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«Das ist Rassismus in seiner reinsten Form»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 30.11.2009

Für viele Schweizer Muslime ist das Abstimmungsresultat ein Schlag ins Gesicht. Der Arzt und Ex-Mister Schweiz Adel Abdel-Latif erkennt Rassismus im umstrittenen Volksentscheid. Und sieht das Image der Schweiz in Gefahr.

«Es ist eine Schande»: Der Schweizer Moslem Adel Abdel-Latif.

«Es ist eine Schande»: Der Schweizer Moslem Adel Abdel-Latif.

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Herr Abdel-Latif, wie sehr hat Sie das Abstimmungsresultat überrascht?
Ich hätte nie gedacht, dass in der Schweiz ein so plakativer Rechtspopulismus einen Nährboden findet. Und dass dieser Rassismus, der in einer solchen Form auf der Welt einmalig ist, ausgerechnet in der Schweiz möglich ist. Das Resultat kam anhand von islamophoben Parolen zustande, die an den Haaren herbeigezogen waren. Das hat mich erstaunt und beängstigt.

Sie sehen das als Rassismus?
Ja. Eine Religionsgemeinschaft wird ganz bewusst von einem sozialen Gemeinschaftsgedanken ausgeschlossen. Das ist Rassismus in seiner reinsten Form. Ich habe mich gestern geschämt, ein Schweizer zu sein.

Welche Konsequenzen hat das für unser Land?
Die Schweiz, als Sinnbild für Neutralität und Humanität, ist seit gestern nicht mehr glaubwürdig. Wir haben ein Zeichen der Intoleranz gesetzt und uns klar von der Zusammengehörigkeitspolitik entfernt. Darauf werden auch zahlreiche nicht-islamische Staaten reagieren. Den Schaden werden wir noch zu spüren bekommen, sei es wirtschaftlich oder politisch. An einem einzigen Tag ist vieles kaputt gemacht worden, was sich die Schweiz über Jahre erarbeitet hat.

War sich das Stimmvolk der Tragweite der Abstimmung nicht bewusst?
Ganz klar nein. Sie haben sich einlullen und blenden lassen durch Schlagwörter wie Geschlechtsverstümmelungen, Zwangsheirat, Terror-Attentate. Alles Dinge, die in der Schweiz nicht existent sind. Das Schweizer Volk gibt sich nach aussen gerne tolerant und weltoffen. Im Innersten ist es das aber offenbar nicht.

Was bedeutet das Resultat für die Muslime in der Schweiz?
Sowohl die 50'000 Schweizer Muslime, welche zum Islam konvertiert sind, als auch die restlichen 350'000 Muslime werden den Rassismus zu spüren bekommen, der durch die Volksinitiative besiegelt wurde. Wir fragen uns zurecht: Was kommt als nächstes? Ein Kopftuch-Verbot? Die Schweiz hat aus den Muslimen eine eigene Rasse gemacht. So als gäbe es auch DEN Europäer.

Es gibt Anzeichen, dass das Verbot juristisch gar nicht umsetzbar ist.
Es geht hier nicht um rechtliche Aspekte. Auch wenn das Gesetz ausgehebelt werden könnte, würde das nichts an der Tragödie ändern. Es geht darum, dass 58 Prozent der Schweizer den Muslim als Feindbild ansehen. Dass Menschen radikalisiert werden, die ihre Religion friedlich ausleben wollen. Das ist schlicht und einfach beschämend. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2009, 14:47 Uhr


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