Stammkunden bangen um das «Märithüsli»

Seit zehn Jahren floriert das «Märithüsli» an der Tägertschistrasse in Münsingen. Nun will die Gemeinde den Laden weghaben, weil er auf einer Landwirtschaftsparzelle steht. 1300 Personen haben dagegen unterschrieben.

Das «Märithüsli» sichert die Existenz von Simea, Doris, Urs, Lukas und Janik Guggisberg (von links).

Andreas Blatter

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Gestern hat der Landwirt Urs Guggisberg auf der Bauverwaltung Münsingen gut 1300 Einsprachen gegen die Ortsplanungsrevision deponiert. So viele Stammkunden haben gegen die drohende Schliessung des «Märithüsli» an der Tägertschistrasse opponiert. Dieses soll, geht es nach dem Willen der Gemeinde Münsingen, in absehbarer Zeit verschwinden. Das fahrbare Holzgebäude steht auf Landwirtschaftszone und ist ohne Bewilligung aufgestellt worden. «Ich habe die Gemeinde immer über alles informiert, was wir bauten», betont Urs Guggisberg. Es sei ihm auch nicht verwehrt worden, darin Strom und Telefonleitungen zu installieren.

Nicht zonenkonform

Gemäss Auskunft von Bauverwalter Martin Niederberger haben Guggisbergs vor rund zehn Jahren um eine Marktbewilligung ersucht. Diese sei damals verweigert worden, weil sich das «Märithüsli» einerseits in der Landwirtschaftszone, andernteils in einer Landschaftsschutzzone befindet. Der kleine Laden erfordere eine rechtskräftige Baubewilligung und eine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb des Baugebietes, so Niederberger, der betont: «Was im Lauf der Zeit dort entstanden ist, wurde ohne Bewilligung erstellt.» Was mit einem Partyzelt anfing, auf das ein kleines Holzhaus folgte, ist heute ein Verkaufswagen. Die Gemeinde Münsingen habe Urs Guggisberg immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser Zustand illegal sei.

Als die Gemeinde vor einigen Jahren die Revision der Ortsplanung anpackte, habe man Möglichkeiten geprüft, das «Märithüsli» zu legalisieren. «Das ist aber leider unmöglich. Es zeichnet sich ab, dass sich Guggisbergs früher oder später nach einem anderen Standort umsehen müssen», sagt Martin Niederberger. In diesem Sinne habe die Gemeinde den Landwirt auch informiert. Fristen seien bis jetzt aber noch keine gesetzt worden. «Wir waren bis jetzt sehr wohlwollend und helfen bei der Suche nach einem Ersatzstandort.»

Untaugliche Ersatzparzelle

Im Rahmen der Ortsplanungsrevision bestünde die Möglichkeit, die Parzelle, auf der das «Märithüsli» steht, in eine Spezialzone umzuteilen. Das will die Gemeinde Münsingen aber nicht. Sie schrieb an Urs Guggisberg: «Es ist nicht vorgesehen, die betroffene Fläche in der laufenden Ortsplanungsrevision einzuzonen.» Die Gemeinde sei aber gewillt, bei der Suche nach einem Ersatzstandort zu helfen. Bis jetzt habe sich allerdings kein brauchbarer Ersatz gefunden, so der Landwirt, der ebenfalls einen legalen Zustand anstrebt. Er wolle nicht jammern, aber es wurme ihn, dass man ihn nach zehn Jahren einfach forthaben wolle. «Ich denke unternehmerisch, bin innovativ und setze auf kurze Transportwege von frischer, selbst produzierter Ware – und jetzt das!» Jahrelang habe niemand etwas gesagt. «Und nun stören sich die Behörden an einem Zustand, den sie geduldet haben.»

Haupterwerbszweig

Das «Märithüsli» entwickelte sich zum Haupterwerbszweig von Guggisbergs Landwirtschaftsbetrieb. Verkauft werden mehrheitlich Gemüse, Obst, Beeren und Blumen. Das Geschäft läuft gut. «Dafür sind wir dankbar, und auch dafür, dass die Kunden hinter uns stehen», sagt Urs Guggisberg. Der Hof in Tägertschi wäre zu abgelegen um einen Laden einzurichten.

Die Aussicht, das «Hüsli» räumen zu müssen, belastet Doris und Urs Guggisberg. «Ich fürchte um unsere Existenz», sagt er und äussert die Sorge, dass er seinen zwanzig Angestellten keine Arbeit mehr bieten könnte, wenn die Produktion zurückgefahren werden müsste. Das Ehepaar hofft auf eine Lösung und dass die 1300 eingereichten Unterschriften Wirkung zeigen. Aber die Zeit drängt. Bereits hat die Gemeinde angekündigt, dass sie bald eine Frist für die Räumung des Grundstücks setzen werde. Hansueli Strahm von der SVP hat im Münsinger Gemeindeparlament eine Interpellation eingereicht. Eine Antwort des Gemeinderates steht noch aus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2009, 08:01 Uhr

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3 Kommentare

Ruth Schukrun

08.06.2010, 15:51 Uhr
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Wie schade! Sogar aus Muri komme ich nach Wanderungen in der Umgebung immer gerne in das Märithüsli und habe mich stets über die frischen Früchte, das feine Gemüse und die schönen Blumen gefreut. Es wäre ein echter Verlust, wenn dieses Schmuckstück weg müsste! Ich hoffe, die Behörde zeigt Verständnis und den Willen, sich für die betroffene Bauernfamilie und ihre dankbaren Kunden einzusetzen. Antworten


Frank Findeisen

16.09.2009, 22:14 Uhr
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Ich dachte immer die Schweiz lässt Ihre Bauern leben.Die EU lässt grüssen.Für Aldi,Lidel undCo werden ganz andere Flächen umgezont. Antworten


Juerg Brechbuehl

15.09.2009, 22:38 Uhr
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Schlampiges Gemüse vom Coop und pflütterige Erdbeeren vom Migros? Alles Sachen, die tagelang auf Autobahnen durch die Schweiz gekarrt, immer wieder umgestapelt und zwischengekühlt werden, Pfui Teufel! Die Waren von Guggisbergs kann ich problemlos eine oder sogar zwei Wochen im Kühlschrank behalten. Hier geht es nicht um Zonenplanung sondern um Neid auf den Umsatz! Antworten



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