Béglé kämpfte bis zum Schluss
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 20.01.2010 29 Kommentare
Das einseitige Schreiben, mit dem Claude Béglé seinen Rücktritt als Post-Präsident mitteilte, spricht eine deutliche Sprache: Mit dem Entscheid tat sich der Romand bis zum Schluss schwer, er spricht von einem «sehr drastischen Schritt, der mir ausserordentlich schwerfällt». Und Béglé ist verletzt: Er schreibt von Diffamierung, einer polemisch geführten Diskussion und unqualifizierten Angriffen auf seine Person.
In den Zeilen steckt viel Enttäuschung drin. Aber auch die Grösse, eine ausführliche Erklärung abzugeben, auch heute an einer Medienkonferenz in Bern. Topmanager nehmen bei einem Rücktritt sonst gerne den Hinterausgang.
Was gab schliesslich den Ausschlag, dass der international erfahrene, in der Schweiz bis zu seiner Wahl aber gänzlich unbekannte Manager schliesslich das Handtuch warf? Er muss realisiert haben, wie isoliert er da stand, wie hoffnungslos seine Lage geworden war.
Medien nicht das Hauptproblem
Hatte es nach dem Auftritt im «Club» des Schweizer Fernsehens und einem Interview in der NZZ zunächst noch so ausgesehen, als ob sich Béglé retten könnte, folgte kurz darauf der nächste Hammer: die Enthüllung der «Bilanz», dass der Post-Präsident neben seinem 50 Prozent-Pensum bei der Post noch eine 75-Prozent-Anstellung bei einem indischen Unternehmen angenommen hatte. Und dass er sich einen Teil des Lohns über eine Firma in einer steuerfreien Zone in Dubai auszahlen liess.
Das sorgte übers Wochenende nochmals für fette Schlagzeilen. Doch für Béglé waren die Medien nur Problem Nummer zwei. Entscheidend war die Stimmung in der Post selbst, wo der umtriebige Béglé nach eigener Aussage «einer starken Fraktion von Beharrern mit Partikularinteressen» gegenüberstand. Viel schlimmer war, dass mit der Zeit auch jene Abstand nahmen, die ihm lange die Stange gehalten hatten.
Er passte schliecht in die «Schönburg»
Hans Werder, der Generalsekretär des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), und Peter Siegenthaler, der Chef der Finanzverwaltung, hatten letzte Woche mit Verwaltungsräten, der Konzernleitung sowie einer Vertretung des Kaders der Post Gespräche zum Fall Béglé geführt. Das Resultat: Praktisch unisono wünschte man sich eine Zukunft ohne den wirbligen Präsidenten. Über diese Gespräche war Uvek-Vorsteher Moritz Leuenberger am Freitagabend informiert worden. Für ihn war es lediglich eine Bestätigung: So kann die Postspitze nicht mehr arbeiten. Doch auch für Béglé war das Resultat der Gespräche nichts Neues: Er wusste, wie schlecht es um seinen Rückhalt stand. Am Freitag hatte sich der Verwaltungsrat der Post nämlich zu einer Sitzung getroffen. Sie hätte der Teambildung dienen sollen. Doch daraus wurde nichts, im Gegenteil: Die Absetzbewegung hatte begonnen, Béglé stand auch hier isoliert da. Dass er in der Konzernleitung und im Kader kaum Freunde hatte, war ihm schon lange klar. Mit seiner forschen, direkt und undiplomatischen Art passte Claude Béglé schlecht in die von Beamten geprägte «Schönburg», den Hauptsitz der Post. Dazu brauchte er keinen offiziellen Bericht.
Spätestens am Freitagabend hätten andere den Rücktritt eingereicht. Nicht aber der kämpferische Claude Béglé, der Tage zuvor in der NZZ zum wiederholten Male gesagt hatte, nie an den Rücktritt zu denken. Mehrere Personen aus seinem Umfeld rieten ihm zwar dazu, aber noch am Montag soll sich Béglé kämpferisch gegeben haben.
Keine Abgangsentschädigung
Die Reaktionen von Béglés Arbeitgeber auf das Rücktrittsschreiben fielen dünn aus: Sowohl bei Bundesrat Leuenbergers Uvek als auch bei der Post hiess es, man nehme davon Kenntnis. Kein Wort des Dankes.
Ganz anders Béglé, der Leuenberger im Rücktrittsschreiben seines besonderen Dankes versicherte: Der Bundesrat sei ihm «stets mit Wohlwollen begegnet und eine wichtige Stütze gewesen». Wenn Leuenberger heute aber bereits einen Nachfolger präsentiert, zeigt das, dass es um die Unterstützung schon länger nicht mehr so gut stand. Der auf Béglé ausgeübte Druck, den Rücktritt einzureichen, dürfte zum Schluss beachtlich gewesen sein. So stark, dass selbst ein Béglé die Waffen strecken musste.
Laut Uvek bekommt Béglé keine Abgangsentschädigung, weil dies für Mitglieder der Verwaltungsräte von Betrieben in Bundesbesitz nicht vorgesehen ist, wie ein Bundesratsbeschluss vom Dezember 2007 festhält. VR-Mitglieder haben juristisch gesehen keinen Vertrag wie ein Konzernchef, sondern ein Mandat, wie ein Parlamentarier.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.01.2010, 13:07 Uhr
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29 Kommentare
Herrn Béglés Leistungen werden natürlich in keinster Weise gewürdigt. Kommt jetzt ein Manager, der einem kleinen CH-Verein vorstehen wird? Die Einseitigkeit der Berichterstattung bringt der Bevölkerung meines Erachtens gar nichts. Fähige Konkurrenten der Post beackern nicht nur das eigene Land. Und dann liest man hier was von 'geschützter Werkstatt' - genau das hatte Béglé nicht vor! Antworten
Ich glaube Sie verwechseln etwas. Es ist die Privatwirtschaft, die Vetternwirtschaft betreibt, Schmiergelder verschiebt, unfähige Manager einen goldenen Fallschirm aushändigt, soz. Verantwortung unter dem Teppich kehrt, die Saläre nach der Laune bestimmt. Und wer dies thematisiert, der wird gemobbt und gefeuert. Antworten
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