Blocher war schon immer da
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 19.11.2010 35 Kommentare
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15'000 Menschen haben mittlerweile das Unterschriftenformular auf der Website «Rettet-Basel.ch» unterschrieben. Mindestens 600 haben ihr Abo gekündigt und Anti-Blocher-Buttons gekauft. Die Redaktion verlangt die Trennung von Christoph Blocher und spricht Chefredaktor Markus Somm das Misstrauen aus. Es sind einmalige Vorgänge rund um die «Basler Zeitung» (BaZ). Die Empörung ist riesig, aber nicht wegen Blocher.
Seit den Neunzigerjahren bemüht sich dieser, publizistische Organe unter seine Kontrolle zu bringen. So nahm er Einsitz im Verwaltungsrat von Medien Z in Zürich. Der zu Medien Z gehörende Volksmusiksender Radio Eviva übertrug bald die Albisgüetli-Tagung der SVP live. Später interessierte sich Blocher für Schawinskis Belcom AG mit Radio 24 und TeleZüri. Schawinski verkaufte 2001 an Tamedia (die auch den TA verlegt). 2002 stand dann die Jean Frey Verlags AG mit «Beobachter», «Weltwoche» und «Bilanz» zum Verkauf. Der damalige BaZ-Verleger Matthias Hagemann musste verkaufen. Ringier war interessiert, verärgerte Hagemann aber in den Verhandlungen.
Blocher und die «Weltwoche»
BaZ-Anwalt Martin Wagner fädelte einen neuen Deal ein und organisierte den Verkauf an die Swissfirst-Bank von Thomas Matter, dessen Vater jahrelang in den Verwaltungsräten von Blochers Ems-Chemie und Emesta-Holding sass. Swissfirst war indes nur die «Strohbank» für Investoren aus dem rechtsbürgerlichen Lager. Der einzige grosse Name, der bekannt wurde, war derjenige von Tito Tettamanti. Auch Blocher müsse dabei sein, hiess es, als Chefredaktor Roger Köppel das Blatt auf nationalkonservativen Kurs trimmte, SVP-Wahlempfehlungen schrieb und wöchentlich das Ems-Chemie-Kreuzworträtsel erschien. Viele Journalisten versuchten, es Blocher nachzuweisen. Es gelang nie.
Zwischenzeitlich weiteten Blocher und seine Parteikollegen ihre Medienpräsenz aus. Mit Tele Blocher etwa oder dem «Talk» des Zürcher SVP-Exponenten Claudio Zanetti auf StarTV, wo diese Woche die aktuelle Titelgeschichte der «Weltwoche» («Schwarze in der Schweiz») das Thema war.
Vor diesem Hintergrund schürt der Verkauf der BaZ an Tettamanti und Wagner Ängste.
Wieder ein Wagner-Deal
Berechtigte Ängste. Die Konstellation war ähnlich wie beim Verkauf der Jean Frey AG. Die NZZ-Gruppe war als Käuferin gesetzt. Dann ging etwas schief, und Konzernanwalt Wagner tat, was er immer tut: Er organisierte einen Deal. Und wieder war Tettamanti da. Wagner beschwichtigte. Man halte die Zeitung in Basel, damit die Stimme der Region erhalten bleibe. Dann kam mit Markus Somm der Blocher-Biograf und Roger Köppels Stellvertreter bei der «Weltwoche».
Wieder beschwichtigte Wagner. Linke Positionen blieben erhalten, sagte er, Somm garantiere eine Zeitung mit nationaler Ausstrahlung. Man nahm es hin. Dann verlegten Wagner und Tettamanti die BaZ-Holding nach Zug. Alles kein Problem, sagte Wagner. Das operative Geschäft bleibe in Basel, was die Holding in Zug für einen Zweck hat, bleibt aber unklar. Dann wird bekannt, dass Blocher ein Beratungsmandat der BaZ-Eigner hält. Alles nur im industriellen Bereich, nichts verheimlicht, die ganze Geschäftsleitung habe es gewusst, sagte Wagner.
Dumm verkaufte Basler
Wer gelesen hat, dass Blocher die BaZ-Geschäftsleitung zu sich vorladen liess, damit sie Anträge stellen konnte, glaubt nicht, dass seine Position die des einfachen Beraters ist, wie Wagner nicht müde wird zu wiederholen. Die Geschichte der Jean Frey AG mit Tettamanti, Wagner, der «Weltwoche» und den Läckerli-Huus- und Ems-Inseraten zeigt, was wirklich ist: Die BaZ wird eine nationalkonservative Tageszeitung mit schlanken Strukturen, langfristig darauf ausgerichtet, mittels Partnerschaften oder Übernahmen die Reichweite zu erhöhen und meinungsbildend zu wirken. Wahrscheinlich mit einem Mitbesitzer Blocher, vielleicht auch nicht. Das ist für die Wut der Basler nicht entscheidend.
Wie jeder andere darf auch Blocher mit seinem eigenen Geld Zeitungen kaufen und mit dem Inhalt füllen lassen, der ihm beliebt. Das wird gewiss kein politisch aufgeklärter Basler Bürger bestreiten. Aber volle Transparenz über die wahre Besitzerschaft muss sein. Denn wie alle anderen wird auch der aufgeklärteste Basler Bürger sauer, wenn er fortdauernd für dumm verkauft wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.11.2010, 23:46 Uhr
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