erhöht, 1970 gaben erst 16'300 Personen an, islamischen Glaubens zu sein. Laut einen Bericht der Eidgenössischen Ausländerkommission ist rund die Hälfte der Muslime zwischen Genf und St. Gallen unter 25 Jahre alt. Die meisten Muslime stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien (56 Prozent), aus der Türkei (20 Prozent) sowie aus Schwarzafrika und Asien (15 Prozent). Der grösste Teil von ihnen – gerade Muslime aus Kosovo und Bosnien – sind jedoch religiös nicht aktiv. Nur 8 bis 14 Prozent gelten als praktizierende Gläubige. (cha)
Erstellt: 21.10.2009, 11:45 Uhr
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