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«Arena» mit Schönheitsfehler

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 25.08.2011 105 Kommentare

«Filippos Politarena» ist eine Reminiszenz an die SF-Sendung der Neunzigerjahre. Sie hat nur einen Fehler.

1/5 «Morgen wissen wir mehr»: Fulvio Pelli, rechts Moderator Filippo Leutenegger.

   

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Filippo Leutenegger knüpft mit der «Politarena», die am Mittwochabend erstmals auf Sat 1 ausgestrahlt wurde, an seine «Arena» an, die er vor bald 20 Jahren beim Schweizer Fernsehen ins Leben gerufen hat: spartanische Einrichtung, Stehpulte in Form von senkrecht aufgestellten Särgen, dunkler Hintergrund, wenig Licht, keine Farben, volle Konzentration auf den Inhalt. Man fühlt sich in die Neunzigerjahre zurückversetzt.

Auffallend ist, dass sich die Diskussionsteilnehmer zunächst nicht dreinreden und tapfer die Lippen zusammenkneifen, während das Gegenüber spricht. Die Disziplin macht die Voten langatmig, zumal die Frankenstärke, das aktuellste und politisch brisanteste Thema, nicht die beste Gelegenheit für fesselnde Referate liefert. Doch die Regel, einander ausreden zu lassen, wird auch schon nach wenigen Minuten ausser Kraft gesetzt, Christoph Blocher bricht das Eis. Der Ex-Bundesrat und Parlamentskandidat darf in der ersten von sechs Folgen der Sendung «Filippos Politarena» anfangen. Er wird gefragt, warum er – und die SVP – die Nationalbank vorher kritisiert haben und jetzt loben. Die Antwort: Weil sie vorher viel Geld für Euro ausgegeben habe, jetzt hingegen Franken drucke und «jetzt haben wir einen Kriegszustand», nun sei es wichtig, dass die politischen Parteien hinter der Nationalbank stünden. Dass dies vielleicht im vergangenen Sommer schon wichtig gewesen wäre, ist für ihn kein Thema, und auch der Moderator belästigt ihn nicht damit.

Formaler Schönheitsfehler

Filippo Leutenegger und Christoph Blocher ziehen politisch ja auch am gleichen Strick, könnte man hier einwenden. Der Umstand, dass sich Leutenegger im Wahlkampf befindet und mit der Sendung politische Werbung in eigener Sache betreibt, hat im Vorfeld der Sendereihe für Kritik gesorgt. Ob er damit nach Radio- und Fernsehgesetz keine unerlaubte Werbung macht, ist umstritten, auch wenn ihm das Bundesamt für Kommunikation dies attestiert hat. Dieser formale Schönheitsfehler unterscheidet die neue von der alten «Arena». Inhaltlich hingegen hat Leutenegger nicht zu viel versprochen, als er im Juli im Gespräch mit Bernerzeitung.ch/Newsnet sagte, er sei «tatsächlich ziemlich gut darin», seine eigene Meinung als Moderator in den Hintergrund zu stellen. Leutenegger ist zu den Linken nicht auffällig nett und stellt den Bürgerlichen keine Steilpässe in Form von Pseudo-Fragen.

Hildergard Fässler ist als nächste dran. Die St. Galler Nationalrätin erinnert Blocher daran, dass die Nationalbank schon zu Beginn der Eurokrise Unterstützung nötig gehabt hätte und dass es zu den Aufgaben eines Politikers gehöre, vorausschauend zu agieren. Und schliesslich FDP-Präsident Fulvio Pelli, der mit Blocher und Fässler vorne mitdiskutiert: Seinem Eingangsreferat eine Kernaussage zu entnehmen, gestaltet sich auch für den Moderator schwierig. «Morgen wissen wir mehr», sagt Pelli, und es sei immer einfach, im Nachhinein zu kritisieren. Nein, Euro-Anbindung sei nichts, antwortet er auf Nachfrage, und wir seien in einer Situation, die sich ständig verändert. Leutenegger unterbricht seinen Parteikollegen Pelli mit dem Hinweis, das habe «Herr Blocher» schon gesagt.

Deregulieren oder anbinden?

Der ständige Versuch, den Politikern und Parteienvertretern konkrete Lösungsvorschläge abzuringen, ist mühsam. Oft gehen die Redner lieber zu Angriffen über oder kritisieren den Status quo. Trotzdem kommen in der knapp einstündigen Sendung ein paar Vorschläge zusammen: «Deregulieren» lautet das Zauberwort für Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler. Bankenspezialist Hans Geiger (SVP) spielt mit dem Gedanken, notleidende Exportfirmen könnten die Löhne zum Kurs von 1.30 Franken an den Euro anbinden. Darauf gibt sich Unia-Vertreter und SP-Nationalrat Corrado Pardini (BE) «schockiert», äussert sich dann aber nicht näher zu den «Dutzenden von Lösungsvorschlägen», die es stattdessen zur Unterstützung der betroffenen Firmen gebe.

Leutenegger entzieht Pardini genervt das Mikrofon und gibt es Pirmin Bischof. Der Solothurner CVP-Nationalrat kritisiert, dass die Währungsgewinne an den Konsumenten vorbei zu den Importeuren fliessen und fordert vom Bundesrat, für die Umsetzung des Kartellgesetzes zu sorgen oder dieses notfalls zu verschärfen.

«Man muss sich nicht gern haben»

«Eine Fülle von Vorschlägen», fasst Leutenegger lobend zusammen. Gestört wurde die rednerische Idylle durch die Voten der Jungsozialisten, die Blocher stellvertretend für die Arbeitgeber vorwarfen, sich in der Krise durch Kurzarbeit oder andere Notmassnahmen zu bereichern. «Haben wir eine Arbeitslosenversicherung, um Ihr Portemonnaie zu füllen?», fragt Juso-Präsident David Roth, worauf Leutenegger tadelt, man müsse sich in dieser Sendung «nicht gern haben, aber zur Sache reden».

Noch weniger Sachlichkeit verspricht das Thema der nächsten «Politarena». Dann geht es um Zuwanderung und Personenfreizügigkeit. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2011, 06:50 Uhr

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105 Kommentare

Marco Hanhart

25.08.2011, 08:13 Uhr
Melden 122 Empfehlung

Eines muss man Filippo Leutenegger ganz bestimmt lassen, als Moderator hat er einfach ein gewisses Talent und sein Format ist um längen besser, als sämtliches Zeug, welches seit einiger Zeit bei der SRG fabriziert wird. Antworten


Daniel Graf

25.08.2011, 07:59 Uhr
Melden 115 Empfehlung

Die geforderte "Sachlichkeit" wurde im Dienstagsclub auf unserem De Weck-Staatsfernsehen eindrücklich demonstriert, indem nur Personen eingeladen wurden, die mehr oder weniger die gleiche Meinung zum Thema vertreten. Für viele Journalisten und staatlichen Medienschaffenden heute in der Schweiz völlig normale Zustände. Antworten



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