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Auch die kleinen Gaskraftwerke haben ein Imageproblem

Aktualisiert am 19.07.2011 4 Kommentare

Wenn die Schweiz dereinst aus der Atomkraft aussteigt, wird sie neue Energiequellen brauchen. Einige Hoffnung setzt der Bundesrat in Wärmekraftkopplungsanlagen. Das sind kleine Gaskraftwerke für den Keller, die neben Strom auch Heizwärme produzieren. Die Nachteile: der hohe Preis und der CO2.

Minigaskraftwerk im Keller: Olivier Schiess, Mitinhaber der L.Klein AG in Biel, ist überzeugt vom Potenzial der Wärmekraftkopplung – trotz erheblicher CO2-Emissionen.

Minigaskraftwerk im Keller: Olivier Schiess, Mitinhaber der L.Klein AG in Biel, ist überzeugt vom Potenzial der Wärmekraftkopplung – trotz erheblicher CO2-Emissionen.
Bild: Enrique Munoz Garcia

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Die Idee wirkt auf den ersten Blick bestechend: Ein kleines Stromkraftwerk produziert einerseits elektrische Energie und nutzt andererseits die dabei entstehende Abwärme für die Produktion von Heizwärme. Der Verbraucher deckt dadurch seine Energiebedürfnisse auf einen Schlag: Er erhält Strom für den Betrieb seiner elektrischen Geräte sowie Wärme für die Heizung und fürs Warmwasser. Genau so funktionieren die sogenannten Wärmekraftkopplungsanlagen (WKK). Sie bestehen aus einem Verbrennungsmotor und einem Generator. Als Ausgangsenergie dient Gas, das im Produktionsprozess verbrannt wird. WKK-Anlagen sind also im Prinzip nichts anderes als kleine Gaskraftwerke.

«Strom auf Knopfdruck»

Als Energieministerin Doris Leuthard Ende Mai den Atomausstieg ankündigte, erwähnte sie auch die WKK-Anlagen. Diese hätten ein grosses Potenzial, weil sie gerade in Kombination mit einer Wärmepumpe eine bessere CO2-Bilanz hätten als andere fossile Kraftwerke. Leuthards Argument: wenn schon Gas, dann lieber die kleineren, dezentralen Wärmekraftkopplungsanlagen, welche im Gegensatz zu den grossen Gaskombikraftwerken die Abwärme konsequent nutzen. Gaskombikraftwerke sind in der Regel abgelegen und stehen oft fernab von Wohnsiedlungen und Industriezonen. Deshalb fehlen die Abnehmer für die Abwärme, weshalb diese meist ungenutzt verpufft. Zudem haben diese grossen Gaswerke wegen der sehr grossen CO2-Emissionen einen schlechten Ruf.

Experten gehen davon aus, dass WKK-Anlagen mittel- bis langfristig einen Anteil von 10 bis 20 Prozent des jährlichen Schweizer Strombedarfs beisteuern könnten. Heute erreichen die kleinen Gaskraftwerke erst 2,5 Prozent. Die Vorteile von WKK-Anlagen liegen für Heinz Eichenberger vom Schweizerischen Verband für Wärmekraftkopplung auf der Hand: «Eine WKK-Anlage liefert jederzeit auf Knopfdruck Strom und Wärme, auch im Winterhalbjahr.» Eichenberger spielt damit auf den Nachteil von Fotovoltaikanlagen an, die wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung nicht konstant Energie produzieren können. Zudem sei der Gesamtwirkungsgrad von Wärmekraftkopplung deutlich höher als jener von Gaskombianlagen. Auch die Grösse sei vorteilhaft: Eine WKK-Anlage gibt es bereits ab Kellergrösse, sodass sie in jedem Einfamilienhaus Platz hat.

Trotz dieser Vorteile kann Eichenberger das eigentliche Dilemma der Wärmekraftkopplung nicht wegreden: In der Zeit der Klimaerwärmung ist es nicht gerade angesagt, Anlagen zu bauen, die grosse Mengen an Treibhausgasen ausstossen. Und genau dies tun auch die an sich sinnvollen WKK-Anlagen. Zwar lässt sich der Verbrauch verringern, etwa wenn die WKK-Anlage mit einer Wärmepumpe kombiniert wird. Dennoch bleiben die CO2-Emissionen erheblich. Eine WKK-Anlage, die das ganze Jahr läuft, stösst ein x-Faches dessen aus, was ein mittelgrosses Auto jährlich an CO2-Emissionen verursacht (siehe Text rechts).

BKW hält an Gaskombi fest

Der Berner Stromkonzern BKW hält wenig von Wärmekraftkopplung. Die BKW hat nach wie vor ein Projekt für ein Gaskombikraftwerk in Utzenstorf in der Schublade und ist von den Vorteilen eines Grosskraftwerks überzeugt. «Je grösser eine Anlage ist, desto tiefer sind die Anlagekosten. Auch sind die Gaslieferverträge vorteilhafter», sagt Martin Paparic, technischer Projektleiter bei der BKW. «Man spricht immer vom fantastischen Wirkungsgrad der Wärmekraftkopplung. Bei genauerem Hinschauen sieht das aber anders aus.» So sei etwa der elektrische Wirkungsgrad, der Aufschluss über die Stromproduktion gibt, bei Gaskombikraftwerken deutlich höher.

Wärmekraft ist teuer

Auch die Kosten dürften mitverantwortlich sein, dass sich Wärmekopplungsanlagen in der Schweiz bisher nicht auf breiter Front durchgesetzt haben: Experten halten WKK für viel zu teuer und sprechen ihnen teilweise gar die Marktreife ab. Eine kleine WKK-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet mindestens 40000 Franken – exklusive Installations- und Betriebskosten.

Ein weiterer Nachteil: Gerade bei grösseren WKK-Anlagen, die als Wärmeverbund funktionieren, müssen für den Wärmetransport oft teure Leitungen zu den einzelnen Häusern gebaut werden. «Da sind Sie nicht nur mit hohen Kosten konfrontiert, durch den Transport geht auch ein Teil der Wärme verloren», sagt WKK-Experte Eichenberger. Deshalb habe er sich auf den Verkauf von Kleinanlagen spezialisiert. «Mit diesen Anlagen könnte man bei grosser Verbreitung problemlos die Jahresproduktion des AKW Mühleberg ersetzen.»

Erstellt: 19.07.2011, 11:56 Uhr

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4 Kommentare

Markus Weber

19.07.2011, 12:05 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Nicht nur das Klimagas CO2 ist bei diesen Anlagen eine Problem, noch viel problematischer ist der NOx-Austoss dieser Anlagen. NOx ist ein Luftschadstoff und eine der wichtigsten Vorläuferkomponenten für die Bildung des bodennahen Ozons. Pro ersetzte KW Heizleistung Öl oder Gas, produzieren diese Anlagen ca. 1/3 höhere NOx-Emissionen. Dabei sollte der Austoss von NOx um ca. 50% reduziert werden. Antworten


Benedikt Jorns

19.07.2011, 14:06 Uhr
Melden

Die weltweit beängstigend zunehmende Abhängigkeit von den fossilen Energiequellen ist eines der grössten Risiken der Menschheit. Falls die "Energiewende" nur mit einer massiven Erhöhung des Gas-Verbrauchs möglich sein sollte, wäre es eine Dummheit, diesen Weg zu gehen. Grafik: bernerschach.ch/IEA.pdf Antworten



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