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Ärger wegen Yahoo in Kandersteg

Von Bruno Petroni. Aktualisiert am 26.10.2011 2 Kommentare

Seit über einem Jahr zeigt der weltweite Konzern Yahoo auf dem App der neuen iPhone-Generation viel zu kalte Temperaturen für Kandersteg an. Jetzt leitet die Gemeinde rechtliche Schritte ein.

«Letzten Winter hatten wir laut Yahoo permanent minus 20 bis 30 Grad Kälte. Und auch jetzt sollen in Kandersteg die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt liegen»: Paul Breitschmid und seine Gemeinderatskollegen gehen jetzt mit rechtlichen Schritten gegen den weltweiten Internetprovider Yahoo vor, der falsche Wetterdaten veröffentlicht. Yahoo bietet seinen Meteodienst als Programm – App genannt – auf jedem verkauften Smartphone an.

Unbeantwortetes E-Mail

Schon letzten Winter versuchte sich IT-Spezialist Paul Breitschmid für die Gemeinde zu wehren – zunächst bei der Firma Apple: «Dort bekam ich nach bezahlten 100 Franken Gebühr für die Kontaktnahme die kurze Auskunft, sie seien nicht für solches zuständig, ich müsse da schon bei Yahoo vorstellig werden.» Ende Februar tat Breitschmid das denn auch, und zwar per E-Mail. Er forderte die in München angesiedelte deutsche Niederlassung des Konzerns auf, die Wetterdaten so zu erfassen, dass sie den örtlichen Gegebenheiten entsprechen: «Da wir zu 75 Prozent vom Tourismus abhängen, ist es für uns wichtig, dass die Touristen mit den richtigen Informationen versorgt werden. Wenn sie nämlich mit so kalten Temperaturen rechnen müssen, meiden sie unsere Langlauf- und Skigebiete.» Paul Breitschmid wartet bis heute auf eine Antwort aus München. Doch jetzt reicht es den Kanderstegern: «Wir haben einen Rechtsanwalt beauftragt, der Firma Yahoo einen eingeschriebenen Brief zu schicken. Mit einer Klage warten wir noch zu», sagt die Gemeinderätin Barbara Jost.

Kälter als auf der Scheidegg

Inzwischen konnte Paul Breitschmid ausfindig machen, dass die Daten für Kandersteg von der Wetterstation auf dem Jungfraujoch erfasst werden, die für das neun Kilometer weiter westlich gelegene Adelboden von derjenigen in Gstaad. Breitschmid glaubt, dass irgendwo da die Fehlerquelle liegt.

Tatsächlich zeigte der Wetterbericht von Yahoo auf dem iPhone für Kandersteg auch gestern Dienstag bis zu minus sieben Grad Celsius an. Dabei herrschten dort in Wirklichkeit genau dieselben Temperaturen wie in Adelboden und Gstaad, nämlich plus sieben Grad. Sogar das als kältestes Dorf der Schweiz bekannte La Brévine im Neuenburger Jura hatte gestern nicht kälter als die Oberländer Kurorte. Und nicht mal auf der Kleinen Scheidegg, 2060 Meter über Meer, war es gestern mit Temperaturen knapp unter der Gefriergrenze so kalt, wie es laut Yahoo-Wetterdienst in Kandersteg hätte sein sollen. Für heute Mittwoch sind sogar minus zehn Grad angekündigt worden (siehe Bild), für morgen Donnerstag minus neun Grad.

«Nicht blind vertrauen»

Jerun Vils, Direktor von Kandertal Tourismus, unterstützt die Gemeindebehörden in ihrem rechtlichen Vorstoss gegen Yahoo: «Es ist erschreckend, wie man als kleiner Kurort schnell zum Spielball von global tätigen Grossunternehmen werden kann.» Vils mahnt die Benützer von modernen Kommunikationsmitteln, nicht einfach blindes Vertrauen in die dort aufgeschalteten Dienste zu haben: «Ähnlich geht es ja auch zu und her, wenn man sich blind auf ein GPS-Gerät verlässt. Da landet man schon mal an einem Seeufer oder mitten in einem Wald.» Der Tourismusdirektor empfiehlt den Gästen, sich doch vorher kurz telefonisch über die Verhältnisse am Zielort zu erkundigen.

Beim Internetprovider Yahoo in München war gestern bis Redaktionsschluss übrigens trotz zahlreicher Versuche niemand für eine telefonische Stellungnahme erreichbar. (Berner Oberländer)

Erstellt: 26.10.2011, 10:02 Uhr

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2 Kommentare

alexander steiner

26.10.2011, 10:49 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Seit wann haben die Amerikaner Ahnung von unserem Wetter? Hier handelt es sich um Daten des amerikanischen Wetterdienstes und da ist es klar, dass diese Daten nie und nimmer stimmen können! Wir haben ja auch keine Ahnung vom Amiwetter! Hauptsache es gibt ein überflüssiges App! Antworten


Marc de Roche

26.10.2011, 16:13 Uhr
Melden

Yahoo kriegt weltweit für die Wetter-Anzeige fast 1 Mio. Temperaturdaten. In den USA werden Orte, die näher als 20 Meilen entfernt sind, mit der gleichen Temperatur angezeigt. Die Daten stammen zwar von lokalen Wetterstationen, aber sie werden nur mit den Koordinaten geliefert, ohne Ort. Verantwortlich für die Applikation ist Yahoo! in Sunnyvale, Kalifornien. Dort müsste man fragen … Antworten



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