Zu geringer Abstand: Angeklagter ohne Chance

ThunDass ausgerechnet er wegen zu wenig Abstand auf der Autobahn zwischen Kiesen und Rubigen eine Busse bezahlen muss, wollte ein Angeklagter nicht einsehen. Doch seine Einsprache hatte keine Chance.

Ein Autofahrer wehrte sich vor dem Regionalgericht Thun gegen einen Strafbefehl wegen zu nahem Auffahren auf der Autobahn A6 (Symbolbild).

Ein Autofahrer wehrte sich vor dem Regionalgericht Thun gegen einen Strafbefehl wegen zu nahem Auffahren auf der Autobahn A6 (Symbolbild). Bild: Keystone

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Am 23. März dieses Jahres fuhr der Angeklagte um 6.50 Uhr bei dichtem Verkehr auf der A6 von Thun in Richtung Bern. Dabei wurde er von einer zivilen Polizeipatrouille kontrolliert, welche unter anderem auch den Abstand und das Verhalten der Autobahnpendler mass.

Die beiden Polizisten stellten im Falle des Angeklagten aus dem Berner Oberland einerseits zu wenig Abstand zum vor ihm fahrenden Fahrzeug sowie unvorsichtige Fahrstreifenwechsel fest. Alles wurde per Video registriert und dieses dem Verkehrssünder auf der Raststätte Windrose in Münsingen gleich vorgeführt. Weil die Verfehlungen des Angeklagten über der Toleranzgrenze waren, kam es schliesslich zu einem Strafbefehl.

«Ich hätte bremsen können»

Die Messumstände seien «komisch» gewesen, meinte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Regionalgericht in Thun. Dies auch wegen des doch starken Morgenverkehrs. Zudem hätte er jederzeit bremsen können und sei seit Jahrzehnten praktisch unfallfrei unterwegs, erklärte er seine Einsprache gegen den ordentlichen Strafbefehl. «Niemand kann morgens unter der Woche auf der extrem stark befahrenen Autobahn zwischen Thun und Bern den Abstand einhalten», behauptete er weiter.

Doch die Polizisten, welche ihn angezeigt hatten, sahen dies anders und beriefen sich auf die gesetzlich definierten Toleranzwerte. Einer der Polizisten sagte gestern als Zeuge vor dem Regionalgericht Berner Oberland aus, dass die Toleranzwerte wegen ungenügenden Abstands im Prinzip sogar noch zugunsten des Verkehrssünders festgelegt seien: «Beim Angeklagten jedoch war der Abstand nachweisbar ausserhalb der Toleranz», sagte der Polizist weiter.

Richtlinien gelten

Im Weiteren meinte der Angeklagte, dass die Messgeräte unpräzise seien und er die Grenzwerte grundsätzlich infrage stelle. Gerichtspräsident Peter Moser liess die Argumente des Angeklagten nicht gelten und sagte: «Ihr Verhalten hätte unter diesen Umständen zu einem Unfall führen können. Die Richtlinien für eine Verzeigung sind klar definiert.»

Moser appellierte nach der Zeugeneinvernahme an den Angeklagten, dass dieser doch seine Einsprache zurückziehen solle. Denn diese würde sicherlich nichts am festgesetzten Strafmass ändern. Schliesslich wurde der Verkehrssünder einsichtig und zog die Einsprache zurück. Deshalb gilt nun die Geldstrafe auf Probezeit von vier Jahren über 1000 Franken. Zudem muss der Mann eine Verbindungsbusse über 500 Franken bezahlen. Hinzu kommen Gerichts- und Staatsanwaltskosten wegen der gestrigen Gerichtsverhandlung. (Thuner Tagblatt)

(Erstellt: 22.10.2015, 21:27 Uhr)

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