Bei Schwulen nimmt HIV ungebremst zu
2008 wird die Zahl der neu gemeldeten HIV-Diagnosen aber jene des Vorjahres übertreffen, wie das BAG am Montag bekannt gab. Vor allem bei schwulen Männern konnte die Epidemie bisher nicht gestoppt werden.
Bis Ende 2008 wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 766 neue HIV-Infektionen gemeldet. 2007 waren es 768 Fälle. In den kommenden Wochen wird jedoch noch mit 20 bis 30 Nachmeldungen für das Jahr 2008 gerechnet.
Seit Beginn der Erhebungen 1985 sind in der Schweiz 30'920 HIV-positive Tests gemeldet worden, davon 804 in den vergangenen zwölf Monaten. Davon sind 8972 an Aids erkrankt. Von den Personen mit HIV oder Aids sind bisher 6920 gestorben, davon 5777 mit Aidsmeldung, wie das BAG weiter schreibt. Letztes Jahr wurden noch 60 Todesfälle verzeichnet, 1994 waren es vergleichsweise noch 686 Todesfälle gewesen. Der starke Rückgang wird auf die antiretroviralen Medikamente zurückgeführt.
Die Diagnosen mit heterosexueller Übertragung haben auch 2008 leicht abgenommen. Vor allem bei den Schweizerinnen ist der Rückgang deutlich ausgefallen. Bei den Schweizer Männern war dieser Rückgang zwar von 2004 bis 2007 ebenfalls zu beobachten. Im vergangenen Jahr hat die Zahl aber wieder zugenommen. Dafür hat die Zahl der Meldungen von Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika weiter abgenommen.
Anstieg bei Schwulen
Nach wie vor nicht gestoppt ist die Epidemie bei Männern, die mit Männern Sex haben. Seit 2001 nimmt die Zahl der Meldungen über HIV-Diagnosen in dieser Gruppe zu, besonders stark in den Jahren 2002 und 2005 mit Zunahmen von über 35 Prozent bezogen auf das Vorjahr. 2003 wurden 160 Fälle gemeldet, per Ende 2008 waren es 327 Fälle. Damit hat sich die Zahl innert fünf Jahren verdoppelt. Die Hälfte der neu gemeldeten Diagnosen in dieser Gruppe betrifft laut BAG sogenannt «frische» Infektionen, das heisst die betroffene Person hat sich nur wenige Monate vor dem Test infiziert. Der Anteil an frischen Infektionen liegt bei den anderen Übertragungswegen deutlich tiefer.
Nach Jahren der kontinuierlichen Abnahme hatte sich die Zahl der Meldungen bei Drogen injizierenden Menschen im Jahr 2007 bei 60 Fällen stabilisiert. Im vergangenen Jahr hat sich diese Zahl halbiert: Es wurden noch 28 Neudiagnosen gemeldet. Dies wird vom BAG als Erfolg der Fortführung der Harm-Reduction-Programme (saubere Spritzen, Methadon- und Heroinverschreibung, Konsumräume) gewertet. (mbr/ap)
Erstellt: 02.02.2009, 15:39 Uhr
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