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Bescheidene, bodenständige Sieger

Aktualisiert am 19.09.2009

International erfolgreich und trotzdem ganz Berner geblieben – das Büro Destruct gewinnt den Berner Design Preis 2009.

Stichworte

Das Büro Destruct ist wie der Name selbst: Eine aufgeräumte Zerstörung. Auf den ersten Blick ein Chaos, wird bei genauerem Hinsehen klar, das sind ordentliche Menschen, die da arbeiten. CD-Hüllen sind an einem Ort gestapelt, die Fliegenklatsche hängt am Nagel neben dem Fenster, die Arbeitsfläche vor den Computern ist nicht neu, aber aufgeräumt und sauber.

Es ist ruhig an der Wasserwerkgasse, an der H1Reber, MB, HeiWid und Lopetz arbeiten. Es ist immer ruhig da, und das schätzen die vier Männer. Obwohl die Firma seit Jahren international tätig ist, die Bücher mit ihren Arbeiten in Beirut, Los Angeles und Paris als Inspirationsquelle und Lehrmittel dienen und sie in Galerien von Chile über Kanada, Ecuador, England, Frankreich bis nach Singapur und Japan ausstellen – Bern ist und bleibt Heimat und Basis. «Uns gefällt es in Bern», sagt MB, was für Marc Brunner steht. «Das Lebensgefühl, diese Langsamkeit und Ruhe», ergänzt HeiWid, Heinz Widmer. Wie die Aare, die langsam vorbeizieht.

Hetzen liessen sie sich noch nie. Nun haben sie einen Preis gewonnen. «Das ist natürlich toll», sagt MB. Weil sie noch keine Erfahrungen haben in Sachen Preise, wollen sie erst mal abwarten, was der Design Preis für ihre Arbeit bedeutet.

Mit Flyern angefangen

Seit 15 Jahren arbeiten die Männer als Büro Destruct zusammen. «Eine Zeit lang ist noch einer mitgeschwommen», sagt HeiWid, der gerne in Bildern spricht, «doch der hat nun ein eigenes Boot.» Das Freelancer-Kollektiv entstand aus der Agentur Destruct, gegründet von Lopetz (Lorenz Gianfreda) und HGB Fideljus (Felix Berger). Die Agentur hatte sich der Förderung junger Künstler verschrieben. Die ersten Arbeiten des Büros waren denn auch Flyer und Plakate, die auf die Ausstellungen der jungen Künstler aufmerksam machten. Auch dank der Technowelle, die in dieser Zeit aufkam und dem Stufenbau, der eröffnete, hatte das Büro viel zu tun. Zudem wurden in dieser Zeit Computer und Internet populär. «Wir schafften es, auf der Technowelle und der Computerwelle mitzuschwimmen», sagt HeiWid.

Dank dem Internet konnten sie ihre Arbeiten in die Welt hinaustragen, was zum Teil kuriose Auswüchse annahm. Zum Beispiel mit den Schriften, die das Büro Destruct designt und anfänglich gratis zur Verfügung stellte. «In Paris sah ich auf einem Flohmarkt eine Jacke, die einer unserer Schriftzüge aufgenäht hatte», erzählt MB. Und das nur ein halbes Jahr nachdem sie die Schrift ins Netz gestellt hatten.

Jetzt gehen sie alle gegen die 40 zu. Das ist ein Alter, in dem man die Designs der 60er-Jahre noch erlebt und schätzen gelernt hat. Diese Liebe zum klassischen Design widerspiegelt sich ab und zu in den Arbeiten von Büro Destruct.

Alle vier «ticken gleich»

Die langjährige und enge Zusammenarbeit funktioniert immer noch reibungslos. Nie hat es Knatsch gegeben, beteuern die Preisträger. «Wir ticken einfach gleich», sagt Marc Brunner. Auch in Sachen Stil unterscheiden sich die Grafiker nicht gross. «Nur wer uns kennt, kann sagen, wer welche Arbeiten gemacht hat.» Den Männern fällt es auch schwer, sich gegenseitig zu charakterisieren. Unter den Designs und Grafiken in den Büchern steht nie ein Name, sondern Büro Destruct. Und das ist vielleicht das Erfolgsrezept der langjährigen Zusammenarbeit. «Wir rudern zusammen, schauen aber, dass die Ruder einander nicht in die Quere kommen», drückt es HeiWid aus.

Übrigens: Destruct wird nicht englisch, sondern in altehrwürdigem Schweizerdeutsch ausgesprochen. Bernerisch bescheiden und bodenständig.

Christina Varveris

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Erstellt: 19.09.2009, 00:38 Uhr

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