88 Leichen liegen noch im See
Von Umberto W. Ferrari. Aktualisiert am 05.08.2010 2 Kommentare
«Wir haben keine Hoffnung mehr, dass der Mann noch lebt», sagte Hanspeter Krüsi, Informationschef der Kantonspolizei St. Gallen, gestern Nachmittag. Während vier Tagen haben die Rettungskräfte nach dem Mann gesucht, der am 1. August aus seiner Motorjacht in den Bodensee gestürzt war und seither vermisst wird. Gestern brach die Polizei die Suche ergebnislos ab.
«Es ist nicht auszuschliessen, dass die Leiche plötzlich irgendwo auftaucht, wo wir schon gesucht haben. Wir haben alles in unserer Macht Stehende unternommen, um den Mann zu finden», sagte Krüsi.
Nie mehr aufgetaucht
Die Leiche des 49-Jährigen wäre nicht die erste, die der Bodensee nicht mehr freigibt. Im See liegen derzeit die Leichen von mindestens 88 Personen, die nicht mehr aufgetaucht sind. Diese Zahl nennt der Pressesprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen, Markus Sauter, auf Anfrage. Darunter befinden sich auch die Leichen der beiden Frauen, die mit der legendären «Cäsium»-Cessna am 24. Januar 1994 in den Bodensee abstürzten. Damals konnten nach langer Suche in einer Tiefe von 160 Metern drei Männer geborgen werden. Von den beiden Frauen und einem Hund fehlte seither jede Spur. Sie tauchten nie mehr auf.
Warum tauchen Leichen auf?
«Eine Leiche steigt dann aus der Tiefe eines Gewässers auf, wenn sich im Körper durch den Fäulnisprozess Gase bilden», sagt Daniel Eisenhart, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin des Kantons St. Gallen. Der Fäulnisprozess wiederum setzt nur ab einer bestimmten Temperatur ein, beziehungsweise läuft bei tiefen Temperaturen verlangsamt ab. Am Mittwoch betrug die Wassertemperatur an der Oberfläche des Bodensees knapp 21 Grad Celsius, auf 10 Metern Tiefe 16 Grad und in 20 Metern Tiefe 10 Grad. «Liegt eine Leiche in 20 Metern oder tiefer, taucht sie in den seltensten Fällen wieder auf», sagt Eisenhart.Verantwortlich dafür sind die tiefen Wassertemperaturen, aber auch der Druck, der in dieser Tiefe rund drei Atmosphären beträgt. Zudem spielt eine Rolle, wie viel Wasser eine ertrunkene Person in ihren Lungen aspirierte. Je mehr, desto schwerer wird das spezifische Gewicht des Körpers – und damit verringert sich der Auftrieb. Eisenhart verwies darauf, dass Personen, die im Brust- oder Bauchbereich verletzt sind, eher nicht mehr auftauchen. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 05.08.2010, 16:40 Uhr
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2 Kommentare
Vorerst natürlich mein Beileid an den Angehörigen und Freunden. Allerdings lässt mich eine Frage nicht in Ruhe. Weshalb wird ausgeschlossen, dass dieser Person nicht vielleicht auch hätte verschwinden wollen. Ich weiss, heikle Frage und ich möchte keinesfalls pietätlos sein, aber reich & konkurs ergäbe durchaus auch ein Motiv "abzutauchen". Antworten
Wieder einmal sollte dringend darauf hingewisen werden, dass bei Gewitter 8Böen) und Sturm die Rettungsweste unverzichtbar ist. Jedes Schiff muss eine ausreichende Zahl davon an Bord haben. Es wäre schon toll gewesen, hätte die nach im Boot anwesende Freundin nicht herumgeschrien, sondern gleich einen Rettungsring oder andere schwimmende Gegenstände (Kissen?) dem Verunfallten nachgeworfen. Antworten
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