Oberhofen

Asyl-Notunterkunft in Oberhofen soll als Reserve bleiben

OberhofenDie Notunterkunft für Asylsuchende wird per 31. März geschlossen – neun Monate früher als geplant. Allerdings soll sie Teil der «strategischen Reserve» des Kantons bleiben.

Die Zivilschutzanlage an der Alpenstrasse in Oberhofen wird ab Ende März nicht mehr benötigt.

Die Zivilschutzanlage an der Alpenstrasse in Oberhofen wird ab Ende März nicht mehr benötigt. Bild: Manuel Lopez

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Für zwei Jahre war sie vorgesehen, jetzt ist nach gut einem Jahr schon wieder Schluss: Der Kanton schliesst Ende März die Asylnotunterkunft in Oberhofen. Das teilte die Polizei- und Militärdirektion des Kantons am Freitag zusammen mit der Gemeinde Oberhofen mit. «Die Schliessung ist möglich, da die Anzahl der Asylgesuche tiefer als erwartet aus­gefallen ist und weiterhin sinkt», heisst es im Communiqué.

Nach der grossen Flüchtlingswelle im Jahr 2015 ist die Zuwanderung letztes Jahr um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Der Bund weise dem Kanton Bern daher weniger Asylsuchende zur Unterbringung und Betreuung zu. «Daher ist zurzeit eine grosse Anzahl der Unterbringungsplätze in den bernischen Kollektivunterkünften nicht besetzt», heisst es in der Mitteilung weiter.

«Zudem will der Kanton Bern die vom Bund zugewiesenen Menschen vorzugsweise in oberirdischen Unterkünften beherbergen.» Deshalb sind die unterirdischen Anlagen nur noch teilweise belegt – in Oberhofen sind derzeit weniger als 20 Personen untergebracht.

Ursprünglich sah der Kanton vor, bis zu 100 Personen in der Zivilschutzanlage unterzubringen. Ein Vorhaben, das auf grossen Widerstand stiess; die Gemeinde prüfte gar den Gang vor Gericht. In der Folge einigte man sich darauf, 30 Personen in Oberhofen unterzubringen, sodass die Anlage Anfang November 2015 in Betrieb genommen werden konnte.

Reibungsloser Betrieb

Gemeindepräsidentin Sonja Reichen (FDP) sagte, die Unterkunft habe reibungslos ­betrieben werden können. «Das hat sicher damit zu tun, dass nie viele Menschen untergebracht waren», sagte sie, «ist aber sicher auch ein Verdienst der vielen freiwilligen Helfer.»

Diese haben laut Reichen Deutschkurse oder Freizeitaktivitäten organisiert, aber auch Hilfestellungen im täglichen Leben, etwa beim Einkaufen, geboten. Und: «Auch die einst schärfsten Kritiker äussern sich heute zufrieden damit, wie die Dinge gelaufen sind.»

Anlage bleibt als Reserve

Womöglich könnten diese Kritiker nun wieder auf den Plan treten. Denn die Gemeinde und der Kanton verhandeln darüber, zu welchen Konditionen die Anlage in die «strategische Reserve» von Asylnotunterkünften des Kantons Bern aufgenommen werden könnten.

Setzt sich die Gemeinde damit nicht dem Vorwurf aus, sie mache aus einer befristeten Angelegenheit ein «Providurium»? «Damit müssen wir rechnen», sagt Sonja Reichen. «Aber im Fall, dass die Anlage wieder in Betrieb genommen würde, müsste mit dem Kanton wieder über die zeitliche Befristung verhandelt werden.» Ferner könne es weder für den Kanton Bern noch für die Gemeinde Sinn machen, die getätigten Investitionen in die Infrastruktur nach so kurzer Zeit wieder rauszureissen.

Als Teil der strategischen Reserve könnte die Zivilschutzanlage «im Fall eines kurzfristigen erneuten Anstiegs der Gesuchszahlen rasch wieder als Notunterkunft in Betrieb genommen werden», heisst es in der gemeinsamen Medienmitteilung. Wie lange die Anlage Teil dieser Reserve sein soll, ist Gegenstand der laufenden Gespräche. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.02.2017, 10:27 Uhr

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