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Mit Hasler kommt die Ruhe selbst

Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 21.01.2010

Mit Peter Hasler kommt ein Mann an die Spitze der Post, der die hiesigen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge bestens kennt. Er gilt als klar liberal, aber nicht als Ideologe. Internationale Erfahrungen fehlen ihm aber.

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Post-Mitarbeiter wollen Kunz zurück

Parlamentarier begrüssen mehrheitlich, dass Postminister Leuenberger nun rasch und konsequent durchgegriffen hat. «Bei der Wahl Claude Béglés zum Post-Präsidenten hat es Pannen gegeben», kritisiert Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO). Es dürfe nicht sein, dass ein Bundesrat sich bei einer derart sensiblen Wahl derart stark auf ein externes Headhunterbüro verlasse. «Daraus müssen Lehren für künftige Ernennungen gezogen werden», fordert Büttiker. Gleichzeitig gesteht er Postminister Moritz Leuenberger aber zu, die schwierige Situation an der Post-Spitze jetzt gut gemeistert zu haben: «Er hat das Heft nun in die Hand genommen und das Verwaltungsratspräsidium rasch neu besetzt.»

Mit dem Berner CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener findet ein weiterer bürgerlicher Politiker lobende Worte für SP-Bundesrat Leuenberger: «Das schnelle Vorgehen ist in dieser Situation richtig, damit in der Post bald wieder Ruhe einkehren kann.» Wie Büttiker begrüsst auch Hochreutener die Berufung des ehemaligen Arbeitgeberdirektors Peter Hasler an die Spitze des Post-Verwaltungsrats: «Er bringt die für diese Aufgabe notwendige Sensibilität mit.»

Harte Kritik hagelt es aus den Reihen der SVP: Ständerat This Jenny (GL) wirft Leuenberger Unehrlichkeit vor, weil dieser die parlamentarische Fernmeldekommission (KVF) über die bereits am 7. Januar begonnene Suche nach einem Nachfolger Béglés im Unklaren gelassen habe. Und die kurzfristige Ablösung sei eine «Nacht-und- Nebel-Übung» gewesen, monierte SVP-Präsident Toni Brunner. Keiner kenne das Auswahlverfahren, und der Gesamtbundesrat spiele das Spiel von Postminister Moritz Leuenberger auch noch mit.

Nur Lob hält auch der frühere Arbeitgeber von Hasler, der Schweizerische Arbeitgeberverband, bereit. Sein Vorgänger sei gradlinig, berechenbar und höre gut zu, sagte Direktor Thomas Daum.

Post-Konzernleiter Jürg Bucher hofft vor allem, dass der Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrates der Post und ihren Beschäftigten ermöglicht, sich wieder auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren. Auch Parteien und Gewerkschaften loben: Der gestern neu ernannte Verwaltungsratspräsident Peter Hasler sei eine von links bis rechts anerkannte Persönlichkeit.

Bei den Post-Mitarbeitenden war gestern der Wechsel an der Spitze das grosse Thema. Im internen Post-Blog gab es unzählige Einträge. «Wir sind alle froh, dass dies endlich geschieht. Nur schade, dass der Elefant im Porzellanladen nicht vor Michel Kunz gegangen ist», schreibt ein Post-Mitarbeiter. In vielen Einträgen wurde die Rückkehr des früheren Post-Chefs gefordert: «Jetzt muss nur noch Herr Kunz zurückkommen.» ki/nb/sda

Ein Schnelldenker und guter Rhetoriker übernimmt ab sofort die oberste Führung der Post. Mit Peter Hasler steht nun ein ganz anderer Charakter an der Post-Spitze als dies noch beim lebhaften und international erfahrenen Claude Béglé der Fall war.

Hasler ist eine gestandene, ruhige Persönlichkeit, dem die hiesigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und Abläufe durch eine langjährige Tätigkeit beim Schweizerischen Arbeitgeberverband bestens bekannt sind. Internationale Erfahrungen kann Hasler aber nicht vorweisen. Zudem hat Hasler vor seinem Post-Engagement nie für ein Grossunternehmen gearbeitet.

Hohe Sozialkompetenz

Hasler, heute 63 Jahre alt und Doktor der Rechte, ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als Direktor des Arbeitgeberverbandes bekannt, dem er zwischen 1993 und 2006 vorstand. Als Vertreter der Arbeitgeberschaft fiel Hasler in über 20 «Arena»-Sendungen beim Schweizer Fernsehen als guter Rhetoriker auf.

Als Direktor des Arbeitgeberverbandes wurde er vor allem auch von den Gewerkschaften respektiert, weil er immer wieder für die Sozialpartnerschaft in der Schweiz einstand.

Die Fähigkeit, mit den Gewerkschaften umzugehen, wird Hasler auch bei der Post zugutekommen, denn gerade unter den Post-Angestellten ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad sehr hoch. Sobald die Post in der Schweiz ihr Post-Stellennetz weiter verkleinern wird, ist der Widerstand der Gewerkschaften garantiert.

«Er versteht die Grundregeln der Sozialpartnerschaft», sagte Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Dennoch sei Hasler in seiner ehemaligen Funktion für Sozialabbau und Liberalisierung eingestanden. Bei der Post werde er nun gemessen an der Stärkung des Service public und an anständigen Arbeitsbedingungen.

Mehr Fingerspitzengefühl

«Herr Hasler hat alle Voraussetzungen für ein gutes Gelingen», sagt der Berner Headhunter Peter Meister. Im Gegensatz zu Béglé mangle es Hasler nicht an politischem Fingerspitzengefühl. Ein grosses Plus für Hasler sei zudem, dass er wisse, wie mit den vielen Tausenden Post-Mitarbeitenden umzugehen, sagt Meister weiter. Wenn die grosse Post-Belegschaft hinter dem Präsidenten und seiner Strategie stehe, sei dies alleine schon mehr als die halbe Miete, ist Meister überzeugt.

Auch der Reka-Direktor Werner Bernet findet fast nur lobende Worte für Hasler. Bernet kennt den neuen Post-Präsidenten schon seit Jahren und arbeitet mit ihm zusammen bei der Reka, wo Hasler ebenfalls als Präsident amtet. «Ich traue ihm das Amt absolut zu», sagt Bernet. Eine Stärke von Hasler sei, dass er genau wisse, was der Aufgabenbereich des Direktors sei und was die Rolle eines Präsidenten. Zudem verfüge er über ein ausgeprägtes strategisches Denken.

Nebst der Reka präsidiert Hasler auch den Spitalrat des Universitätsspitals Zürich sowie das Versicherungsunternehmen Elips Life in Vaduz. «Falls es nötig sein wird, werde ich von zwei Verwaltungsratsmandaten zurücktreten», versprach Hasler gestern bei seinem ersten Medienauftritt als Post-Präsident.

Reges Interesse

Hasler dankte gestern dem Bundesrat für das entgegengebrachte Vertrauen. «Ich fühle mich geehrt», sagt Hasler. Es handle sich um eine anspruchsvolle Aufgabe, der er sich aber gerne stelle. Oberstes Ziel sei, dass nun so schnell wie möglich bei der Post wieder Ruhe einkehre. Zu seinen Zukunftsplänen will sich der neue Präsident erst an der Bilanz-Pressekonferenz vom 24.März äussern.

Offenbar ist das Amt des Post-Präsidenten beliebt. Bundesrat Moritz Leuenberger sagte gestern, dass sich in den letzten Tagen täglich zwölf Kandidaten als Nachfolger von Béglé ins Spiel bringen wollten. Zudem hätten sich unzählige Headhunter und Mediatoren gemeldet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.01.2010, 09:48 Uhr

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